Die Gäste- und Übernachtungszahlen für 2019 in Baden-Württemberg lassen Touristiker jubilieren. Wieder neue Höchstwerte stehen in der Bilanz: über vier Prozent mehr Gäste im Land als im Vorjahr, Rekordergebnis für die Branche. „Auch 2019 lag die Zahl der Übernachtungen wieder in allen Monaten über den Vorjahreswerten“, schreibt das Statistische Landesamt. Nur an den touristischen Hotspots Bodensee (-1,1 Prozent) und Nördlicher Schwarzwald (-0,4 Prozent) schlug das Ergebnis ins Minus aus.

Bild: Schönlein, Ute

Im Bodenseekreis fallen die Zahlen noch schlechter aus. Mit 3,2 Millionen Übernachtungen wurden knapp 100.000 weniger (-2,9 Prozent) als 2018 in Betrieben mit mehr als zehn Betten zwischen Kressbronn und Sipplingen registriert. Nur in drei Landkreisen Baden-Württembergs waren die Tourismuszahlen 2019 im Vergleich zum Vorjahr schlechter. Vor allem, aber nicht nur in den Gemeinden mit der Echt-Bodensee-Card (EBC) fallen die Verluste bei den Hotelübernachtungen prozentual noch höher aus – in Immenstaad um -3,9 Prozent, in Langenargen um -4,2 Prozent, in Bodman-Ludwigshafen um -4,4 Prozent, in Heiligenberg um -6,2 Prozent und in Frickingen um -8,7 Prozent. Nur in Sipplingen (-0,7 Prozent) sind die Zahlen seit drei Jahren nahezu konstant.

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Hält die um 1 bis 1,50 Euro höhere Kurtaxe pro Nacht in den EBC-Gemeinden die Urlauber vom Buchen ab? Ute Stegmann kann sich nicht vorstellen, dass die Gästekarte hier den Unterschied macht. Sie glaube nicht, dass dieser kleine Preisunterschied Urlauber in ihrer Entscheidung beeinflusse, in welcher Gemeinde sie buchen. „Ich wäre mit solchen Rückschlüssen vorsichtig“, sagt die Geschäftsführerin der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH (DBT), will das aber im Auge behalten.

Bild: Lisa Dünser Fotografie
„Ich habe das Gefühl, dass wir 2018 den Höhepunkt erreicht haben. Das war einfach ein Superjahr.“
Ute Stegmann, Geschäftsführerin der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH

Sie verweist stattdessen auf die Top-Zahlen von 2018. „Ich habe das Gefühl, dass wir 2018 den Höhepunkt erreicht haben. Das war einfach ein Superjahr„, sagt die DBT-Chefin. Gute Zahlen seien kein Selbstläufer mehr. Tatsächlich haben auch Seeorte ohne EBC wie Meersburg (-3 Prozent), Hagnau (-4,1), Kressbronn (-7,1) oder Überlingen (-4,9) gegenüber dem Vorjahr ebenfalls Einbußen zu verzeichnen.

Auch EBC-Gemeinden verlieren Gäste

Andererseits ging das „Superjahr 2018“ an der EBC-Startgemeinde Langenargen spurlos vorbei. Seit Einführung der Gästekarte sinken die Übernachtungszahlen hier von Jahr zu Jahr, obwohl die Anzahl der Hotelbetten nahezu konstant blieb. Binnen fünf Jahren gingen die gebuchten Nächte in der Montfortstadt am See um 7,3 Prozent zurück. Die Gemeinde verlangt 3,15 Euro Kurtaxe pro Nacht.

Dass die DBT sich der Sensibilität des Themas Kurtaxe im Zusammenhang mit der EBC-Gästekarte bewusst ist, zeigt die Aussage von Ute Stegmann, dass es für den Solidarbeitrag eine „Schmerzgrenze“ gebe. Bisher verlangt die DBT 1 Euro pro Übernachtung von den Gemeinden, die die Gästekarte ausgeben.

EBC-Beitrag steigt auf 1,10 Euro

75 Cent davon bekommt der Verkehrsverbund Bodo als Ausgleich dafür, dass die Urlauber gratis Bus und Bahn fahren. 25 Cent behält die DBT als Kartenbetreiber. Ab 2021 steigt der Bodo-Anteil um zehn auf 85 Cent und damit auch der Solidarbeitrag auf 1,10 Euro pro Gast und Übernachtung. Bis Ende 2024 soll dieser Beitrag inklusive DBT-Anteil stabil bleiben.

Der Bodensee im Winter
Der Bodensee im Winter | Bild: Stefan Trautmann/Fotografie Trautmann

Bodo-Prokurist Bernd Hasenfratz begründete diese „Preisanpassung“ mit gestiegenen Kosten bei Personal, Material und Kosten. Die Erhöhung sei mit dem Partner DBT vereinbart worden. Eine Entscheidung, auf die EBC-Kommunen keinen direkten Einfluss haben, die nicht zu den Gründungsgesellschaftern der DBT gehören. Die wird vom Bodenseekreis mit 70 Prozent der Anteile dominiert. Mit der Erhöhung des Solidarbeitrags muss jede EBC-Gemeinde die Kurtaxe neu kalkulieren – ein „emotionales Thema“, gibt auch Bernd Hasenfratz zu.

EBC ein „Selbstbedienungsladen“?

Die Erhöhung nähre Befürchtungen, die EBC werde zum „Selbstbedienungsladen“ für Bodo, heißt es aus Ratskreisen in Überlingen. Eigentlich stehen die Einnahmen aus der Kurtaxe zuallererst den Urlaubsorten zu. Ein Grund, warum die Stadt die Karte auch 2020 nicht einführt. Überlingen pocht auf Mitbestimmungsrechte, die die DBT bis dato nicht gewähren will. Die Gästekarte hat hier nach wie vor mehr Gegner als Befürworter, auch wenn Ute Stegmann nicht müde wird, für die EBC zu werben. Die Preisanpassung stößt hier manchem sauer auf. Die dürfe es nur geben, wenn der Preis vorher kalkuliert wurde. 1 Euro pro Übernachtung wurde 2016 jedoch als Solidarbeitrag vom Landkreis festgelegt, nicht berechnet. Nun gestiegene Kosten für Bodo als Preisargument zu bringen, hält man in Überlingen für nicht schlüssig.

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Übrigens: Drei Kommunen haben auch 2019 zugelegt – Bermatingen, Deggenhausertal und Friedrichshafen. Die Zeppelinstadt läuft außer Konkurrenz. 10.000 Übernachtungen mehr als 2018 und ein Plus von über 90 000 Übernachtungen binnen fünf Jahren ist beispiellos am See.

Allerdings sind die Hotelzahlen nicht die ganze Miete. Die Übernachtungen in Pensionen, Ferienwohnungen oder auf Campingplätzen fehlen in der Landesstatistik.