Begeistert ist die elfjährige Annika, als sie vor dem Terrarium mit zwei großen Tigerpythons steht. "Toll, hier ist ja alles quasi live. Es ist cool, wie sich Schlangen bewegen, weil sie ja keine Beine haben so wie wir."

„Ich finde es einfach beeindruckend, wie sich Warane und Echsen fortbewegen.“Felix (12)
„Ich finde es einfach beeindruckend, wie sich Warane und Echsen fortbewegen.“Felix (12) | Bild: Kleinstück, Holger

Ins gleiche Horn bläst ihr Mitschüler Lennart, der es sehr gut findet, "weil es hier viel zu sehen gibt". Die beiden Sechtsklässer des Droste-Hülshoff-Gymnasiums aus Meersburg besuchen an diesem Morgen mit ihren Mitschülern und Klassenlehrerin Andrea Kurz das Reptilienhaus im Rahmen des Biologieunterrichtes.

„Toll, hier ist ja alles quasi live. Es ist cool, wie sich Schlangen bewegen.“Annika (11)
„Toll, hier ist ja alles quasi live. Es ist cool, wie sich Schlangen bewegen.“Annika (11) | Bild: Kleinstück, Holger

Zunächst gilt es, Fragen zu Reptilien und ihren Sinnesorganen, ihrer Ernährung und Fortpflanzung und mehr zu beantworten. Ihre Hausaufgabe: Einen übersichtlichen, gut lesbaren und ansprechenden Steckbrief mit den wichtigsten Informationen zu einem einheimischen Reptil anzufertigen.

„Ich finde es sehr gut hier, weil es viel zu sehen gibt. Unsere Klasse ist sehr tierlieb.“Lennart (12)
„Ich finde es sehr gut hier, weil es viel zu sehen gibt. Unsere Klasse ist sehr tierlieb.“Lennart (12) | Bild: Kleinstück, Holger

Unterstützung erhalten sie von Urs Schöllhammer, der seit Juli 2007 als engagierter Tierpfleger im Reptilienhaus tätig ist und ihnen die Lebenweise der Kaltblüter geduldig erläutert. Groß werden die Augen der Elf- und Zwölfjährigen, als Schöllhammer aus dem Terrarium zweier Tigerpythons eine der Riesenschlangen holt und über die Schultern der Heranwachsenden legt. Anfassen ist ausdrücklich erlaubt, aber man merkt der Schülerinnen und Schülern teilweise deutlich an, dass sie es an diesem Morgen nicht mit Hund oder Katze zu tun haben.

„Bis jetzt durfte ich nicht hier her, weil meine Mutter Angst vor Schlangen hat.“Greta (11)
„Bis jetzt durfte ich nicht hier her, weil meine Mutter Angst vor Schlangen hat.“Greta (11) | Bild: Kleinstück, Holger

Keine trockene Theorie

Dass die Schüler in Bezug auf den Reptilienunterricht gemeinsam am Objekt lernen, hebt Schöllhammer positiv hervor. „Das ist für sie sehr hilfreich und viel authentischer als trockene Theorie. Autofahren lernt man ja auch nicht nur mit Bildschirm und Arbeitsblättern, sondern mit ins Auto reinsitzen und fahren.“ Und der Reptilienexperte weiß dem Besuch der jungen Menschen noch einen angenehmen Nebeneffekt abzugewinnen: „Wir können für die Reptilien ein bisschen mehr sensibilisieren.“

Die aus Amerika stammende, bis zu zwei Meter lange Königsnatter ist aufgrund ihrer Farbzeichnung auffällig, aber ungiftig.
Die aus Amerika stammende, bis zu zwei Meter lange Königsnatter ist aufgrund ihrer Farbzeichnung auffällig, aber ungiftig. | Bild: Kleinstück, Holger

Und welche Neuigkeiten erwartet die Besucher des Reptilienhauses in diesem Jahr? „Die ersten Eier liegen schon“, sagt Schöllhammer. Zufällig beim Umbauen entdeckt hat er in einem Blumenkübel Eier der Perleidechse, der größten europäischen Eidechse. „Da warten wir jetzt darauf, dass sie schlüpfen.“ Auch die Python-Riesenschlangen haben Eier gelegt. Unglaubliche 44 Stück hat der Tierpfleger gezählt. Eines davon hat er entnommen und es zur Brut in einem Inkubator gelegt. „Dass die Besucher eingebunden werden auch etwas davon haben“, erläutert der Reptilienexperte das Vorhaben. Er schätzt, dass die Schlangen im Mai schlüpfen.

Der aus Australien stammende Stachelschwanzwaran erreicht eine Gesamtlänge von maximal 70 Zentimetern.
Der aus Australien stammende Stachelschwanzwaran erreicht eine Gesamtlänge von maximal 70 Zentimetern. | Bild: Kleinstück, Holger

Geplant hat er eine Nachzucht der heimischen Äsculapnatter, die mit bis zu zwei Metern Länge zu den größten Schlangenarten Europas gehört. Schöllhammer: „Hier haben wir eine Gruppe aufgebaut mit einem Männchen und zwei Weibchen. Hoffentlich funktioniert es.“ Und dann möchte er noch das Paarungsverhalten von Aspisvipern beobachten, neben der Kreuzotter die zweite in Deutschland vorkommende Giftschlangenart.

Die Pantherschildkröte aus Afrika kann über 50 Zentimeter groß werden und ein Gewicht von über 30 Kilogramm erreichen.
Die Pantherschildkröte aus Afrika kann über 50 Zentimeter groß werden und ein Gewicht von über 30 Kilogramm erreichen. | Bild: Kleinstück, Holger

„Hier wissen wir es noch nicht, ob es erfolgreich sein wird, weil sie noch relativ klein sind“, erläutert Schöllhammer. Ansonsten herrsche wie üblich ein „ständiges Kommen und Gehen“ abhängig von den jeweiligen Lebenssituationen insbesondere bei Königspythons, Kornnattern und Bartagamen, eine Gattung der Schuppenkriechtiere. „Was der Rest des Frühlings bringt, müssen wir noch abwarten“, sagt Urs Schöllhammer.

Der Grüne Leguan ist ein Vertreter der Leguane, dessen Lebensraum in Mittelamerika und Südamerika liegt.
Der Grüne Leguan ist ein Vertreter der Leguane, dessen Lebensraum in Mittelamerika und Südamerika liegt. | Bild: Kleinstück, Holger

„Alle Tiere, die wir aufnehmen, können wir aber aus Platzgründen nicht behalten und müssen weiter vermittelt werden“, erläutert er weiter, wobei er auf ein zunehmendes Problem aufmerksam macht: "Leider" sei es angesagt, Reptilien in den eigenen vier Wänden zu halten. Durch den Tierhandel insbesondere über das Internet würden jährlich zahlreiche exotische Reptilien eingeführt.

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Schöllhammer erklärt: „Als Tiere für wenig Geld werden sie für die Terrarienhaltung oder für Gartenteiche angeboten. Wobei vorgegaukelt wird, sie seien einfach zu halten. Die Realität ist aber eine andere. Reptilien sind empfindliche und pflegeintensive Geschöpfe.“ Als Beispiel nennt der Tierpfleger Schildkröten, die meist als ganz junge Tiere verkauft würden. Kaum seien sie groß, sei ihr Schicksal meistens schon beschlossene Sache. „Günstigstenfalls werden die dann lästig gewordenen Tiere ins Freiland entlassen“, gibt der Tierpfleger zu bedenken.

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