Wer ein Fitnessstudio besucht hat, der staunt nicht schlecht, wen er dort alles antrifft: den bekannten Handwerker und den Rentner von nebenan, den muskulösen Jugendlichen und die Kassiererin vom Supermarkt. Boxer oder Bodybuilder, deren Muskelpaketen den Blick geradezu magnetisch anziehen, sind nur noch eine Gruppe unter vielen. Die Studios boomen. Den eigenen Körper zu optimieren oder ihn wenigstens gesund zu erhalten, ist Kult. Machen nun die Fitnessstudios den Vereinen den Sportvereinen den Garaus?

Soziales Miteinander und Teamgeist gedeihen eher in Clubs, Vereinen und Gruppen, die gemeinsam dem Sport frönen. Dass der Verein keineswegs ausgedient hat, lässt sich am besten bei den Sektionen des Deutsche Alpenvereins (DAV) beobachten. Zwar kann jeder auf eigene Faust Skilaufen, wandern oder klettern. Doch insbesondere die gemeinsamen Unternehmungen stehen hoch im Kurs. „Die Überlinger Sektion des DAV hat rund 2800 Mitglieder“, sagt Vorsitzender Klaus Haberstroh: „Die Tendenz ist eher steigend.“ Bouldern und klettern in der Halle ist fast Volkssport. „Viele von ihnen gehen nie in die Berge, sondern verstehen es als reines Körpertraining.“ Es gibt kaum eine Schule, die keine Kletterwand hat.

Keine Sorge um die Substanz hat auch Kollege Roland Ruf vom Turnverein Überlingen. „Wir sind zwar vor einigen Jahren schon etwas geschrumpft“, sagt er: „Doch inzwischen sind wir stabil bei 1200 Mitgliedern.“ Leistungsorientiertes Gerätturnen oder Mannschaftsspiele wie Handball, Basketball und Volleyball sind die sicheren Bastionen. Das lässt sich im Alleingang nicht machen. Doch Ruf plagen ganz andere Sorgen. Mit dem Wachstum der Fitnessstudios ist es schwieriger, qualifizierte Trainer zu bekommen. „Dort verdienen sie viel mehr.“

Markus Betz kennt beide Seiten. „Viele Vereine haben keine Fitnessräume und sind froh über das Angebot“, sagt Betz, ehemaliger Leistungssegler, Sportlehrer an der Wiestorschule und Trainer im Wellnesspark Altbirnau. „Die Jungs zwischen 16 und 18 wollen im Fitnessstudio pumpen und ihre Muskeln aufbauen“, sagt Betz. „Mädchen in diesem Alter suchen etwas anderes.“ Nicht alle bieten ein modernes „Body shaping“ wie der Turnverein. „Manche Vereine müssten hier vielleicht etwas wacher sein“, betont Markus Betz, der sich mehr Informationen über die vielfältigen Angebote für die Jugendlichen wünscht. „Woher wissen sie, dass man hier Basketball, dort Volleyball spielen kann?“

Sportvereine sind das beste Biotop für Integration. Beim Fußball spielen und Tore schießen hindert keine Sprachbarriere und es entsteht schnell ein Team. Der FC 09 Überlingen hat derzeit fast 400 junge Kicker. Davon haben mindestens ein Drittel einen Migrationshintergrund. Eine besondere Bedeutung hat der Fußball für junge Flüchtlingskinder, die sich hier schnell aufgenommen und wohl fühlen.

 

Im Verein geht es für sie besser

Denise Schramm ist 16 Jahre alt. Und sie ist in der Ausbildung zum C-Trainer beim TV Markdorf. Genauer gesagt leitet sie zusammen mit Trainer Timo Metzger die Gruppe der 10 bis 13-jährigen Mädchen der Markdorfer Turnerriege an. Was ihr persönlich das Turnen im Verein bedeutet, fasst sie in ein paar knappen Sätzen zusammen: „Es motiviert mich, in der Gruppe und gemeinsam Sport zu betreiben. Alleine und im stillen Kämmerlein würde ich das bestimmt nicht tun.“ Und dann sei da natürlich der persönliche Ehrgeiz, der einen immer wieder auf’s Neue herausfordere. Auch der innere Schweinehund sei leichter in Griff zu bekommen, denn es ginge ja um die Gruppe und darum, als Team aufzutreten. Einer für alle, alle für einen ist Denise Schramms Motto. Das Deutsche Turnfest in Berlin war nun jüngstes Ziel der Turnermädchen. Für einen allein kein Ziel. Aber für alle zusammen ein großes Ereignis, das die Gemeinschaft fördert. (hst)

