Die B 31 ist die verkehrstechnische Lebensader des hiesigen Bodenseeufers. Hier rollen täglich der Schwerlastverkehr, Berufspendler, Reisebusse, der öffentliche Personenverkehr sowie Anwohner und Touristen in beide Richtungen. Oft überlastet und manchmal lebensgefährlich. Im Februar ereigneten sich an drei aufeinander folgenden Tagen spektakuläre Unfälle.

Am 19. Februar kam es zu einem Frontalzusammenstoß. Eine 36-jährige VW-Fahrerin war zwischen Meersburg und Unteruhldingen zu weit nach links auf die Gegenfahrspur geraten und mit einem entgegenkommenden Lastwagen zusammengestoßen. Beide Fahrer wurden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Lastwagen umgekippt

Am Tag darauf wurde auf der B 31 zwischen Hagnau und Immenstaad bei der Kollision ihres Wagens mit einem Lastwagen eine 48-jährige Autofahrerin so schwer verletzt, dass sie an der Unfallstelle ihren Verletzungen erlag.

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Der Fahrer des Lastwagens war aus ungeklärten Gründen auf die Gegenfahrbahn geraten. Am 21. Februar kippte ein Lastwagen in Aufkirch in der Linkskurve bei der Auffahrt auf die B 31 um. Der Fahrer wurde nur leicht verletzt. Wie bei allen genannten Unfällen kam es in der Folge durch die Bergung und Unfallaufnahme zu kilometerlangen Staus.

Die Fälle lassen aufhorchen

Diese drei Tage sind selbstverständlich nicht repräsentativ, aber sie lassen aufhorchen. An allen Unfällen waren Lastwagen beteiligt, nicht immer ursächlich. Die gerade veröffentlichte Unfallstatistik 2018 des Polizeipräsidiums Konstanz verzeichnet für den Bodenseekreis einen allgemeinen Rückgang von Verkehrsunfällen von fast zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Bei Unfällen mit Lastwagen außerhalb geschlossener Ortschaften wurde allerdings eine Zunahme gezählt. „Im aktuellen Zeitraum (2017/2018) war eine Steigerung von 4,7 Prozent zu verzeichnen, im Gegenzug gingen aber im gleichen Zeitraum die Verkehrsunfälle mit Lkw-Beteiligung auf der B 31 um 8,3 Prozent zurück“, schreibt Oliver Weißflog von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Konstanz.

Zwischen Meersburg und Uhldingen-Mühlhofen ereignete sich dieser Unfall.
Zwischen Meersburg und Uhldingen-Mühlhofen ereignete sich dieser Unfall. | Bild: Hilser, Stefan

Statistiken helfen nur bedingt, das Problem zu erfassen, zumal sie immer rückwärtsgewandt sind. Die drei Tage im Februar werden erst die im nächsten Jahr veröffentlichten Tabellen beeinflussen. Auch von Unfallschwerpunkten will die Polizei hier nicht sprechen: „Grundsätzlich werden beim Erkennen von Problem- oder Unfallhäufungsstellen die spezifischen Ursachen im Rahmen der Unfallkommission zeitnah untersucht und mögliche Lösungsansätze erarbeitet“, so Weißflog weiter.

Maut für Lastwagen

Seit Juli 2018 wird auf allen Bundesstraßen eine Maut für Lastwagen erhoben. Wer hoffte, das würde der B 31 Entlastung bringen, wurde enttäuscht. So zumindest die subjektive Einschätzung, denn Vergleichszahlen gibt es noch keine. „Wir haben dazu kein Zahlenmaterial, würden aber Ihren subjektiven Eindruck, insbesondere die B 31 und B 33 betreffend, teilen“, schreibt Robert Schwarz, Pressesprecher des Bodenseekreises auf unsere Anfrage.

„Entlastung nicht in Sicht“

Auch Andrea Marongiu, Geschäftsführer des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg, braucht keine Verkehrszählung, um von einer Zunahme des Schwerlastverkehrs zu sprechen: „Der Verkehr wird weiter zunehmen, nicht nur der Schwerlastverkehr. Eine Entlastung für die Bodensee­route ist für mich nicht in Sicht.“ Wer wirtschaftliches Wachstum wolle, müsse auch den Zuwachs an Lastwagen in Kauf nehmen. Marongiu nennt einige in der Region ansässige Unternehmen, die Schwerlastverkehr generieren.

