Das Landgericht Konstanz hat einen 76-jährigen Rentner aus dem westlichen Bodenseekreis wegen beharrlichen Verstoßes gegen gewerberechtliche Vorschriften zu neun Monaten Haft verurteilt. Damit hat die Berufungskammer ein Urteil des Amtsgerichts Überlingen vom Februar bestätigt und die Berufung des Rentners kostenpflichtig verworfen.

Ausübung jeglichen Gewerbes untersagt

"Mein Beruf ist mein Hobby", verkündete der 76-Jährige vor Gericht. Leidenschaftlich gerne repariere er als ehemaliger Elektromeister elektrische Großgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen oder Geschirrspülmaschinen. Dagegen wäre auch nichts einzuwenden gewesen: "Sie können reparieren so viel Sie wollen, aber nichts verkaufen", herrschte ihn die Vorsitzende Richterin an. Bereits vor 15 Jahren hat ihm das Landratsamt Friedrichshafen wegen Unzuverlässigkeit die Ausübung jeglichen Gewerbes rechtskräftig untersagt.

Geräte weiterhin angeboten

Er kümmerte sich aber nicht um dieses Verbot, wurde vor Gericht deutlich. Er schaltete weiterhin Inserate und bot seine gebrauchten Geräte als "100 Prozent funktionsfähig" zu günstigen Preisen an. Eine 48-jährige Frau aus Bodman hatte eigenen Angaben zufolge eine ganz andere Erfahrung gemacht. Im Mai 2016 kontaktierte sie den Rentner aufgrund eines Inserats. Sie kaufte ihm eine Waschmaschine und einen Kühlschrank für 340 Euro ab.

Am Telefon verleugnen lassen

Als er die Geräte zusammen mit einem Kumpel lieferte, habe er sie auch noch angeschlossen und ihren Herd für 30 Euro repariert. Nach einem halben Jahr sei die Waschmaschine kaputt gegangen und kurze Zeit später habe auch der Kühlschrank den Geist aufgegeben, berichtete die Zeugin. Es sei ihr aber wochenlang nicht gelungen, den 76-Jährigen zu erreichen. Er habe sich am Telefon stets verleugnen lassen. Als sie ihn schließlich an seiner Wohnadresse aufgesucht habe, habe sie den Mann von einer ganz anderen Seite kennengelernt. Er habe sie angeschrien und es habe einen lautstarken Streit gegeben. Danach sei sie zur Polizei gegangen.

Vor allem Betrugstaten

Die vom Gericht verlesene Strafliste des 76-Jährigen mit mehr als 20 Eintragungen, vor allem wegen Betrugstaten, rückte das Bild vom gemütlichen Bastler zurecht. Auch nach der neuen Beweisaufnahme blieb er völlig uneinsichtig: "Ich habe nichts Unrechtes gemacht, immer nur gearbeitet", erklärt er. Dann diffamierte er auch noch die Mitarbeiter des Landratsamts, welche für die Gewerbeuntersagung verantwortlich waren. Dass das Verbot allein schon durch die vielen Vorstrafen, eine hohe Verschuldung und mehrere Offenbarungseide begründet war, und seine verkauften Geräte oft nur für kurze Zeit oder gar nicht funktionierten, schien er völlig ausgeblendet zu haben.

Nicht zum ersten Mal ins Gefängnis

Wenn er jetzt nach Rechtskraft des neuen Urteils ins Gefängnis muss, ist dies nicht das erste Mal. Erst vor zwei Jahren schickte man ihn zur Verbüßung einer viermonatigen Haftstrafe nach Singen in den Seniorenknast. Dort wurde er wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Gleich danach stieg er wieder ins Geschäft ein. "Ich muss einfach arbeiten, zu Hause halte ich das ständige Gejammer meiner kranken Frau nicht aus", rechtfertigte er den Rückfall.

Ehrenamtliche Tätigkeit stets abgelehnt

Eine angebotene ehrenamtliche Tätigkeit in diesem Bereich hat er nach Angaben seiner Bewährungshelferin stets abgelehnt.