Ob zum Trinken, Zähneputzen oder Waschen – für uns ist es selbstverständlich, dass jederzeit frisches Wasser aus der Leitung sprudelt. Damit das Naturprodukt in höchster Qualität und entsprechend der Trinkwasserverordnung zum Wasserhahn gelangt, sind die Wasserversorger und zur Kontrolle das Gesundheitsamt gefragt.

Im Wasserwerk neben dem Strandbad in Friedrichshafen entnimmt das Stadtwerk am See Wasser in 45 Metern Tiefe.
Im Wasserwerk neben dem Strandbad in Friedrichshafen entnimmt das Stadtwerk am See Wasser in 45 Metern Tiefe. | Bild: Stadtwerk am See

Stadtwerk am See, Bodensee-Wasserversorgung, Zweckverband Wasserversorgung Unteres Schussental und das Gesundheitsamt erklären, wie Haushalte im Bodenseekreis mit See-, Grund- und Quellwasser versorgt werden.

In welcher Tiefe wird Bodenseewasser entnommen? Das Stadtwerk am See entnimmt das Wasser für Friedrichshafen im Wasserwerk neben dem Strandbad, 1,3 Kilometer vom Ufer entfernt und in 45 Metern Tiefe. In Überlingen im Wasserwerk in Brünnensbach etwa 300 Meter vom Ufer entfernt und in 55 Metern Tiefe. Auch in Sipplingen wird das Wasser von der Bodensee-Wasserversorgung aus einer Tiefe von 60 Metern entnommen.

Vom Hochbehälter in Raderach aus wird das Wasser in die Leitungen der Haushalte gepumpt.
Vom Hochbehälter in Raderach aus wird das Wasser in die Leitungen der Haushalte gepumpt. | Bild: Stadtwerk am See

Wie kommt es dann zu den Haushalten? Das Stadtwerk am See pumpt das Trinkwasser aus dem Seewasserwerk in den Hochbehälter (HB) in der Hochstraße. Von dort wird ein Teil an die Haushalte verteilt, der andere Teil befüllt den HB Raderach. Auch von dort geht das Wasser an die Haushalte in Markdorf und in einen weiteren HB.

Was geschieht mit dem Wasser im Wasserwerk? Zur Vordesinfektion wird Seewasser Ozon zugesetzt. Dieses ist für Mikroorganismen giftig und tötet sie ab. Bei der anschließenden Flockung lagert sich Aluminium- oder Eisenpulver an den winzigen Bakterien ab. Sie werden größer und können so im Sandfilter hängenbleiben, der das Wasser auch von Trübstoffen befreit.

Das könnte Sie auch interessieren

Danach erfolgt eine Desinfektion in einer UV-Anlage oder mit Chlor, das in geringen Mengen im Rahmen der Trinkwasserverordnung zugesetzt wird. Die größten Herausforderungen stellen beim Bodenseewasser Trübstoffe und Mikrobiologie dar. Extreme Wetterereignisse und Stürme führen seit ein paar Jahren zu einer höheren Eintrübung des Wassers, sodass Filter häufiger gespült werden müssen.

Nikolaus Brunner inspiziert einen Brunnen im westlichen Bodenseekreis.
Nikolaus Brunner inspiziert einen Brunnen im westlichen Bodenseekreis. | Bild: Landratsamt Bodenseekreis

Werdenalle Gemeinden mit Seewasser versorgt? Nein. Der Zweckverband Wasserversorgung Unteres Schussental (ZWUS) zum Beispiel pumpt sein Wasser für die Gemeinden Tettnang, Meckenbeuren und Eriskirch unter anderem aus einem Horizontalfilterbrunnen. Dieser befindet sich im Bereich der früheren Ruess-Mühle in Langenargen.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Brunnen ist 28 Meter tief und erschließt den Grundwasserleiter, der parallel zur Argen im Moränenkies der eiszeitlichen Gletschermoräne verläuft und unter der Oberfläche als Grundwasser in den Bodensee fließt. Das Einzugsgebiet des Grundwasserleiters erstreckt sich insbesondere auf den Tettnanger Wald und wird teilweise durch die Argen und den künstlich angelegten Mühlkanal gespeist.

