Wasser war schon immer sein Element. Als Jugendlicher zog Andreas Schauer (47) kraulend oder in der Delfintechnik seine Bahnen und nahm mit dem Sportverein Riedlingen an den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften teil. Bei den Wettkämpfen wurde auch Schauers Interesse an seiner heutigen Profession geweckt. "Ich kam aus dem kleinen oberschwäbischen Städtchen in tolle Bäder, das hat mich damals einfach fasziniert", erinnert er sich: "Damals fiel auch schon mein Entschluss, dass ich in diesem Bereich später einmal beruflich tätig sein wollte." Das liegt inzwischen rund 30 Jahre zurück.

Die Bodenseetherme in Überlingen wurde 2003 eröffnet, 2014 wurde die Saunalandschaft erweitert. Bild: Stefan HilserDie Bodenseetherme in Überlingen gilt als Beispiel für eine gelungene Bäderarchitektur und wurde auch schon ausgezeichnet. Bild: Stefan Hilser
Die Bodenseetherme in Überlingen wurde 2003 eröffnet, 2014 wurde die Saunalandschaft erweitert. | Bild: Hilser, Stefan

Heute plant, baut und betreibt Andreas Schauer mit seiner in Überlingen ansässigen Firma Freizeitanlagen in der ganzen Republik. Er war nicht nur ein Geburtshelfer der Bodenseetherme. Unter seiner Regie stehen derzeit über eigene Betriebsgesellschaften das Aquabasilea bei Basel, das Liquidrom in Berlin, das Solymar in Bad Mergentheim und die Saarlandtherme in Saarbrücken. Letztere ist mittlerweile im Eigentum der Schauer & Co Projekt und Management GmbH. Wurde Rudolf Wienands, der Münchener Architekt der Bodenseetherme gerne als "Bäderpapst" unter den Planern bezeichnet, so ist Schauer vielleicht der Bädermeister des Landes.

Der ehemalige Sportschwimmer begleitete schon den Bau der Bodenseetherme in Überlingen, den Betrieb des fertigen Bades leitete er für die Aquapark Management GmbH nur noch rund 14 Monate, dann wurde es ihm zu eng und er brach auf zu neuen Ufern. "Die Zusammenarbeit mit Oberbürgermeister Volkmar Weber und den Bauämtern war sehr gut", erinnert sich Andreas Schauer: "Ich habe hier sehr positive Erfahrungen gemacht. Das war wie ein warmer Wind aus der Verwaltung." Nach wie vor gefällt ihm die Einbindung der Architektur sehr gut und vor allem: "Seit es die Therme hier gibt, hat die Stadt rund 100 000 Übernachtungen mehr."

Die Bodenseetherme in Überlingen wurde 2003 eröffnet, 2014 wurde die Saunalandschaft erweitert. Bild: Stefan HilserDie Bodenseetherme in Überlingen gilt als Beispiel für eine gelungene Bäderarchitektur und wurde auch schon ausgezeichnet. Bild: Stefan Hilser
Die Bodenseetherme in Überlingen wurde 2003 eröffnet, 2014 wurde die Saunalandschaft erweitert. | Bild: Hilser, Stefan
Das könnte Sie auch interessieren

Nach seinem Studium an der Sporthochschule Köln hatte Schauer in der dortigen Claudius-Therme seine ersten Erfahrungen gesammelt und wurde 1995 mit 25 Jahren deren Betriebsleiter. Beim Bau des "Mediterrana" in Bergisch-Gladbach mischte er schon am Gesamtkonzept zur Sanierung und Erweiterung eines defizitären kommunalen Hallenbades in maurischem-andalusischem Stil mit und wurde Ende der 1990-er Jahre deren zweiter Geschäftsführer. Doch dann rief der Süden Deutschlands, oder konkreter, Rudolf Wienands, der schon die Claudius-Therme und das Mediterrana gebaut und den Architekturwettbewerb für die Bodenseetherme gewonnen hatte. "Für uns Oberschwaben war der Bodensee immer ein Traum, quasi die Riviera der Schwaben", erinnert sich Schauer: "Da ist meine Mutter schon mit dem Fahrrad hergefahren." Schon seit vielen Jahren wohnt er mit seiner Frau und den beiden Kindern wieder in Überlingen

Bürgerentscheid in Lindau

Auf die Bodenseetherme folgte die Balitherme in Bad Oeynhausen, dann die Saarlandtherme. Doch der so ruhig und bedächtig wirkende Schauer braucht kein Ruhekissen. Nicht nur in Lindau, wo vor einer Woche der offizielle Spatenstich für die Therme stattfand, ist Andreas Schauer der Motor. Schon 2012 hatten die Überlegungen der Stadt begonnen, Ersatz für das sanierungsbedürftige Hallenbad zu schaffen. Im Herbst 2014 gewann Schauers Firma den europaweiten Wettbewerb gegen sieben Konkurrenten. "Ab 2015 hatten wir selbst die Bauleitplanung gemacht, der Bebauungsplan allein hatte mehr als 1000 Seiten." Doch kurz bevor er richtig loslegen konnte, kam 2017 der Bürgerentscheid. Parallel zu Lindau will Schauer derzeit auf der Werder-Insel bei Potsdam aus einer Bauruine der geplanten Blütentherme ein "Premium Spa für Berlin und Brandenburg" machen. Die Stadt Werder wird Eigentümer bleiben, der Überlinger will sie für 30 Jahre pachten und den Betrieb übernehmen.

