2726 Einsätze haben die freiwilligen Feuerwehren im Bodenseekreis im vergangenen Jahr geleistet. Diese Zahl nannte Kreisbrandmeister Henning Nöh bei der Jahresversammlung des Kreisfeuerwehrverbands am Freitagabend in der Mehrzweckhalle Neukirch. 311 Menschen wurden gerettet; die hohe Zahl sei dem Zugunglück in Sipplingen geschuldet, erklärte Nöh. 31 Menschen verunglückten tödlich.

Zwölf Feuerwehrleute bei Einsätzen verletzt

Bei Einsätzen wurden zwölf Feuerwehrleute verletzt, das sind zehn weniger als 2017. Henning Nöh bilanzierte: "Ein normales Jahr." Große Unwetter, wie sie in den Vorjahren die Feuerwehr auf den Plan gerufen hatten, waren ausgeblieben. Dennoch hat sich die Zahl der technischen Hilfeleistungen auf 1443 summiert.

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Zahl der Mitglieder steigt das vierte Jahr

Die Zahl der Mitglieder sei im Bodenseekreis zwar das vierte Jahr in Folge auf jetzt 2484 gestiegen, aber das allein habe die Situation der einzelnen Wehren nicht wesentlich verbessern können. Günther Laur, der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands Bodenseekreis, erklärte: „Unser großes Problem ist nach wie vor die Tagesverfügbarkeit.“

Aktive Mitglieder arbeiten meist in anderen Orten

Weil die meisten aktiven Mitglieder tagsüber andernorts arbeiten, sind sie im Ernstfall in ihren Heimatwehren nicht einsatzbereit. Die Wehren „krebsen am Limit“, wie Laur es formulierte, und das betreffe alle Gemeinden im Kreisgebiet. Dazu komme, dass es immer weniger Atemschutzgeräteträger gebe. Beruf und die Einsatzbereitschaft für die Feuerwehr seien nur noch schwer zu vereinbaren.

Verbandsvorsitzender Günther Laur (rechts) ehrte (von links) Andreas Regenscheit, Arthur Schiele, Jürgen Wahl, Karl-Heinz Biller, Werner Späth, Claus Mecking, Henning Nöh, Jürgen Gutemann, Daniel Strohmeier und Wolfgang Blaser für ihr Engagement.
Verbandsvorsitzender Günther Laur (rechts) ehrte (von links) Andreas Regenscheit, Arthur Schiele, Jürgen Wahl, Karl-Heinz Biller, Werner Späth, Claus Mecking, Henning Nöh, Jürgen Gutemann, Daniel Strohmeier und Wolfgang Blaser für ihr Engagement. | Bild: Andrea Fritz

"Arbeitgeber hatten früher Personalreserven"

Laur sagte: „Früher hatten die Arbeitgeber mehr Personalreserven, wenn jemand ausgefallen ist, hatte man genügend Leute, um das abzufedern.“ Mittlerweile seien die Reserven fast überall auf Null gefahren. Da verwundere es nicht, dass jemand, der beispielsweise in der Produktion am Band stehe, keine Genehmigung bekomme, im Einsatzfall mit der Feuerwehr auszurücken.

Landrat kritisiert unnötige Alarme in Gemeinschaftsunterkünften

Landrat Lothar Wölfle erklärte, es finde daher die große Zahl der unnötigen Alarme in den Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge umso ärgerlicher. 2016 waren es zehn Alarme, im vergangenen Jahr 46. Wölfle erklärte: „Sie kommen dann an und stellen fest, dass jemand versucht hat, ein Schnitzel auf der Herdplatte zu braten.“

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Flüchtlinge werden in Verhaltensregeln geschult

Der Landrat erklärte, dass die Menschen in den Unterkünften inzwischen in Verhaltensregeln geschult werden.

Kreisbrandmeister darf nicht mehr zu Hauptübungen und Versammlungen

Günther Laur erklärte, die Feuerwehrmitglieder seien jedoch noch mehr über ein Schreiben des Landratsamts verärgert gewesen, in dem die Bürgermeister hätten lesen müssen, dass es Kreisbrandmeister Henning Nöh künftig untersagt sei, an Hauptübungen und Hauptversammlungen in den Gemeinden teilzunehmen.

Verbandsvorsitzender Günther Laur (links) überreichte in der Versammlung das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold an (von links) Claus Mecking, Arthur Schiele, Werner Späth und Henning Nöh.
Verbandsvorsitzender Günther Laur (links) überreichte in der Versammlung das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold an (von links) Claus Mecking, Arthur Schiele, Werner Späth und Henning Nöh. | Bild: Andrea Fritz

Grund: Arbeitsüberlastung

Als Grund dafür wird in dem Schreiben die Arbeitsüberlastung des Kreisbrandmeisters genannt. „Das ist für das Ehrenamt das falsche Signal. Es ist für den Kreisbrandmeister extrem wichtig, die Stimmung innerhalb der Feuerwehren zu erfassen“, kommentierte Laur das Schreiben. Lothar Wölfle erklärte: „Wir sind mit Maßnahmen, zu denen wir gesetzlich verpflichtet sind, schlicht hintendran.“

Landrat: Personal soll wenn nötig aufgestockt werden

Bei Themen wie Katastrophenschutz oder Massenanfall an Verletzten habe sich eine Bugwelle aufgebaut, die im Sachgebiet von Henning Nöh eine Arbeitshäufung verursacht habe. Nun will der Landrat Personal aufstocken, so es erforderlich sei. Im Grunde liege nur die nötige Untersuchung dafür noch nicht vor.