Wer ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit aktiv ist, muss laut Bundeskinderschutzgesetz ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Mit dem Präventions- und Schutzkonzept geht der Bodenseekreis noch einen Schritt weiter. Wie das in der Praxis funktioniert und welche Rahmenbedingungen es gibt, erklärte Werner Feiri vom Jugendamt des Bodenseekreises bei einem Informationsabend im Landratsamt. Es handle sich nicht nur um ein Papier, sondern um ein Gesamtkonzept in Sachen Kinderschutz. "Keinesfalls geht es um einen Generalverdacht für Menschen, die sich ehrenamtlich im Verein engagieren", betonte Feiri. Das Gesetz trat 2012 in Kraft. Es biete die Möglichkeit, Menschen, die in der Vergangenheit wegen sexuell motivierter Straftaten aufgefallen sind, schnell zu identifizieren. "Wenn ein Verein das Thema ernst nimmt, wird er sich auf den Weg machen."

Die Friedrichshafener Musikkapellen haben aufgrund des Paragrafen "72a SGB VIII – Tätigkeitsausschluss einschlägig vorbestrafter Personen" bereits eine Vereinbarung mit dem Landratsamt geschlossen. "Wir möchten damit klar zeigen, dass uns das Wohl unserer Musikschüler am Herzen liegt und wir eindeutig klarstellen möchten, dass wir dieses strikt schützen werden", ist auf der Website der Musikkapelle Fischbach zu lesen. Die Vereinbarung beinhaltet neben der Vorlage des erweiterten Führungszeugnisses ein Präventions- und Schutzkonzept für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Ausbildung, das von allen Vereinsvorsitzenden unterschrieben wurde. "Daran wollen wir uns für den gesamten Blasmusikverband Bodenseekreis orientieren", sagt Präsident Walter Stegmaier. Wichtiger als die Unterschrift auf einem Blatt Papier sei ihm jedoch, dass die Vereinsmitglieder nicht wegschauen, sondern den Mund aufmachen, wenn sie Probleme mitbekommen. Das gelte für sexuelle Gewalt und Übergriffe ebenso wie für häusliche Gewalt oder Alkoholmissbrauch. "Es ist im Interesse von jedem Vorsitzenden, dass in seinem Verein nichts derartiges vorfällt", sagt Stegmaier. Dies sei das härteste Korrektiv, falle doch jedes negative Ereignis sofort auf den Verein zurück.

Für wichtig hält Stegmaier eine Anlaufstelle, an die sich Jugendliche wenden können, wenn sie ein Problem haben. "Das kann der Jugendleiter oder jemand vom Vorstand sein, im Idealfall eine Frau." Der Fall werde dann im Präsidium und mit entsprechenden Beratungsstellen oder dem Jugendamt besprochen. "Wir haben allerdings schon vor 40 Jahren damit begonnen, verantwortliche Jugendarbeit zu machen", betont Stegmaier. "Bei uns rennt man mit diesem Gesetz eigentlich offene Türen ein." So sei das Einholen des erweiterten Führungszeugnisses für Vereinskollegen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, eine Formalie. Dies sei jetzt eben Gesetz, schildert er die mehrheitliche Reaktion der Mitglieder.

Als Problem nannte Feiri die Tatsache, dass im erweiterten Führungszeugnis nicht nur Einträge stehen, die mit sexueller Gewalt zu tun haben, sondern alle, die eine Strafe über 90 Tagessätze zur Folge hatten. "Hier gilt es den Datenschutz einzuhalten und zu schauen, wie man das im Verein möglichst geräuscharm regelt."

Für Andreas Haller, Schriftführer des Radsportvereins Seerose Friedrichshafen, ist das Thema schon allein aus der Sicht als Vater wichtig. "Ich möchte einfach wissen, von wem meine neunjährige Tochter betreut wird." Durch neue Mountainbike-Gruppen und eine Kooperation mit der Gemeinschaftsschule Graf Soden stehe das Thema an und es gehe darum, Spielregeln zu definieren. "Die erweiterten Führungszeugnisse liegen bereits vor", erklärt Haller.

So sehen es auch Anita Rieser und Nadja Buscemi vom Vorstand des FC Friedrichshafen. In erster Linie seien sie aber als Eltern hier. "Unsere Trainer sehen alle ein, dass das erweiterte Führungszeugnis wichtig ist, und unser Präventions- und Schutzkonzept wird dieses Jahr noch fertig." Uli Stegmann, Präsident des Narrenvereins Weildorf bei Salem, zieht nach der Veranstaltung ein positives Fazit: "Super, dass wir jetzt etwas an der Hand haben. Wir gehen das Thema an."

Gesetzliche Regelungen

Hintergrund einer Gesetzesvorlage des Paragrafen 72a Sozialgesetzbuch (SGB) VIII ist, dass Personen, die wegen Verstößen gegen die sexuelle Selbstbestimmung einschlägig vorbestraft sind, nicht in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sein dürfen. Die örtlichen Jugendämter schließen dazu Vereinbarungen mit Vereinen ab, die die Einsichtnahme in erweiterte Führungszeugnisse ehren- und nebenamtlicher Mitarbeiter regeln.

Das erweiterte Führungszeugnis darf bei Vorlage nicht älter als drei Monate sein und muss alle fünf Jahre neu beantragt werden. Für ehrenamtlich Tätige ist es mit Bestätigung des Vereins gebührenfrei.

Vorgelegt wird das Führungszeugnis beim Vorstand des Vereins, bei der Wohnsitzgemeinde oder zur Wahrung des Datenschutzes beim Landratsamt. Sofern das Führungszeugnis keinen Eintrag gemäß des Paragrafen 72a, Absatz 1, aufweist, erteilt Gemeinde beziehungsweise Landratsamt eine Bestätigung, dass kein Tätigkeitsausschluss vorliegt.

Bei kurzfristigen oder spontanen ehrenamtlichen Einsätzen kann dem Kinder- und Jugendschutz durch eine Selbstverpflichtungserklärung Rechnung getragen werden.

Weitere Informationen bei Werner Feiri im Landratsamt, Telefon 0 75 41/2 04 53 08, E-Mail werner.feiri@bodenseekreis.de, oder im Internet: http://www.bodenseekreis.de/kindeswohl