Ein die Halle verlassender Präsident und verschobene Neuwahlen: Alles andere als harmonisch verlief die Hauptversammlung des Alemannischen Narrenrings (ANR), deren Mittelpunkt die nach drei Jahren vorgeschriebene Neuwahl des Präsidiums sein sollte. Doch dazu kam es nicht. Vielmehr erlegten die bis dahin 88 Mitgliedszünfte dem Ring auf, entweder einen außerordentlichen Konvent einzuberufen oder die erforderlichen Wahlen beim Herbstkonvent in Unterscharzach im Oktober auszuführen.

Unstimmigkeiten schon bei den Regionalversammlungen?

Was war passiert? „Das wissen wir auch nicht genau“, erläuterte Ehrennarrenrat Wolfgang Dieminger, der eigentlich die Wahlern leiten sollte, gegenüber dem SÜDKURIER. Schon im Vorfeld der Versammlung, so sickerte durch, habe es bei den drei Regionenversammlungen des Rings im März und April wohl Unstimmigkeiten im Präsidium gegeben.

Augustin „Gusti“ Reichle: „Auf seine innere Stimme gehört"

Der bis zur Hauptversammlung amtierende Narrenmeister und Präsident Augustin „Gusti“ Reichle sagte kurz vor den anstehenden Wahlen, er habe „auf seine innere Stimme gehört“, womit er jetzt doch nicht (wie wohl beabsichtigt) zur Wiederwahl stehe. Mit dem Abbinden seines Schlipses und trotz anhaltendem Applauses der Mitglieder verließ Reichle durch einen Nebeneingang den Saal, ohne eine weitere nähere Begründung zu geben.

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Das veranlasste Oliver Venus, Zunftmeister der Narrenzunft Seegockel aus Friedrichshafen, sich zu Wort zu melden: „Es ist jetzt nicht richtig, zu wählen. Wir Zünfte benötigen Aufklärungsbedarf.“ Dieminger berief daher nach einer Pause eine entsprechende Abstimmung ein: Alle Mitgliedszünfte votierten für eine Verlegung der Wahl des Präsidenten, bei 42 Gegenstimmen vertagten sie auch die Wahl des weiteren Präsidiums von Kanzelar, Protokoller und Brauchtumer. „Danke, dass wir so verfahren, ohne einen Schnellschuss zu tun“, sagte Dieminger an die Zünfte gerichtet. Dem Vize-Narrenmeister und eigentlich zur Präsidentenwahl stehenden Markus Stark aus Schemmerberg blieb es vorbehalten, durch die weitere Versammlung zu führen.

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Beim Rückblick auf das 15. Ringtreffen des ANR, das in Friedrichshafen, dem Geburtsort des ANR, Anfang Februar stattfand, sprach Reichle von einem großen Erfolg. „Es war ein sehr gelungenes Ringtreffen“, pflichtete ihm Oliver Venus bei. Der Zunftmeister der veranstaltenden Seegockel fragte aber in die Runde, ob ein solches Treffen noch das richtige Medium darstelle, sich als Ring zu präsentieren. „Wir sind an unsere Kapazitätsgrenzen gelangt“, sagte Venus. Nichtsdestotrotz: Das kommende Ringtreffen wir im Jahr 2022 in Ulm stattfinden.

Narrenvereine freuen sich über Interesse der Jugend

Jugendleiter Sebastian Peter freute sich, dass man über Nachwuchs nicht klagen könne. „Das Pflänzchen Jugend wächst bei uns und wächst“, fügte Reichle an. Vorfälle mit betrunkenen Jugendlichen seien nicht zu beklagen gewesen, fuhr Peter fort. Er bedauerte indes, dass die Aufstellungsplätze bei Umzügen meist zu klein seien.

Gabi Pfarherr, Brauchtumerin beim ANR: "Es ist nicht schön, wenn Rauchbomben gezündet werden. Bitte setzt sie nicht ein."
Gabi Pfarherr, Brauchtumerin beim ANR: "Es ist nicht schön, wenn Rauchbomben gezündet werden. Bitte setzt sie nicht ein." | Bild: Holger Kleinstück

Brauchtumerin Gabi Pfarherr wies darauf hin, Rauchbomben nicht zu verwenden. „Bitte setzt sie nicht ein und zündet sie nicht an, das wollen wir im ANR nicht haben.“ Dass das Ordenskapitel bei Veranstaltungen während der Saison 257 Orden verliehen hat, davon berichtete Chronist Reiner Stadler: „Es werden immer mehr.“ Lang anhaltender Applaus gebührte Ehrennarrenmeister Charly Maier, dem im Krankenstand die goldene Narrenkappe von Reichle verliehen worden war – die höchste Auszeichnung des ANR.

Die Narrenzunft Mochenwangen ist der 90. Verein, der dem Alemannischen Narrenring beigetreten ist.
Die Narrenzunft Mochenwangen ist der 90. Verein, der dem Alemannischen Narrenring beigetreten ist. | Bild: Holger Kleinstück

Als 89. und 90. Verein aufgenommen wurde nach einstimmigem Beschluss die Narrenzunft Bürgermoos und die Narrenzunft Mochenwangen. Ein Freundschaftstreffen im Jahr 2022 wird es vermutlich nicht geben, zumindest lagen dem Präsidium bis zur Hauptversammlung keine entsprechenden Anträge vor.

Der 50. Jahrestag der ANR-Gründung wird mit einem Festakt am 21. Juni in Kluftern gefeiert.