Walter Stegmaier und Roland Kohler sitzen nebeneinander, der eine ergänzt die Antworten des andere und beide nehmen sich gegenseitig auf den Arm. Stegmaier ist Deutscher, Kohler ein Eidgenosse. Doch beide sind vereinigt durch ihre gemeinsame Leidenschaft. "Die Musik ist ein Hobby für das gesamte Leben", sagt Kohler. Und eines, das keine Grenzen kennt.

Im Probenraum der Stadtkapelle Markdorf setzten beide mit ihren Mitstreitern einen "Meilenstein in der Geschichte der Blasmusik", wie es Kohler formuliert. Am Samstag wurde von diesen der Verein Blasmusikverbände der Bodensee-Region (BVBR) gegründet. Es handelt sich um einen grenzüberschreitenden Zusammenschluss von Musikverbänden aus Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz. Damit befinden sich nach eigenen Angaben 708 Musikvereine, organisiert in zehn Verbänden und mit ingesamt etwa 41 000 aktiven Mitglieder unter dem Dach der BVBR. Hinzu käme eine vergleichbare Zahl an passiven Mitgliedern. Bereits im vergangenen Jahrtausend habe es von Moskau aus einen Versuch gegeben, einen internationalen Musikverband zu gründen, doch dieser habe sich nicht etabliert. "Davon abgesehen, weiß ich von keinem einzigen anderen länderübergreifenden Musikverband", sagt Stegmaier.

Der BVBR-Präsident Roland Kohler (links) und BVBR-Vizepräsident Walter Stegmaier beim Gespräch.
Der BVBR-Präsident Roland Kohler (links) und BVBR-Vizepräsident Walter Stegmaier beim Gespräch. | Bild: Heuser, Christoph

Zusammenarbeit seit 32 Jahren

Bereits seit 32 Jahren werde ohnehin schon im Jugendbereich erfolgreich zusammengearbeitet, berichtet Roland Kohler aus St. Gallen, der zum Präsident des neu gegründeten Vereins gewählt wurde. "Im Bereich der Jugendarbeit bestehen die Kontakte ohnehin schon lange", verdeutlicht der 54-Jährige. Dazu gehörte die Schaffung der Arbeitsgemeinschaft "Jugend und Blasmusik", die sich über viele Jahre am Leben gehalten habe und nebend dem Erfahrungsaustausch auch durch internationale Jugendkapellentreffen und Seminare auszeichnete.

"Die BVBR wurden nun gegründet, um die internationalen Treffen weiter auszubauen. Gleiches gilt für die Jugendarbeit", beschreibt Kohler. Der vierfache Familienvater betont: "Wir wollen die Blasmusik in allen vier Ländern fördern."

"Schon früher wurden Probleme diskutiert, die grenzübegreifend alle Verbände betrafen und Hilfestellungen für verschiedene Aufgaben erarbeitet", erinnert sich Kohler. "Allerdings", sagt der Ingenieur und hebt fragend die Arme, "wo findet eine Arbeitsgruppe schon Gehör?". Insofern sei die Organisation in einer Vereinsstruktur unerlässlich gewesen. Auch hinsichtlich etwaiger Fördergelder sei es erforderlich in dieser Gesellschaftsform aufzutreten.

Walter Stegmaier aus Salem wurde zum Vizepräsidenten der BVBR gewählt und führt noch einen weiteren für ihn wichtigen Grund an: "In den Zeiten, wo die Mauern wieder hochgezogen werden und die Menschen vermehrt nur an sich denken, ist dies unser Beitrag zur Verständigung über alle Grenzen hinweg." Der 61-Jährige erinnere sich an Zeiten, wo es nicht selbstverständlich war, ohne Kontrollen von einem Staat in den nächsten zu fahren und wünscht sich eine größere Wertschätzung dieses Privilegs.

Der Posaunist trägt an seinem Sakko eine rote Anstecknadel, darauf steht in weißer Schrift: "100 Prozent Musik". Er habe all seine erlangte gesellschaftliche Kompetenz der Musik und der Vereinsarbeit zu verdanken. Seit 1984 bekleidet der selbstständige IT-Fachmann Ehrenämter. Dabei war die Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten aus den deutschsprachigen Nachbarländern etwas völlig Normales. "Wir sind uns doch ohnehin mit Bürgern der Regionen Allgäu und Baden durch die Sprache viel ähnlicher, als mit den Menschen in weiten Teilen der Schweiz", ergänzt Kohler.

Vorstand der Blasmusikverbände der Bodensee-Region (von links):Roland Kohler, Johannes Steppacher, Kassiererin Rebecca Lampert, Walter Stegmaier
Vorstand der Blasmusikverbände der Bodensee-Region (von links): Roland Kohler, Johannes Steppacher, Kassiererin Rebecca Lampert, Walter Stegmaier | Bild: Heuser, Christoph

Auftritt bei Landesgartenschau

Auf ihrer Agenda haben die BVBR das Jugendkapellentreffen im österreichischen Altach am 15. Juni 2019. Außerdem ist bereits spruchreif, dass sich Blasmusiker aus den vier beteiligten Ländern auf der Landesgartenschau in Überlingen präsentieren werden. Am 21. Juni 2020 werden die Musiker passend zum Tag der Blasmusik gemeinsam auftreten.

"Wir leben von der Basis", sagt BVBR-Präsident Roland Kohler, "der Verband möchte sich von den Interessen der Mitglieder lenken lassen". Ein Interessenfeld der Musiker ist dabei klar: gemeinsames Austauschen und Musizieren -ohne Grenzen.

 

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