Dazu fehle es den Spediteuren auch für den Durchgangsverkehr von und nach Österreich oder ins Allgäu schlicht an Alternativen. Bei der Routenplanung stünde immer der Zeitfaktor im Vordergrund, was auch aus ökologischer Sicht Sinn mache. „Autobahnen sind immer die sichersten Straßen, aber die gibt es nicht in der Region.“

Andrea Marongiu, Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg e.V..
Andrea Marongiu, Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg e.V.. | Bild: Richard Becker

Andrea Marongiu weist auf ein überregionales Problem hin, mit dem der Schwerlastverkehr zu kämpfen habe. „Wir haben in Baden-Württemberg grundsätzlich ein Problem mit den Ost-West-Verbindungen, sowohl von Stuttgart oder Freiburg Richtung Nürnberg oder Ingolstadt als auch im Süden Richtung Allgäu und Österreich.“ Er begrüßt, dass seit Juni 2018 Fachleute im Auftrag des Verkehrsministeriums an der Erstellung eines Güterverkehrskonzeptes für Baden-Württemberg arbeiten.

Wenig Änderung

„Im Güterverkehrskonzept werden in zahlreichen Aufgabenpaketen theoretische Themenstellung, Transparenz zur Güterverkehrsleistung, aber auch die Potenziale der einzelnen Verkehrsmittel im Hinblick auf einen nachhaltigen Güterverkehr betrachtet werden“, schreibt Oliver Hillinger vom Ministerium für Verkehr in Stuttgart.

Und fügt hinzu: „Folgender wichtiger Hinweis: Die Entwicklung beziehungsweise der aktuelle Schwerlastverkehr auf der B31 war bezüglich des Güterverkehrswegekonzepts nicht im Fokus.“ Er weist noch auf die verschiedenen Aus- und Neubauvorhaben für die B 31 hin, die dem Bundesverkehrswegeplan entnommen werden könnten.

Es wird sich also in absehbarer Zeit wenig ändern auf der B 31. Der Schwerlastverkehr ist auf die Bundesstraße angewiesen, weil es keine Ausweichstrecken gibt. Zudem muss er immer mehr Güter transportieren, was auch mit einem veränderten Verbraucherverhalten zu tun hat. Eine Umverteilung der Waren auf die Schiene ist auch keine Lösung. Die Bodenseegürtelbahn ist weitgehend einspurig, nicht elektrifiziert und oft schon mit der Personenbeförderung überfordert.

Bild: Spedition Fecht

Spediteure leiden unter schlechtem Image

Die Spedition Fecht in Meßkirch behauptet sich als Traditionsunternehmen in einer nicht gerade idealen verkehrstechnischen Lage. Der SÜDKURIER sprach mit Geschäftsführer Jochen Brender.

Herr Brender, wie viele Mitarbeiter hat die Spedition Fecht am Standort Messkirch?

Wir beschäftigen 80 Mitarbeiter, davon sind 35 Fahrer. Wir haben 30 Lastwagen im Einsatz.

Wo sind Ihre Kunden ansässig?

Wir fahren für viele mittelständische Unternehmen in der Region, aber auch für einen Automobilbauer aus Baden-Württemberg.

Hat sich an Ihrer Routenplanung etwas geändert, seit die Lkw-Maut auf Bundesstraßen erhoben wird?

Nein, das hat keinen Einfluss genommen, da wir vielerorts keine Alternativen, also Autobahnen, haben.

Das heißt, Sie können die B 31 nicht umfahren?

Wir versuchen die Strecke entlang des Bodensees zu vermeiden, schon allein weil hier oft Stau ist. Aber das geht nicht immer. Wie sollen wir sonst zu unseren Kunden in Friedrichshafen, Bermatingen oder Meersburg kommen? Die müssen wir schließlich beliefern.

Sind die fehlenden Parkplätze für Ihre Fahrer ein Problem?

Ja, das ist ein großes Problem. Die Ruhezeiten der Fahrer müssen auf die Minute eingehalten werden. Die Zeiten sind elektronisch erfasst und wir können auch im Nachhinein mit einem Bußgeld belegt werden.

Haben Sie die Politik auf Ihre Probleme aufmerksam gemacht?

Das überlassen wir lieber dem Verband. Unsere Branche hat eh schon mit einem schlechten Image zu kämpfen.

Wie zeigt sich das?

Unsere Fahrer müssen sich manchmal grundlos Beschimpfungen anhören und auf der Straße sind wir allen im Weg.

Auf der anderen Seite bestellen immer mehr Leute im Internet, alles muss schnell und billig geliefert werden und kostenlose Retouren sind selbstverständlich.

Das Image ist auch ein Problem bei der Nachwuchssuche. Wir wollten drei Ausbildungsstellen besetzen und sind froh, einen gefunden zu haben, der im Sommer anfängt.

Fragen: Sabine Busse