In der kalten Jahreszeit steigt das Risiko, an der "echten" Grippe, also Influenza, zu erkranken, deutlich an. Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben der Krankenkassen in der Bodenseeregion deutlich mehr Grippefälle als im Vorjahr. Jetzt rechnen Experten damit, dass sich in diesem Jahr mehr Menschen in der Bodenseeregion gegen die Krankheit impfen lassen werden. Wer sollte sich auf jeden Fall impfen lassen? Und wann ist die beste Zeit dafür?

Wer sollte sich impfen lassen?

Nach Angaben von Elke Häberle, Ärztin im Gesundheitsamt des Landratsamtes Bodenseekreis, war gerade bei der Grippeimpfung die Impfmüdigkeit in der Bevölkerung zuletzt sehr hoch. "In Baden-Württemberg empfiehlt das Sozialministerium die Grippeimpfung allen Einwohnern unabhängig vom Lebensalter. Dies ist sinnvoll, da die Grippe eine schwerwiegende Erkrankung ist, die durch die Impfung verhindert oder zumindest in ihrem Verlauf abgemildert werden kann. Darüber hinaus schützt eine hohe Durchimpfungsrate auch die Personenkreise, die um Beispiel aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können", erklärt Häberle.

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Wie viele Grippefälle gab es in der Saison 2017/2018?

In der Saison 2017 und 2018 gab es im Bodenseekreis 838 gemeldete Grippefälle und damit mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Nach Angaben des Gesundheitsamts dürfte die Dunkelziffer jedoch sehr viel höher liegen, da nicht bei allen fieberhaften Erkältungskrankheiten ein Virus-Abstrich gemacht werde. "In der letzten Grippesaison gab es auch deswegen so viele Erkrankungen, da der meiste verwendete Dreifach-Impfstoff nicht gegen alle kursierenden Virus-Untertypen wirksam war", sagt Elke Häberle.

Für die aktuelle Saison gibt es deshalb nach Angaben der Krankenkassen einen Vierfachimpfstoff. Die Kosten für die Grippeschutzimpfung werden von den Krankenkassen übernommen. Auch die Verantwortlichen der Krankenkassen raten zur Grippeimpfung: "Wir raten jedem zu einer Grippeschutzimpfung. Einen 100-prozentigen Schutz gegen Grippe kann aber auch der neue Vierfachimpfstoff nicht garantieren, dazu sind die Grippeerreger zu wandlungsfähig", erklärt Bettina Möhrle von der Kaufmännischen Krankenkasse in Ravensburg.

Wann sollte Sie sich impfen lassen?

Ärzte und Experten der Krankenkassen raten all denjenigen, die sich gegen Grippe impfen lassen möchten, dies möglichst bis Ende November zu tun, denn im Bodenseekreis wurde am 17. Oktober bereits der erste Fall der laufenden Saison gemeldet. Außerdem habe die Erfahrung der vergangenen Jahr auch gezeigt, dass bei etlichen Ärzten in den Wintermonaten, als sich die Grippefälle gehäuft hatten, Patienten oft wochenlang auf einen Impftermin warten mussten, da in vielen Arztpraxen nicht ausreichend Grippeimpfstoff zur Verfügung stand. Das Robert-Koch-Institut in Berlin weist aber auch darauf hin: "Nach Untersuchungen in den letzten Jahren liegt die Wirksamkeit des Impfschutzes gegen eine laborbestätigte Influenzaerkrankung zwischen 40 und 60 Prozent, wobei die höheren Werte eher in Saisons mit guter Übereinstimmung der Impfstämme mit den zirkulierenden Stämmen erreicht werden. In der älteren Bevölkerung ist die Schutzrate vor Erkrankung durchschnittlich geringer als in jüngeren Altersgruppen."

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Erkrankung und Symptome

Die Grippe ist nach Angaben des Gesundheitsamts keine harmlose Erkältungskrankheit, sondern eine oft schwer verlaufende Erkrankung, die nicht selten mit Komplikationen wie Lungenentzündung einhergehen oder sogar tödlich verlaufen kann. Um einer Grippeerkrankung vorzubeugen, sollte man neben der Impfung außerdem auf eine sorgfältige Händehygiene achten. Ebenso sei zu empfehlen, Räume regelmäßig zu lüften, sich gesund und abwechslungsreich zu ernähren sowie große Menschenansammlungen zu meiden.

