Vorsätzliche Körperverletzung lautete das Urteil von Richter Hussels-Eichhorn am Mittwochvormittag im Amtsgericht Tettnang. Da der Angeklagte geständig war, sich beim Opfer mehrfach entschuldigt und ihm bereits Schmerzensgeld gezahlt hatte, verpflichtete er den 21-jährigen Mann zu 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit und sah von einer Haftstrafe ab.

Nach dem Genuss von "viel" Bier, zu dessen genauer Menge der Angeklagte keine Angaben mehr machen konnte, dazu zwei bis drei Gläsern Most, wollte der junge Mann zusammen mit einem Freund auf dem Seehasenfest kurz nach zwei Uhr morgens das Meckatzer-Zelt besuchen, was ihm der diensthabende Security-Mitarbeiter verwehrte. Da er sich ungerecht behandelt fühlte, schlug ihm der stattliche Mann mit der Faust ins Gesicht und brach dem Wachhabenden die Nase. Etwas Vergleichbares sei ihm noch nie passiert, gab der Geschädigte zu Protokoll.

Für den 43-Jährigen, der seit 22 Jahren im Sicherheitsgewerbe, früher hauptberuflich, heute aushilfsweise, tätig ist, kam der Angriff völlig überraschend. Er hatte kurz vor Feierabend die Anweisung niemanden mehr ins Zelt zu lassen, was der Angeklagte nicht akzeptieren wollte. Er sei ihm dabei körperlich zu nahe gekommen, weshalb er ihn mit einer Hand von sich schob. "Ich glaubte er sei so jung, dass er Respekt vor mir hätte", sagte er. So traf ihn dessen Faust völlig unvorbereitet auf die Nase. Als er ziemlich benebelt nach seinem Funkgerät griff, traf ihn ein zweiter Schlag an der Stirn. Zurückgeschlagen hat der erfahrene Mann nicht. "Ich versuche alles mit Worten zu klären".

Ein Alkoholtest wurde bei der unmittelbar danach erfolgten polizeilichen Aufnahme der Tat nicht veranlasst. Er habe auf ihn keinen alkoholisierten Eindruck gemacht, gab der Security-Mann zu Protokoll. Nach Einschätzung des Staatsanwalts war der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat sowohl räumlich als auch zeitlich orientiert und damit voll schuldfähig.

Bereits 2014 reagierte der Angeklagte gewalttätig auf die Provokation eines Mitschülers. "Sie haben auch damals die körperliche Auseinandersetzung gesucht", gab ihm Richterin Hussels-Eichhorn zu bedenken und empfahl ihm zu trainieren, Konflikte zukünftig verbal zu lösen.

Von der Hauptschule unterfordert, wechselte der in Friedrichshafen wohnhafte Angeklagte auf die Realschule, die er 2013 mit der Mittleren Reife abschloss. Nach zwei Jahren Berufskolleg schrieb er sich 2016 mit Fachhochschulreife ins Studienfach technische Informatik ein. Ende des vergangenen Sommers brach er das Studium jedoch ab und kehrte zu seiner Mutter zurück. Finanziell vollumfänglich von dieser abhängig, ist er derzeit auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz in einem technischen Beruf. Die 1500 Euro Schmerzensgeld, die er an den Geschädigten zahlen musste, hat sie ihm vorgestreckt. Ab und zu helfe er seinem Vater, der seit seiner Kindheit von der Mutter getrennt lebt, in dessen Betrieb für ein Taschengeld. Darüber hinaus hat der 21-Jährige keinerlei Einkommen. Er gehe nicht von einer Reifeverzögerung, sondern von einer jugendtypischen Verfehlung aus, sagte Richter Hussels-Eichhorn in seiner Urteilsbegründung. "Hätten Sie sich nicht geständig gezeigt, gäbe es Arrest"