Harald Renger ist seit vielen Jahren Mitglied beim Sportclub Pfullendorf und seit mehr als zwei Jahrzehnten spielt er im Verein auch Fußball, genauer gesagt bei den Alten Herren des einstigen Drittligisten. Die Truppe trifft sich wöchentlich zum Training, absolviert Freundschaftsspiele und beteiligt an diversen Turnieren. Der 56-jährige Renger ist sportbegeistert, fährt gerne Rad und spielt Tischtennis und engagiert sich auch als Vereinsfunktionär. „Sich fit halten, dabei Gemeinschaft pflegen und auch in der Freizeit etwas gemeinsam unternehmen“, sind für den zweifachen Familienvater die wichtigsten Gründe für seine Vereinsaktivitäten. Er hat sich auch schon im Fitnessstudio versucht, ohne Mitgliedschaft, sondern mit einer 10-er Karte. „Man geht vier, fünf Mal hin und dann ist es vorbei“, erzählt er über seine Erfahrungen. Studioaktivitäten sind nach seiner Meinung eher etwas für die Winterzeit. Sobald es die Witterung zulässt, geht es wieder auf den Sportplatz. (siv)

Fitnessstudio bevorzugt

Jens Hoppe (70) aus Überlingen hatte nie viel mit Vereinen am Hut. Irgendwann hat er zwar gekickt, mehr war nicht. Seit sieben Jahren ist der Ruheständler nun begeisterter Besucher eines Fitnessstudios. Die zeitliche Flexibilität beim Training ist ihm gar nicht so wichtig. Im Gegenteil. „Ich komme mit meiner Frau regelmäßig dreimal pro Woche von 9 bis 11 Uhr hierher“, sagt Hoppe: „Diese Selbstdisziplin ist notwendig.“ Der 70-Jährige schätzt die Vielseitigkeit der Angebote.

Neben dem Herz-Kreis-System trainiert Hoppe auch gezielt seine gesamte Muskulatur. Mittlerweile kennt er alle Geräte und viele Übungen und braucht keinen Trainer mehr. Jens Hoppe nutzt bisweilen auch Gruppenangebote. „In meinem Alter plagt einen ja manches kleine Zipperlein“, erklärt er. Dagegen helfe nicht nur die Rückenschule, auch für andere Probleme bekomme er hier wertvolle Tipps. Manchmal geht Jens Hoppe mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter gemeinsam zum Mittagessen. „Doch das ist alles ganz zwanglos“, sagt er. (hpw)

Tanja Anger (31) aus Friedrichshafen bietet sogenannte Bootcamp-Trainings im Freien an. „Egal, ob es schneit, stürmt, regnet oder heiß ist: Es wird immer draußen trainiert“, erklärt Anger die besondere Zusatzherausforderung dabei. „Es sind sehr oft Leute dabei, die zum Beispiel mit Übergewicht zu kämpfen haben oder noch nie trainiert haben“, sagt Anger. Ein Teilnehmer sei 16 Jahre alt gewesen, eine andere Teilnehmerin etwa Mitte 60: „Die meisten sind zwischen 25 und 45 Jahren alt.“ Der größere Anteil sei dabei weiblich – vielleicht vermuten daher einige Männer beim Bootcamp eher ein „Frauentraining“. In der Regel schwitzen aber auch stets Männer mit. Während der Fokus im Fitnessstudio häufig auf dem Muskelaufbau liege, stehen beim Bootcamp während vieler Eigengewichtsübungen und Stationen mit Kettlebells, so genannten wilden Seilen und anderen Zusätzen Kraft und Ausdauer im Mittelpunkt. (dim)