Die Formel klingt einfach und logisch: Je kleiner die Heimatgemeinde, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen nicht an ihrem Wohnort arbeiten oder zur Schule gehen. Gependelt wird am Bodensee natürlich auch länderübergreifend in die Schweiz, nach Liechtenstein, Österreich oder zwischen Bayern und Baden-Württemberg. 2017 pendelten im Dreiländereck Bodensee laut Angaben der Statistikplattform Bodensee rund 55 500 Menschen über die Staatsgrenzen zur Arbeit.

Aber auch über die Kreisgrenzen hinweg nimmt die Zahl der Pendler in den vergangenen Jahren zu. Verzeichnete der Pendleratlas der Bundesagentur für Arbeit 2016 22 379 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, die täglich aus anderen Kreisen zum Arbeiten in den Bodenseekreis kommen, waren es 2017 schon 23 150. Doch nicht nur Erwachsene, auch Schüler und Studenten pendeln in der Region. Wir wollten von ihnen wissen, wie anstrengend die täglichen Fahrten sind und wie gut ihrer Ansicht nach die Verkehrsmittel in der Bodenseeregion aufeinander abgestimmt sind.

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Schüler pendelt seit sieben Jahren in den Bodenseekreis

Wenn sich der 17-jährige Valentin Daschner aus Lindau um kurz vor 7 Uhr morgens auf den Weg zum Bahnhof macht, dann ist es zurzeit noch stockdunkel, doch der Jugendliche ist in Sachen Pendeln schon ein echter Profi: "Ich bin zuerst immer nach Kressbronn in die Schule gefahren, da musste ich noch früher los, jetzt fahre ich nach Friedrichshafen ins Gymnasium. Ich pendle schon seit sieben Jahren", erzählt er. Die Zeit im Zug nutze er, um Musik zu hören, sich auf den Unterricht vorzubereiten oder sich mit Freunden zu unterhalten. Mit ihm fährt seit vier Jahren auch seine 15-jährige Schwester Lena, die die Zeit im Zug meistens mit ihren Freundinnen verbringt.

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Verspätungen ärgern den 17-Jährigen

Aus den bayerischen Bodenseegemeinden pendeln viele Schüler ins benachbarte Baden-Württemberg. Als Gründe nennen Eltern und Schüler das Schulsystem mit vielen Möglichkeiten und Schularten. Lindauer Schüler, die nach Kressbronn ins Bildungszentrum Parkrealschule fahren, bekommen sogar die Fahrkarten bezahlt, da es in Lindau kein vergleichbares Schulangebot gibt. "Die Fahrt selbst ist nicht anstrengend, es nervt aber schon, dass die Züge sehr oft verspätet und gerade im Sommer sehr voll sind", erzählt Valentin Daschner.

Darunter leiden nicht nur die Pendler: Wenn Züge in der Region unpünktlich sind, können viele Anschlüsse nicht mehr erreicht werden.
Darunter leiden nicht nur die Pendler: Wenn Züge in der Region unpünktlich sind, können viele Anschlüsse nicht mehr erreicht werden. | Bild: Hans-Robert Nitsche

Pendler, die mit dem Auto kommen, müssen gut vorplanen

Viele Pendler in der Region nutzen das Auto, um vom Wohnort zur Arbeit und wieder zurück zu kommen. Das macht auch die Villingerin Brigitte Heine so. Die 51-Jährige wohnt am Stadtrand von Lindau und arbeitet im Controlling bei ZF in Friedrichshafen. Brigitte Heine hat zwar keine Familie in der bayerischen Seegemeinde, aber nach eigenen Angaben eine sehr schöne Wohnung. Sie fühle sich in Lindau verwurzelt, sagt sie. Dafür nimmt sie auch die täglichen Fahrten über die Bundesstraße 31 auf sich: "Wenn in Friedrichshafen Messen sind, dann plane ich das natürlich mit ein und fahre entsprechend früher los und bleibe dann eben einfach länger bei der Arbeit. Mein Negativrekord, was die Fahrzeit angeht, liegt bei zwei Stunden und 15 Minuten", erzählt sie. Die täglichen Fahrten empfinde sie nicht als Stress. Sie kenne etliche Kollegen, die wesentlich weitere Strecken zur Arbeit zurücklegten.

Die 51-jährige Brigitte Heine fährt jeden Tag vom Lindauer Stadtrand aus zu ZF nach Friedrichshafen.
Die 51-jährige Brigitte Heine fährt jeden Tag vom Lindauer Stadtrand aus zu ZF nach Friedrichshafen. | Bild: Susanne Hogl

Anschlussprobleme durch Verspätungen

Aber auch Bus und Bahn sind keine Garantie dafür, pünktlich anzukommen, erklärt Bernd Hasenfratz, Prokurist beim Verkehrsverbund Bodo: "Anschlussprobleme entstehen dann, wenn sich Verkehrsmittel verspäten. Das ist aktuell auf der Bodenseegürtelbahn in massivem Umfang der Fall." Bei der Deutschen Bahn komme es ebenfalls immer wieder zu Zugausfällen und Verspätungen und in diesem Jahr müssten Pendler auf einigen Strecken in der Region auf Busse umsteigen. Gut angenommen werde laut Bernd Hasenfratz die Möglichkeit, in den Bodo-Zügen kostenlos Fahrräder mitzunehmen.

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Bodo verzeichnet steigende Fahrgastzahlen im Berufsverkehr

Nach Bodo-Angaben, sind im Jahr 2017 34,8 Millionen Menschen befördert worden. Im Berufsverkehr gab es eine Steigerung um 3,6 Prozent, dies entspricht 500 Pendlern mehr als im Vorjahr. Im Schülerverkehr seien die Zahlen um 3,5 Prozent gesunken. So wurden im Jahr 2017 rund 300 000 Schülermonatskarten verkauft.

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