Zu wenige Fische in den Netzen, die vermarktet werden können, und viel zu viele Fische im See, die nicht in den See gehören: Das bereitet den Bodenseefischern weiterhin existentielle Probleme. Außerdem tritt eine zunehmende Zahl von Kormoranen mit den Fischern in Konkurrenz. Und am deutschen Ufer stößt den Fischern zudem der drohende Entzug von Patenten und eine geringere Zahl genehmigter Netze übel auf. Und dann ist da noch das Thema Netzgehege zur Fischproduktion im See: Die Mehrzahl der Fischer will sie nicht.

Konkrete Zahlen über die Fangergebnisse 2017 von Berufs- und Angelfischern lagen zur Jahresversammlung des internationalen Bodensee-Fischereiverbands (IBF) noch nicht vor. Die Berufsfischer berichteten von einer tendenziell leichten Verbesserung beim Felchenfang gegenüber den extrem mageren Jahren 2015 und 2016. "Wir reden hier aber nicht von wahnsinnigen Mengen", relativierte dies der stellvertretende Vorsitzende des IBF, Gallus Baumgartner. Bei den anderen Fischarten, etwa Barschen und Saiblingen, sehe es weiterhin sehr schlecht aus. Ihm selbst seien dieses Jahr gerade einmal zwei Saiblinge ins Netz gegangen, war von Baumgartner zu erfahren.

Das Jahr 2017 habe mit noch weniger Felchen als im Vorjahr wenig verheißungsvoll angefangen, berichtete der Obmann der Vorarlberger Berufsfischer, Albert Bösch. Im zweiten Halbjahr seien dann aber etwas mehr Felchen gefangen worden als im Vorjahr. Außerdem hätten die Fischer beobachtet, dass im Gegensatz zu den beiden Vorjahren im Sommer noch Nahrung für die Felchen vorhanden gewesen sei. Das habe auch zu besserer Qualität der Fische geführt. Vermutungen mancher Fischer, dies könne mit vermehrtem Regen und dadurch erhöhtem Nährstoffeintrag in den See zusammenhängen, wollte Bösch nicht bewerten.

Erneut Position gegen Netzgehege

Klar gegen Netzgehege zur Produktion von Felchen sprach sich Gallus Baumgartner aus: "Wir wollen keine Experimente im See. Wir sind Fischer und keine Fischzüchter." Für seine Fraktion nahm der Landtagsabgeordnete Reinhold Pix (Grüne) Stellung: "Wir werden Netzgehege im See nicht unterstützen." Dass sich bereits mehrere Gemeinden am Bodensee gegen solche Gehege ausgesprochen hätten, habe gute Gründe. Die Grünen sprächen sich jedoch für Aquakulturen aus: jedoch nicht im See, sondern mit geschlossenen Kreisläufen in Seenähe. Joachim Hauck, Ministerialdirigent im Ministerium für Ländlichen Raum und Bevollmächtigter des Landes in der Internationalen Bodensee-Fischerei-Konferenz (IBKF), wollte sich zum Thema Netzgehege nicht äußern. Die Bodenseefischer kennen ihn jedoch als Befürworter solcher Gehege.

Die Meinungen von Hauck und der Fischer vom deutschen Bodensee-Ufer gehen auch beim Thema Fischerei-Patente auseinander. 2015 fasste die IBKF den Beschluss, die Zahl der Patente von 120 auf 80 zu senken. Schweiz, Österreich und Liechtenstein haben diese Zielzahlen bereits erreicht. Die verbliebenen Fischer dürfen dort jetzt mit jeweils fünf Schwebnetzen fischen. In Deutschland, wo die Zahl noch nicht erreicht ist, bleibt es bei vier Schwebnetzen. "Ein Patent ist ein Patent", fasste Anita Koops, Schriftführerin des IBF, die Sicht der deutschen Fischer zusammen und forderte: "Wir wollen fünf Netze für jeden Fischer. Dann wäre auch der Seefriede gewahrt."

Ein weiteres Problem sprach Reinhold Pix an. Demzufolge vermehren sich die gebietsfremden Stichlinge immer noch stark und mindern die Bestände der Speisefische im See. Nach einer neueren Studie sei auch bei den Kormoranen ein "günstiger Bestand" längst überschritten, sagte Reinhold Pix. Die Vögel fräßen etwa 200 Tonnen Fisch pro Jahr, das sei etwa die Hälfte der Menge, die von den Bodenseefischern insgesamt noch gefangen wird. Pix sprach sich für eine Reduktion der Kormoranbestände durch ein "Kormoran-Management" aus.