Meckenbeuren-Brochenzell – In Meckenbeuren wurde gestern der Spatenstich für den Neubau eines Mehrfamilienhauses ausgeführt, das zwischen 40 und 55 anerkannten Asylbewerbern eine neue Heimat in der Gemeinde bieten soll. Der Spatenstich war rein symbolischer Natur, denn Baubeginn war bereits vor 14 Tagen. Mittlerweile sind die Tiefbauarbeiten nahezu abgeschlossen.

"Es wird gerade noch eine Wärmeschicht aufgebracht, denn es handelt sich um ein Niedrigenergiehaus, thermisch auf dem Stand der Zeit, das ist mittlerweile Gesetz in der Landesbauordnung Baden-Württemberg", sagt Ortsbaumeister Axel Beutner. Im November hatte der Gemeinderat Meckenbeuren den einstimmigen Beschluss für diesen Neubau in der Zollernstraße in Meckenbeuren gefasst. Damals allerdings noch in Hoffnung, dass ein Teil der Kosten, die bei einer Million Euro liegen, über Landeszuschüsse wieder hereinkommen. "Wir haben einen Antrag gestellt, der wurde nicht bewilligt, weil der Topf in dem Programm leer ist", sagt Bürgermeister Andreas Schmid. "Ob es im Anschlussprogramm klappt, wissen wir auch nicht, aber ich finde, ein Zuschuss für eine Kommune, die Verantwortung übernimmt, wäre schon das Richtige. Es handelt sich ja um eine gemeinsame Verantwortung von Bund, Ländern und Kommune."

Andreas Schmid nutzte die Gelegenheit, um politisch Stellung zu beziehen: "Frieden ist kein Selbstläufer, wir müssen alle Stellung beziehen. Auch wenn wir nicht das große Rad der Politik drehen, wir müssen unsere Aufgaben erledigen und das hier ist so eine Aufgabe." Er richtete auch einen Appell an die Nachbarn: "Mit dem Gebäude entsteht auch die Aufgabe der Integration dieser Menschen. Der Freundeskreis Asyl ist dabei eine große Stütze und auch die Nachbarschaft trägt Verantwortung im Umgang mit diesen Menschen. Wir müssen alle aktiv sein, wenn sich einer zurücklehnt, klappt es nicht." Schon im Vorfeld werden die Anwohner Verständnis aufbringen müssen, denn für den Hochwasserschutz muss zum Neubau auch der Parkplatz um zwei Meter angehoben werden. Das wird mit Lärm und Staub einhergehen. Parallel sucht die Gemeinde noch händeringend nach Vermietern, die bereit sind, für die Anschlussunterbringung Wohnraum an die Gemeinde zu vermieten. Am Montag, den 24. April, wird dazu ein Gespräch im Rathaus angeboten. "Was das Thema Wohnraum für Menschen mit Fluchthintergrund angeht, wird dies nicht unsere letzte Herausforderung sein", sagt Bürgermeister Schmid.

Das Haus

Das Niedrigenergiehaus mit sechs Wohnungen auf drei Etagen ist für 40 bis 55 anerkannte Asylbewerber vorgesehen. Auf jeder Etage wird es eine kleinere Wohnung mit 95 Quadratmetern und eine größere Wohnung mit 115 Quadratmetern brutto geben. Der Neubau kostet gut eine Million Euro und soll im Frühsommer 2018 bezugsfertig sein. (afr)