Gastgeber und Gastronomen aus Immenstaad und Hagnau fürchten aufgrund aktueller Entwicklungen bei den Planungen zur B 31-neu, dass die neue Trasse und deren Bau fatale Folgen für den Tourismus mit sich bringen könnte. Sowohl ein Ausbau der bestehenden Trasse (Variante A), als auch der Bau von Variante B oder einer Kombination von A und B seien für den Tourismus eine Katastrophe und würden für viele Betriebe das Aus bedeuten, erklärten Vertreter der Ortsgruppen Immenstaad und Hagnau des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) und der Tourismusvereine. Sie befürworten einen Neubau auf der Hinterlandtrasse C1.1.

Trassen wirken sich auf touristische Attraktivität aus

In einem Brief an politische Entscheidungsträger weisen die Touristiker auf die Bedeutung des Tourismus‘ und Auswirkungen unterschiedlicher Trassenvarianten auf die touristische Attraktivität der Region hin. Diesen Brief überreichten sie den beiden Bürgermeistern Johannes Henne und Volker Frede, damit diese ihn an politische Entscheidungsträger weiterleiten.

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Dehoga: „Für den Tourismus wirklich fatal“

„Es ist wichtig, das Thema B-31-Trasse auch einmal aus touristischer Sicht zu betrachten“, sagte Hagnaus Bürgermeister Volker Frede, denn der Tourismus sei für die Bodenseeregion von existenzieller Bedeutung. Karl Heberle, Vorsitzender des Immenstaader Ortsvereins der Dehoga, fasste zusammen: „Ein Ausbau wäre eine Katastrophe für uns.“ Auch sein Hagnauer Kollege Maximilian Renn pflichtete bei: „Was jetzt im Raum steht, wäre für den Tourismus wirklich fatal.“ Ulrike Huber, Vorsitzende der Immenstaader Tourismusgemeinschaft, fügte hinzu: „Wir wollen das aber nicht nur auf emotionaler Ebene sagen, sondern belegen es in dem Brief auch anhand von Zahlen und Fakten. Bei einem Ausbau wären viele Existenzen bedroht.“

Karl Heberle (links), Maximilian Renn (Zweiter von rechts) und Ulrike Huber überreichten den Bürgermeistern Johannes Henne (Zweiter von links) und Volker Frede einen Brief, mit dem sie auf ihre Anliegen in Sachen B 31-neu aufmerksam machen möchten.
Karl Heberle (links), Maximilian Renn (Zweiter von rechts) und Ulrike Huber überreichten den Bürgermeistern Johannes Henne (Zweiter von links) und Volker Frede einen Brief, mit dem sie auf ihre Anliegen in Sachen B 31-neu aufmerksam machen möchten. | Bild: Gisela Keller

Johannes Henne: Weitere Straßen zwischen Ortschaften wären nötig

Johannes Henne betonte die große Wertschöpfung durch den Tourismus, von der nicht nur Vermieter und Gastronomen, sondern auch Handwerk, Handel und – durch die von jedermann nutzbare touristische Infrastruktur – auch die einheimische Bevölkerung profitierten. Nicht jedem sei klar, dass es bei einem Ausbau nicht nur um drei oder vier Spuren gehe, sondern weitere für den Verkehr zwischen den Ortschaften, für den öffentlichen Personennahverkehr, langsame Fahrzeuge und landwirtschaftlichen Verkehr benötigt würden, ergänzte Frede.

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Kritik an Vorstoß des Landesverkehrsministers: kein dreispuriger Ausbau

Gegen einen von Landesverkehrsminister Winfried Hermann erneut in die Diskussion gebrachten dreispurigen Ausbau positionierten sich beide Bürgermeister deutlich. „Nichts wäre schlimmer, als jetzt aus politischem Kalkül eine zu klein dimensionierte Straße zu bauen“, sagte Frede. Henne verwies auf Richtlinien, die angesichts der Verkehrsprognosen nur eine vierspurige Straße erfüllen könne. „Bei den Prognosen sind bereits Abschläge für eine Reduktion des Verkehrs etwa durch Ausbau des ÖPNV berücksichtigt“, fügte Frede hinzu.

Vertrauen in die Planer

Die beiden Bürgermeister Johannes Henne und Volker Frede äußerten denselben Wunsch: „Die Straße sollte dorthin, wo möglichst wenige Menschen belastet und möglichst viele entlastet werden.“ Beide betonten auch ihr Vertrauen in die Planer: „Wir glauben, sie wissen, was sie tun.“

Argumente der Touristiker gegen einen Ausbau der B 31

In ihrem Brief an politische Entscheidungsträger weisen die Vertreter der Tourismus- und Gastronomieverbände und -vereine auf die Auswirkungen der Trassenauswahl für die B 31-neu auf den Tourismus aus ihrer Sicht hin. „Den Varianten A, B und der neu entwickelten Kombivariante A-B ist gemein, dass sie alle direkt durch die sensible und touristisch ... bedeutungsvolle Bodenseeuferlandschaft verlaufen“, heißt es in dem Schreiben. Neben der neuen Bundesstraße würden zudem eine Verbindungsstraße zwischen den Ortschaften benötigt sowie Zufahrten zu landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen. Auch für den Radverkehr und den öffentlichen Personennahverkehr würden Verkehrsflächen gebraucht. „Alles in allem würde dies bedeuten, dass im Uferbereich nicht eine Straße mit mehreren Fahrspuren, sondern mehrere Straßen mit insgesamt bis zu acht Spuren verlaufen müssten – unvorstellbar für eine der wichtigsten touristischen Regionen unseres Landes“, wird dieser Aspekt im Brief zusammengefasst.

Im Brief wird auch auf die vor kurzem vom Landesjustizministerium veröffentlichte Tourismuskonzeption für Baden-Württemberg verwiesen. In deren Vorwort bezeichnet Landesjustizminister Guido Wolf den Tourismus als „eine Leitökonomie für Baden-Württemberg“ und „zentralen Wirtschaftsfaktor und Jobmotor“. Allein in Immenstaad und Hagnau seien vergangenes Jahr 660 000 Übernachtungen gezählt worden, nimmt der Brief darauf Bezug.

Was sich die Verfasser des Briefes wünschen, fassen sie zusammen: „Insgesamt ist aus unserer Sicht die seeferne Variante C1.1 die Lösung, die mit Abstand am meisten Menschen vom Verkehr entlastet ... und die unsere wunderschöne und für den Tourismus in Baden-Württemberg wichtige Bodenseeuferlandschaft erhält.“

Die Bürgermeister versprachen, den Brief weiterzuleiten an Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), Landesjustizminister Guido Wolf (CDU), die parlamentarischen Staatssekretäre Steffen Bilger (CDU, Bundesverkehrsministerium), Thomas Bareiß (CDU, Tourismusbeauftragter im Wirtschaftsministerium) sowie das Regierungspräsidium Tübingen.