Vier Tage vor Weihnachten 2018 schnappte die Falle zu: In einer spektakulären Aktion nahm ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei in Markdorf drei Männer als mutmaßliche Serieneinbrecher fest, angesichts einer bundesweiten Aufklärungsquote von 18 Prozent bei Einbrüchen ein großer Erfolg.

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Nach Beschwerden und Befangenheitsanträgen Anfang Juli wurde der Prozess am Dienstag zum zweiten Mal vor dem Ravensburger Landgericht eröffnet. Mehr als 20 Minuten dauerte die Anklageverlesung von Staatsanwältin Silke Bruder wegen schweren Bandendiebstahls. Durch „arbeitsteilige“ Einbrüche über Terrassentüren oder Fenster zuvor ausgespähter Objekte soll das Trio 143 000 Euro Beute in insgesamt 34 Fällen gemacht haben.

Bis zu vier Einbrüche pro Tag

Vor allem auf Schmuck und Bargeld hatten es die Täter abgesehen. Und sie „arbeiteten“ laut Anklage schnell und immer tagsüber: An einzelnen Tagen schafften sie bis zu vier Einbrüche. Einmal hatte die Beute einen Wert von 35 000 Euro, zweimal waren es 25 000 Euro. „Einsatzorte“ waren beispielsweise Stockach, Biberach, Saulgau, Laupheim, Singen, Meckenbeuren und zum Schluss Markdorf.

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Der personelle Aufwand für den Prozess im Landgericht ist enorm: Den drei Angeklagten stehen sechs Anwälte zur Seite. Dazu drei Dolmetscher, ein psychiatrischer Sachverständiger, die fünfköpfige Strafkammer und auf der Zeugenliste stehen 59 Namen.

15 Verhandlungstage sind angesetzt

Die Ermittlungsakten sollen Tausende von Seiten umfassen. Nach derzeitigem Stand sind für dieses Verfahren 15 Verhandlungstage vorgesehen.

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Kein Wunder, dass der Vorsitzende Richter Martin Hussels-Eichhorn auf die Frage eines Verteidigers zu „Sondierungsgesprächen“ nachdrücklich darauf hinwies, dass „bei umfassenden Geständnissen“ die eine oder andere Tat eingestellt werden könnte und nach einem Erlass des Stuttgarter Justizministeriums eine Abschiebung in die Heimat nach der Verbüßung der Hälfte der Strafe möglich sei.

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An dieser Stelle sei darauf verwiesen, dass der Gesetzgeber Einbrüche in Privatwohnungen zum „Verbrechenstatbestand“ erklärt hat und der Strafrahmen von einem Jahr bis zehn Jahre Freiheitsstrafe erhöht wurde. Ob sich Gericht, Angeklagte samt Anwälten und Staatsanwaltschaft nach Geständnissen im Rahmen einer Verständigung auf ein verkürztes Verfahren mit Strafminderung einigen, schien gestern nach unklar, zumal zwei der sechs Verteidiger nicht erschienen waren.

Peinliche Panne: Wichtige Beweismittel verschwunden

Zu Prozessbeginn gab der Richter eine peinliche Panne bekannt. So sei im Juni bei der Polizei ein Karton mit wichtigen Beweismitteln zu dem Fall verschwunden: „Ein Teil steht also im Original nicht mehr zur Verfügung.“ Vermutet wird, dass der Karton „versehentlich“ zur Vernichtung in der Müllverbrennung gelandet ist.