Nach dem Nachtumzug des Narrenvereins Moschtobst hat es in der Nacht zum Samstag in Bermatingen-Ahausen mehrere medizinische Notfälle gegeben. Dies bestätigen sowohl Christoph Diller, Leiter Einsatzdienste der Malteser Oberschwaben, die für die Sanitätsversorgung an dem Abend zuständig waren, als auch Jens Bühler, Einsatzleiter der Freiwilligen Feuerwehr Bermatingen, der selbst vor Ort gewesen war.

Hohe Zahl von medizinischen Notfällen

„Zwischen 23 und 00 Uhr wurde die Lage für unsere Sanitäter vor Ort nicht mehr überschaubar, da in diesem Zeitraum viele Notrufe gleichzeitig uns erreichten, die sich teilweise aber überschnitten, da in einigen Fällen mehrere Meldungen für einen Notfall vorlagen“, so Diller. Außerdem bestätigt er, dass es in besagtem Zeitraum zwischen zehn und 15 Personen in der Hauptsache aufgrund alkoholisch bedingter Symptome medizinisch versorgt werden mussten.

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Sanitätskräfte versorgten betroffene Besucher

„Ob darunter Fälle von K.o.-Tropfen sich befanden, kann ich nicht bestätigen, da dies eine Sache des Krankenhauses ist“, so Diller weiter. Entgegen einer Meldung des Mimmenhausener Narrenverein Goldkäfer, die auf Facebook behaupteten, „es habe Herzstillstände gegeben“, kann dies von offizieller Seite nicht bestätigt werden. Definitiv habe es keine „dramatischen Herzstillstände“ gegeben, die reanimiert werden mussten, was von Jens Bühler bestätigt wurde: „Es ging in erster Linie um Schnittwunden, Fußverletzungen oder um Personen, die schlicht nicht mehr ansprechbar waren.“ Die Malteser Oberschwaben hatten acht Sanitäter im Einsatz, daher entschied der Einsatzleiter vor Ort, dass weitere Kräfte notwendig seien, um den Abtransport in die Krankenhäuser zu gewährleisten, da dies Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Rettungsdienste sei.

Keine „dramatischen Herzstillstände“

Darauf hin wurden von der Einsatzleitstelle die Schnelle Einsatz-Gruppe (SEG) des DRK Immenstaad sowie das DRK Markdorf hinzugerufen. „Von unserer Seite war das alles reine Routine, lediglich der Umstand, dass es innerhalb einer Stunde mehrere Notfälle gleichzeitig gegeben hat, würde ich eher als Zufall bezeichnen“, so Diller.

Verabreichung von K.o.-Tropfen nicht gesichert

Zu den Verdachtsfällen der Verabreichung von K.o.-Tropfen äußerte sich Andreas Schiller, Polizeiführer vom Dienst des Polizeipräsidiums Ravensburg: „Nach unseren bisherigen Ermittlungen hat es Gäste mit mutmaßlich alkoholbedingten gesundheitlichen Problemen gegeben. In mindestens drei Fällen bestehe der Verdacht einer Verabreichung von K.-o.-Tropfen.“ Ein vierter Geschädigter habe sich im Laufe des Samstags auf dem Polizeirevier Überlingen gemeldet und ebenfalls den Verdacht auf K.o.-Tropfen geäußert.

In der Notfall-Ambulanz des Klinikums Friedrichshafen „wurden einige wenige Patienten behandelt, die in eine Schlägerei verwickelt waren“, gibt Pressesprecherin Susann Ganzert Auskunft. „Ansonsten gab es keine Auffälligkeiten hinsichtlich mehr Patienten als sonst oder besonderer Symptomatik“, berichtet Ganzert.

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Veranstalter machte Durchsage und mahnte zur Vorsicht

Der Veranstalter sensibilisierte durch Durchsagen die Besucher und ermahnte diese zur Vorsicht.

K.o.-Tropfen nur kurze Zeit nachweisbar

K.o.-Tropfen verlangsamen die Reaktion, verursachen beispielsweise Gedächtnisverlust und vorübergehende Amnesien. „Die Opfer sind auf einmal weggetreten, wachen irgendwann wieder auf und wissen nicht, was in der Zwischenzeit geschehen ist“, erklärt Schiller. Solche Mittel seien nur kurze Zeit nachweisbar, weil sie vom Körper abgebaut werden.

Sanitätskräfte rund dreieinhalb Stunden im Einsatz

Die Schnelle Einsatz-Gruppe des DRK Immenstaad und das DRK Markdorf waren nach eigenen Angaben auf Facebook rund 3,5 Stunden im Einsatz gewesen.

Polizei in Überlingen nimmt Hinweise entgegen

Das Polizeirevier Überlingen ermittelt unter anderem wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung. Wer auf der Fasnetsveranstaltung in Ahausen Verdächtiges beobachtet hat oder wer Hinweise geben kann, soll sich bei der Polizei in Überlingen melden, Telefonnummer 0 75 51/80 40.

Das sagt der Zunftmeister

Michael Poisel, Zunftmeister des Narrenvereins Moschtobst Ahausen, erklärt auf SÜDKURIER-Anfrage: „Leider überschlagen sich gerade in diversen sozialen Medien Meldungen über einen massiveren Einsatz von K.o.-Tropfen.“ Von einem massiven Einsatz könne nach momentaner Sachlage am Sonntag allerdings keine Rede sein. Nachdem in drei Fällen offenbar K.o-Tropfen vermutet werden, „muss und wird die Polizei wegen dem Straftatbestand der Körperverletzung gegen Unbekannt ermitteln. Ich muss das Ergebnis dieser Ermittlungen abwarten“, so der Zunftmeister.

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Weiter erklärt er: „Nach Aussage des Leiters des Sanitätsdienstes war die Sanitätsstation bei uns im Bürgersaal zwar nach einschlägigen Algorithmen berechnet und ausgelegt und auch auf Erfahrungswerte eingerichtet, jedoch konnte man mit diesem Szenario nicht rechnen.“ So seien die Sanitätskräfte kurz nach Mitternacht mit dem vor Ort eingesetzten Personal nicht in der Lage gewesen, „alle Fälle gleichzeitig zu betreuen, weshalb der Einsatzleiter sich dazu entschloss, weitere umliegende Rettungsfahrzeuge und Schnelleinsatzgruppen nachzufordern. Aus seiner Sicht sicher die richtige Entscheidung, die ich nachträglich unterstütze“. Dass es innerhalb kürzester Zeit zu diesen Einsatzfällen kam, sei mehr als bedauerlich. „Dass bei drei Fällen der Einsatz von K.o.-Tropfen vermutet wird, ist – wie immer – erschreckend“, betont Michael Poisel.