Um insgesamt 72 Hektar haben die Landwirte des Tettnanger Hopfenanbaugebiets für diese Saison ihre Fläche erweitert. Insgesamt wächst das sprichwörtliche "Grüne Gold" bei 133 Hopfenbetrieben rund um Tettnang auf 1353 Hektar Fläche, 2,5 Prozent des weltweiten Bedarfs. "Es handelt sich um ein sehr globalisiertes Produkt. Vom Tettnanger Hopfen gehen drei Viertel in den weltweiten Export", berichtet Jürgen Weishaupt, Geschäftsführer des Tettnanger Hopfenpflanzerverbands.

Investiert in seine Anlagen hat auch Wolfgang Ruther, Vorsitzender des Tettnanger Hopfenpflanzerverbands. "Ich habe zwei Hektar Ackerland in Hopfengärten umgewandelt", berichtet er. Der Grund: Der Anteil der handwerklich erzeugten Craft-Biere steigt und sie verlangen die fünf- bis zehnfache Menge an Hopfen. "Diese Lücke schließen jetzt die deutschen Hopfenbauern zu auskömmlichen Preisen", sagt Ruther und freut sich über Verträge mit einer Laufzeit bis 2025. Sie geben ihm und seinem Sohn Philipp eine große Planungssicherheit. Jürgen Weishaupt bestätigt: Auch wenn in Deutschland und Europa vor allem aufgrund der Altersstruktur der Bierkonsum eher zurückgeht, ist der weltweite Markt nach wie vor ein Wachstumsmarkt.

Rund 80 Prozent des Tettnanger Aromahopfens – Fachleute meinen mit dem Aushängeschild des Anbaugebiets die alte Landsorte namens Tettnang Tettnanger – gehen in den Export. Hauptabnehmer sind die USA und die asiatischen Länder. "Es gibt aber auch Brauereien in Afrika, die ihr Produkt mit Hopfen aus Tettnang würzen", berichtet Weishaupt. Traditionell rechnet man im Hopfenanbau mit Zentnern. 45 409 Zentner oder 2270 Tonnen getrocknete Hopfendolden wurden im vergangenen Jahr in Säcke verpackt. "Auch wenn man Bier einer lokalen süddeutschen Brauerei trinkt, kann man ziemlich sicher sein, dass Tettnanger Aromahopfen drin ist", weiß Ruther, der zur Risikostreuung und zur Erweiterung seines Erntefensters 60 Prozent seiner Hopfenanbauflächen mit neun weiteren Sorten bepflanzt. "Aber das feine Aroma und die zarte Bittere des Tettnang Tettnangers ist schon etwas ganz Besonderes", gerät er ins Schwärmen.

Ebenso wie die Obstbauern sind auch die Hopfenbauern abhängig von Klima und Wetter. "Am schlimmsten sind für uns Hagel oder Sturm kurz vor der Ernte", erklärt Ruther. Aber auch extreme Trockenheit sei schlecht für den Hopfen. "Am liebsten ist uns ein ausgeglichenes Klima, nicht zu heiß, nicht zu kalt und mit reichlich Niederschlag." Handle es sich beim Hopfen doch um eine Auenpflanze. Ruther geht davon aus, dass die Wetterextreme nicht weniger werden. Hagelnetze kämen für die Hopfenbauern schon allein wegen der Statik nicht in Frage. "Uns bleiben eigentlich nur Versicherungen." Weishaupt bestätigt, dass die klassischen Aromasorten besonders empfindlich auf die Klimaveränderungen reagieren. "Das Hopfenforschungszentrum Hüll in der Hallertau ist dabei, Hopfensorten zu züchten, die auch extrem lange Hitze- und Trockenphasen aushalten."

Immer mehr Hopfenbauern ersetzen die traditionellen Holzstangen durch Stahl- oder Betonstangen. "Bedingt durch die neuen Imprägniermittel halten die Holzstangen heute nur noch zehn bis 15 Jahre statt 30 Jahre wie früher", erläutert Wolfgang Ruther. Er hat eine seiner Hopfenanlagen komplett mit Betonstangen ausgestattet, die in etwa gleich viel kosten wie Holzstangen. "Der einzige Nachteil ist, dass man beim Setzen schwereres Gerät braucht." Bisher gingen bei Jürgen Weishaupt erst zwei Anrufe ein von Bürgern, die das Landschaftsbild durch die Betonstangen gefährdet sehen. "Aber das ist für die Hopfenbauern eine ganz einfache Rechenaufgabe."

 

Zahlen und Fakten zum Tettnanger Hopfen

  1. Gab es im Tettnanger Hopfenanbaugebiet 1977 noch 618 Betriebe, ist ihre Zahl 40 Jahre später auf 133 zurückgegangen. Gleichzeitig stieg die Anbaufläche in diesem Zeitraum von 1221 auf aktuell 1353 Hektar an. Ein deutlicher Zuwachs ist dabei ab 2015 zu verzeichnen, nachdem in den Jahren davor die Anbaufläche nach einer starken Phase in den 1990er Jahren wieder auf 1200 Hektar zurückgegangen war. Die Erntemenge lag 2017 bei 45 409 Zentnern beziehungsweise 2270 Tonnen, dem vierthöchsten Wert in 40 Jahren.
  2. Erstmals Hopfen angebaut wurde in Tettnang im Jahr 1844. Damals suchten die Landwirte Alternativen zum Weinbau, der durch die Reblaus stark gelitten hat. Durch die Eisenbahn erhielt der Bodenseeraum Anschluss an den Weltmarkt. Mit ihr kamen die Hopfenpflücker, deren Zahl zu Hochzeiten höher war als die der Tettnanger Einwohner. Über sie wurde der Hopfen in alle Welt transportiert. Außerdem entwickelte ab 1865 Hopfenbau-Pionier Israel Friedrich Wirth auf dem Gut Kaltenberg zahlreiche Neuheuten für die Trocknung des Hopfens und zur Bodenbearbeitung. Im Jahr 2019 feiert der Tettnanger Hopfenanbau sein 175-jähriges Bestehen.

 

 

Informationen im Internet:www.tettnanger-hopfen.de