Norbert Schültke spricht von einer "Durstrecke", von einer "hohen Leidensfähigkeit der Fahrgäste". Und davon, dass man alle Anstrengungen unternehmen müsse, um die Belastung so gering wie möglich zu halten. Vier Jahre, schätzt Schülke, würden sich die Einschränkungen hinziehen. Die Rede ist von der Elektrifizierung der Südbahn. Die kommt freilich nicht über Nacht, sondern zieht eine Reihe von Baumaßnahmen nach sich. "In den letzten Monaten haben wir einen ersten Blick auf die Elektrifizierung der Südbahn erleben dürfen, der Schienenersatzverkehr ist schon mehrfach bewältigt worden", sagte Schültke.

Mehr als einen Monat am Stück seien Strecken teilweise gesperrt gewesen, ab und an habe man auch mit einem Komplettausfall umgehen müssen. "Das sind natürlich erschwerte Bedingungen, um das so abzuwickeln, dass es für die Fahrgäste erträglich bleibt. Aber mit den Kollegen der RAB haben wir das ganz gut hinbekommen." Dennoch sei "die Leidensfähigkeit der Fahrgäste schon sehr strapaziert" worden und das werde in den nächsten Jahren noch schlimmer werden. "Das wird eine Durststrecke werden, da müssen wir uns alle drauf einstellen und das Beste draus machen", sagte Schültke.

Landrat Lothar Wölfle erklärte, der Interessensverband Südbahn habe sich sehr intensiv mit der Thematik der Zugausfälle und Streckensperrungen befasst und bei der Deutschen Bahn nachgefragt, ob man auf den Stecken mit Zweigleisbetrieb nicht immer nur ein Gleis angehen und auf dem anderen im Wechselbetrieb fahren könne. "Aber es geht laut DB nicht nur darum, Masten rechts und links der Gleise aufzustellen, sondern im Zuge der Elektrifizierung werden eine Reihe von weiteren Maßnahmen wie Gleisabsenkungen unter Brücken und in Tunnels durchgeführt", erklärte Wölfle. Das werde nötig, weil dort Oberleitungen aufgebaut werden müssen, die entsprechend Platz benötigen. Außerdem habe die DB beschlossen, im Zuge der ohnehin vorhandenen Sperrung auch noch andere Maßnahmen mitzumachen, die in den nächsten fünf bis sechs Jahren anstehen und dann erneut zu Streckensperrungen führen würden. Er finde diese Überlegung gut und nachvollziehbar, sagte Wölfle. "Aber wir müssen auch schauen, dass der Schienenersatzverkehr vernünftig funktioniert." Und das gelte nicht nur für den Nahbereich, sondern für weiter entfernt liegende Ziele. "Das zieht sich ja über vier Jahre mit der Elektrifizierung", machte der Landrat die Dimension deutlich. "Ich glaube, da müssen wir alle Anstrengungen unternehmen."

Schültke wies darauf hin, dass es, wenn die Elektrifizierung dann erfolgt ist, einer neuen Infrastruktur bedürfe – zum Beispiel in Form von neuen Fahrzeugen. "Wir haben jetzt die Aufgabe zu untersuchen, ob es auf der Basis elektrifizierte Südbahn eine auf die Region ausgerichtete Konzeption für die BOB gibt und wenn ja, mit welchen strategischen Partnern." Schültke bezeichnete das als "faktische Option" und machte klar: "Es ist nicht garantiert, dass wir zum Zuge kommen, aber wir werden uns sehr anstrengen." Ein weiteres großes Projekt stehe kurz vor seinem Abschluss, sagte der BOB-Geschäftsführer: das elektronische Fahrgastmanagement. "Die Geräte für das Checkin/Checkout-Verfahren sind bereits im zweiten Testlauf. Es sieht danach aus, dass wir sie im Herbst an den Fahrscheinautomaten installieren können."

BOB-Zahlen

Das Fahrangebot der BOB ist im vergangenen Geschäftsjahr etwa gleich geblieben und belief sich auf rund 523 000 Kilometer. Die Pünktlichkeitsquote lag bei 96,9 Prozent und damit über der Vorgabe des Landes von 96 Prozent. Nur ganz vereinzelt habe es Zugausfälle gegeben – dann seien meist Personenschäden ursächlich gewesen, "also Dinge, die nicht in unserer Macht liegen", sagte Schültke. Außerdem habe man eine weitere Steigerung der Fahrgäste von 1,2 Prozent auf 5270 pro Werktag verzeichnen können. "Bei der Gründung haben wir gesagt: Wenn wir 1700 Fahrgäste pro Tag erreichen, sind wir gut. Jetzt haben wir das Dreifache, also sind wir besser."