Die Grippe ist keine harmlose Erkältungskrankheit, sondern eine oft schwer verlaufende Erkrankung.
Die Grippe ist keine harmlose Erkältungskrankheit, sondern eine oft schwer verlaufende Erkrankung. | Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Grippe ist eine weltweit verbreitete, hochansteckende Infektionskrankheit, die durch so genannte Influenza-Viren ausgelöst wird und vorwiegend saisonal auftritt. Die Influenza ist nicht mit einer Erkältung beziehungsweise einem grippalen Infekt vergleichbar, sondern kann zu einem erheblich schwereren Krankheitsbild führen. Bei der "echten" Grippe kommt es meist ganz plötzlich zu Abgeschlagenheit, hohem Fieber und trockenem Husten.

Influenza-Viren schädigen aufgrund ihrer schnellen Vermehrung die Schleimhaut der Atemwege und mindern die Abwehrkräfte, dadurch wird der Körper für lebensgefährliche Komplikationen wie beispielsweise eine Lungenentzündung anfällig.

Händewaschen gehört zu den vorbeugenden Maßnahmen gegen Krankheitserreger.
Händewaschen gehört zu den vorbeugenden Maßnahmen gegen Krankheitserreger. | Bild: Alexander Raths/dpa

Das Gesundheitsamt rät auch zur Keuchhusten-Impfung

  • Nach aktuell zwei Ausbrüchen von Keuchhusten in Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder im westlichen Bodenseekreis weist das Gesundheitsamt im Bodenseekreis auch hier auf die Bedeutung einer Impfung hin. Betroffen bei den beiden Fällen sind sieben beziehungsweise acht Kinder, die nach Angaben des Landratsamts überwiegend nicht oder unvollständig gegen Pertussis geimpft waren.
  • Bei Keuchhusten handelt sich laut Pressetext der Kreisbehörde um eine schwere bakterielle Infektionskrankheit der Atemwege, die durch den Erreger Bordetella pertussis hervorgerufen wird. Keuchhusten kann sich über mehrere Wochen bis Monate hinziehen. Vor allem für Neugeborene und Säuglinge kann die Erkrankung lebensbedrohlich sein. Charakteristisch ist „keuchender“ Husten, begleitet von zähem Auswurf bis hin zu Erstickungsanfällen. Bei erkrankten Erwachsenen kann dieser typische Husten auch fehlen. Stattdessen haben die Betroffenen meist einen hartnäckigen und langanhaltenden Husten.
  • Laut Robert-Koch-Institut ist eine vollständige Ausrottung von Keuchhusten im Gegensatz zu anderen Krankheiten zwar nicht möglich. Wegen der begrenzten Dauer der Immunität sowohl nach einer natürlichen Erkrankung als auch nach einer vollständigen Impfung können sich auch immunisierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene wieder neu anstecken. Ziele der gegenwärtigen Impfstrategie in Deutschland sind daher ein möglichst frühzeitiger und vollständiger Impfschutz: Empfohlen wird eine Impfung gegen Pertussis im Alter von zwei, drei und vier Monaten, eine weitere im Alter zwischen elf und 14 Monaten sowie jeweils eine Auffrischungsimpfung mit fünf bis sechs Jahren und zwischen neun und 17 Jahren. Erwachsene sollten sich einmalig gegen Pertussis impfen lassen, und zwar mit der nächsten Auffrischungsimpfung gegen Tetanus und Diphtherie.
  • 2018 wurden dem Gesundheitsamt bisher 54 Keuchhustenfälle gemeldet (2017: 82 Fälle). Jedoch gehen Experten auch hier von einer viel höheren Dunkelziffer aus, da nicht bei jedem Husten Abstriche auf Pertussis gemacht werden und somit viele Fälle unerkannt bleiben. Bei Fragen können sich Eltern an den Haus- oder Kinderarzt sowie das Gesundheitsamt (Behördenrufnummer 115, ohne Vorwahl) wenden.

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