Andreas Schauer (mitte) beim offiziellen Spatenstich für die Lindau Therme am vergangenen Montag. Bild: Schauer & Co
Andreas Schauer (mitte) beim offiziellen Spatenstich für die Lindau Therme am vergangenen Montag. Bild: Schauer & Co

Erfolgsrezept?

Was ist für Schauers das Rezept für den wirtschaftlichen Erfolg eines Freizeitbades? "Zunächst ist es die gute Lage, dann das Einzugsgebiet und schließlich ein schlüssiges Konzept", erklärt der Bädermacher. Was in Überlingen und Lindau die unmittelbare Lage am See ist, ist in Werder der Standort auf einer Insel, die in die Havel hineinragt. Doch scheinen auch in Brandenburg manchen Bürgern die geplanten Investitionen von über 28 Millionen Euro zu hoch, wie in der lokalen Zeitung zu lesen ist. Der Stadtrat hat sich für Schauers Konzept entschieden – und auch mit Bürgerentscheiden hat er inzwischen Erfahrung.

Bürger, Bäder, Bodensee

  • Nicht nur in Überlingen bewegte der Badbau am Bodensee die Bürger. Hier gab es Proteste gegen die Uferbebauung, in Lindau ist es beim Strandbad Eichwald zudem noch ein Landschaftsschutzgebiet. "Ich sage nichts gegen einen Bürgerentscheid", sagt Schauer. "Aber bitte, bevor die Bagger kommen." Schauer ärgert es, wenn sich die Bürger nicht frühzeitig einbringen und kundig machen. In Lindau habe seine Firma 2015 eine sehr gut besuchte Informationsveranstaltung gemacht, sie habe eine umfangreiche Zeitschrift über das Vorhaben publiziert. "Das ist der Zeitgeist", mutmaßt Schauer; "dass sich die Leute oft erst dann unbeteiligt fühlen, wenn es losgeht." Man frage sich manchmal: "Soll der Bürgermeister an jedem Haushalt vorbeifahren und fragen: Habt ihr die Zeitung gelesen? Wart ihr bei Veranstaltungen?"
  • Als die Überlinger Bürger 2000 zur Urne gebeten wurden, war alles noch offen. "Viele haben vergessen, dass der Bürgerentscheid gegen die Bodenseetherme ausging", sagt Schauer. Tatsächlich konnte das Bad nur am jetzigen Standort gebaut werden, weil bei der Abstimmung das Quorum damals nicht erreicht worden war.
  • Doch selbst ein positives Votum der Bürger reicht nicht immer. In Lindau wurde im Vorjahr nicht nur das Quorum erreicht, zwei Drittel stimmten für das Bad und das Verwaltungsgericht Augsburg lehnte eine Klage ab. Dass dann noch mit dem Europäischen Gerichtshof gedroht werde, kann Bädermeister Schauer überhaupt nicht nachvollziehen. Derzeit liegt die Causa beim Verwaltungsgerichtshof in München. Unterdessen gehen die Bauarbeiten nun beherzt weiter. "Wenn die Klagen weiter gehen, haben wir geöffnet, bis alle Instanzen durch sind." Auch in der Sache kann er das Anliegen der Kritiker hier wie dort nicht verstehen. "In den Thermen ist die höchste Besucherdichte am See", sagt er. Da werde doch eine Nachfrage "kanalisiert".
  • "Andreas Schauer & Co" ist nur Name der Projektgesellschaft, weitere Beteiligte hat der 47-Jährige Überlinger Bädermacher in seiner Firma nicht, lediglich "fünf, sechs Mitarbeiter". Jede Anlage, die Schauer betreibt, vom Aquabasilea bis zur Saarlandtherme, hat eine eigene Betriebsgesellschaft, deren Mitarbeiter sich insgesamt auf mehr als 300 summieren. In Lindau wird es zwei Eigentümer geben, die Firma investiert selbst gut 20 Millionen in die Therme mit Saunen, die Stadt finanziert mehr als 14 Millionen in Strand- und Sportbad. Eine Solarfähre von der dann größten Therme zur Lindauer Insel hat Schauer schon im Blick. (hpw)