War es eine Rangelei? Wer hat wen provoziert? Gab es einen Schlag oder nur einen Stoß? Schnell wurde in der Verhandlung deutlich, dass der Anlass des Streits eher banal war, aber das Problem zwischen den beiden Studenten tiefer lag. Kennengelernt hatten sie sich bereits während eines Auslandsaufenthalts zu Schulzeiten. Während dieser Zeit kamen sie sich auch körperlich näher. Der Angeklagte schilderte, dass er die Beziehung beendet habe, da er sich doch eher zu Frauen hingezogen fühle. In Friedrichshafen trafen sich die jungen Männer durch ihr Studium wieder und zogen 2014 zusammen. "Ich sah ihn einfach als besten Freund", so der 24-Jährige. Der Geschädigte wiederum schilderte, dass der Angeklagte nicht ehrlich zu seiner damaligen Freundin gewesen sei und sich ihm genähert habe, wenn Alkohol im Spiel war.

Obwohl es immer wieder zu Spannungen gekommen sei, wollte keiner von beiden ausziehen. "Ich habe das nicht eingesehen. Außerdem findet man als Student mit Hund nicht so leicht eine Wohnung", erklärte der Geschädigte. Bereits vor dem unglücklichen Sturz war es zu einer Rangelei gekommen, die eine Uni-Mitarbeiterin – sie ist wissenschaftlicher Coach der beiden Studenten – in der Wohnung geschlichtet hat. "Ich mache mir Vorwürfe, dass ich nicht schon früher darauf hingewirkt habe, dass einer der beiden auszieht", sagte sie im Zeugenstand.

Nach einer sechsstündigen Verhandlung, bei der inklusive des Geschädigten acht Zeugen vernommen wurden, hätte nur ein Rechtsmediziner den Tathergang weiter erhellen können. Das Problem: Bis auf den Verletzten war keiner der Zeugen bei dem Streit dabei. Ärztin und Rettungsassistent konnten lediglich die Verletzungen schildern und die Situation, wie sie den Geschädigten vorgefunden haben. "Von beiden Beteiligten wurde die Situation stark verharmlost", erinnert sich der Rettungsassistent. Die Aussagen aller anderen Zeugen basierten lediglich auf dem, was sie von dem Angeklagten beziehungsweise dem Opfer gehört hatten.

Verteidiger Maximilian Endler schlug vor, dass der Angeklagte bis Ende Februar 5000 Euro an das Opfer zahlt und das Verfahren eingestellt wird. "Ich bin damit einverstanden", sagte der Geschädigte nach kurzer Besprechung mit seinem Anwalt und der Staatsanwältin. "Ich will einfach in Ruhe weiterstudieren. Wie du damit weiterlebst, sei dir überlassen", richtete er sich an seinen früheren Freund und Mitbewohner. Richterin Kathrin Lauchstädt sagte, dass sie die Entscheidung für sachgerecht halte. Man könne froh sein, dass es dem Opfer wieder halbwegs gut gehe. "Ich hoffe, dass Sie damit Ihren Frieden finden."