„Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen“, heißt es aus der Jury, die diesmal für die Ermittlung des Siegers im Regionalentscheid des Vorlesewettbewerbs ungewöhnlich lange gebraucht hat. Lesekönig ist der zwölfjährige Vincent Gutmann vom Gymnasium Überlingen. 7100 Sechstklässler beteiligen sich dieses Jahr am Regionalwettbewerb. Neun Mädchen und zwei Jungen traten gestern im Medienhaus im Kiesel in Friedrichshafen zum Vorlesen an.

Von Kulturbürgermeister Andreas Köster befragt, gestanden sie, dass sie doch ziemlich aufgeregt waren. Während die Jury – Lehrer, je eine Vertreterin einer Buchhandlung und des Medienhauses sowie die Siegerin des Vorjahres – sich in ihrer Entscheidung schwer tat, plauderte Köster mit den Kindern über Gott und die Welt, wie er der Jury berichtete. Er überreichte den Gewinnern der Schulen eine Urkunde sowie das vom Buchhandel gestiftete Buch „Last Secrets“ von Richard Dübell.

Dass alle Teilnehmer fleißig geübt hatten, war nicht zu überhören. In der ersten Runde lasen die Jugendlichen drei Minuten aus einem Buch ihrer Wahl vor, dessen Inhalt sie zunächst den Besuchern vorstellten: Abenteuer, Fantasiegeschichten oder Geschichten über Mut und Freundschaft. Dabei kam es auf folgende Kriterien an: sicheres und flüssiges Lesen, Aussprache, Lesetempo und Betonung. Versprecher flossen nicht in das Urteil der Jury ein.

In der zweiten Runde, zwei Minuten Vorlesen aus einem unbekannten Text, wurde es schon schwieriger: „Ellis Hundesitter-Chaos…“. Eine ganze Reihe von Jugendlichen legte eine beachtliche Leistung vor, die es der Jury umso schwerer machte. Manche legten sich mächtig ins Zeug und verstanden es, Spannung aufzubauen und das Publikum mit Lebendigkeit und Dynamik zu fesseln, dabei Stimme und Tonfall zu verändern, um die unterschiedlichen Figuren im Buch hervorzuheben.

Von Köster befragt, welche Runde die schwierigere gewesen sei, erklärten vier Schüler erstaunlicherweise, es sei die erste Runde gewesen. Vincent meinte dazu: „Es war wegen des Drucks, bereits am Anfang gut sein zu müssen.“ Und Carla sagte: „Ich hatte Angst, vor so vielen Leuten zu sprechen.“ Für die meisten war der unbekannte Text schwieriger: „Man ist aufgeregter, weil deshalb die Wörter schwieriger zu lesen sind.“ Auch im Zeitalter der virtuellen Medien hat das Buch offensichtlich seinen Reiz nicht verloren. Die Frage, ob es bei selber Punktzahl zwei Sieger geben würde, beantwortete Astrid Weisner vom Medienhaus so: „Nein, wir dürfen nur einen vorschlagen.“

Auf die Frage, ob er mit seinem Sieg gerechnet habe, erklärte Vincent: „Überhaupt nicht. Ich bin aus allen Wolken gefallen.“ Er hatte eher mit jemand anderem gerechnet. „Ich bin happy, aber auch schon aufgeregt für das nächste Mal.“ Er meint die Teilnahme am Landeswettbewerb. Er geht mit einer Urkunde und dem Buchpreis „Opi Kas, die Zimtziegen und ich“ von Marjolijn Hof nach Hause. Und die anderen? Die gehen ebenfalls als Gewinner nach Hause.