Wenn im Rahmen eines symbolischen Spatenstichs der Landes- und der Bundesverkehrsminister gleichzeitig vor Ort sind, dann hat das zu startende Verkehrs- und Infrastrukturprojekt enorme Bedeutung. So geschehen am Freitagnachmittag, als in Baienfurt das Jahrhundertprojekt "Elektrifizierung der Südbahn" in die Phase der tatsächlichen Umsetzung ging. Erster Schritt ist der Bau eines Umspannwerkes, in mehreren Abschnitten werden bis zum Jahr 2021 auf den 100 Kilometern Bahnstrecke zwischen Ulm und Friedrichshafen sowie der Bodenseegürtelbahn bis Lindau-Aeschach rund 4000 Master sowie 250 Kilometer Oberleitung verbaut. Dann sind mit den umweltfreundlichen E-Loks Geschwindigkeiten bis zu 160 Stundenkilometern möglich. "Wenn auf Fahrstrecken kürzere Fahrzeiten und mehr Pünktlichkeit erreicht werden, dann ist das ein echtes Angebot", sagte Andreas Scheuer, frisch vereidigter Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Das gelte, sagte Scheuer, aber nicht nur für Fernreisende, sondern auch den Regionalverkehr. "Dies ist ein Riesenprojekt mit einer Riesenarbeit, die bisher geleistet wurde", sagte Scheuer weiter.

Einen "historischen Tag für die Region" nannte es Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann – 170 Jahre nach dem Bau der "Schwäbischen Eisenbahn". Er spannte den Bogen aber auch zum Umwelt- und Klimaschutz. "Es darf nicht sein, dass wir beim Straßenverkehr auf Elektrofahrzeuge drängen und auf der Schiene weiter gedieselt wird", sagte Hermann. Auch hob er die Verantwortung des Landes für die Verkehrsinfrastruktur hervor. "Es ist nicht selbstverständlich, dass Baden-Württemberg für ein Projekt zahlt, das eigentlich in der Zuständigkeit des Bundes liegt."

Dass die bereits i 1995 im Verkehrswegeplan mit vordringlichem Bedarf versehene Maßnahme überhaupt so weit gekommen ist, ist grundlegend dem unermüdlichen Kampf der Kommunen und Landkreise zu verdanken. Sie schlossen sich 2005 zum "Interessenverband Südbahn" zusammen und bündelten die Bemühungen sowie den politischen Druck. Nur so war es möglich, dass das Land Baden-Württemberg nach harten und langwierigen Verhandlungen die Zusage gab, mit 112,5 Millionen Euro rund die Hälfte der Gesamtbaukosten zu tragen. "Die Elektrifizierung der Südbahn ist ein Schritt in die Zukunft unserer Region, die auf vernünftige Voraussetzungen auf der Straße, Schiene und in der Luft angewiesen ist", betonte Lothar Wölfle, Landrat des Bodenseekreises und Vorsitzende des Interessenverbandes Südbahn.