Wie wird Quell- und Grundwasser aufbereitet? Sofern Mikroorganismen vorhanden sind, wird vereinzelt mit UV-Licht desinfiziert. Die chemisch-biologische Zusammensetzung des Wassers der ZWUS jedoch entspricht an der Entnahmestelle ohne jegliche Aufbereitung den Vorschriften der Trinkwasserverordnung und es kann unmittelbar an die Verbraucher abgegeben werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Durch seinen langen Weg durch Kies und feinen Sand der Moräne mit sehr geringer Fließgeschwindigkeit werden nach Angaben der Experten Schmutzteilchen zurückgehalten oder abgebaut.

Welche Aufgabe hat das Gesundheitsamt? „Alle ein bis drei Jahre müssen die öffentlichen Trinkwasseranlagen vonseiten des Gesundheitsamts geprüft werden“, sagt Hygieneinspektor Nikolaus Brunner. Bei den angemeldeten Besuchen werden bei den Gemeinden zunächst die Stammdaten wie entnommene Wassermenge, Auffälligkeiten, Rohrbrüche und bauliche Veränderungen abgefragt.

Das könnte Sie auch interessieren

Danach wird am Pumpwerk des Grundwasserbrunnens nach Einflüssen geschaut, die das Rohwasser nachteilig beeinträchtigen können. So könnten durch eine undichte Schachtabdeckung zum Beispiel Nagetiere eindringen. Bei Quellen wird genauso verfahren, bei Seewasser ist es dagegen schwierig, an das Rohwasser zu gelangen.

Wie geht das Gesundheitsamt bei einer Prüfung vor? Bei der Wasserkontrolle werden der Chlorgehalt und der PH-Wert gemessen. Außerdem gibt es eine mikrobiologische Untersuchung. Zudem wird überprüft, wie oft der Filter gespült oder der Sand ausgewechselt wird. Danach werden die Hochbehälter auf bauhygienische Mängel untersucht. Auch dort, im sogenannten Reinwasser, können mikrobiologische Untersuchungen veranlasst werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Auf Mikroplastik wird das Wasser bislang nicht untersucht. Zukünftig werde dies aber in der Trinkwasserverordnung berücksichtigt werden, so das Gesundheitsamt. Bei den Brunnen wird zusätzlich auch das Schutzgebiet angeschaut. Zone eins, etwa zehn Mal zehn Meter groß, umgibt als eingezäunter Bereich den Brunnen. Zur Fließrichtung des Grundwassers hin schließt sich Zone zwei an. In diesem Bereich darf zum Beispiel keine Massentierhaltung erfolgen. In Zone drei dürfen Tiere weiden, aber keine Straßenabwässer eingeleitet werden.

Was geschieht im Fall einer Verunreinigung? Wird eine schwere, sichtbare Verunreinigung festgestellt, muss der Versorger die Bürger darüber informieren, dass er das Wasser chloren muss, und gibt ihnen die Empfehlung, Trinkwasser abzukochen. Doch dies ist laut Hygieneinspektor Brunner schon lange nicht mehr vorgekommen.

Darum sind regelmäßige Untersuchungen notwendig

Im Bodenseekreis gibt es 85 große und mittlere Trinkwasserversorgungsanlagen. Nur etwa 180 Haushalte versorgen sich noch mit eigenem Wasser. Zwölf Seewasserwerke versorgen die Gemeinden Sipplingen, Überlingen, Uhldingen-Mühlhofen, Meersburg, Hagnau, Immenstaad, Friedrichshafen und Kressbronn.

In erster Linie sind die Wasserwerke und Inhaber von Wasserversorgungsanlagen für die Trinkwasserqualität verantwortlich. Diese müssen auch im Falle einer festgestellten Verunreinigung die Ursachen suchen und beseitigen. Die Zuständigkeit der Wasserversorger endet allerdings mit der Übergabe ins Haus. Ab da liegt die Verantwortung beim Besitzer. Probleme, wie früher bei Bleileitungen, gebe es heute kaum noch, sagt dazu das Gesundheitsamt.

Aktuell dagegen seien Legionellen. Gelangen diese Keime in die Leitung, können sie sich im warmen Wasser vermehren und beim Einatmen Fieber oder Lungenentzündungen auslösen. Deshalb müssen in gewerblich oder öffentlich genutzten Hausinstallationen regelmäßig Untersuchungen vorgenommen werden. Das betrifft Installationen, bei denen es zu Vernebelung von warmem Wasser kommt und deren Trinkwassererwärmer mehr als 400 Liter oder eine Rohrleitung mit mehr als drei Liter Inhalt hat.

Wird der festgelegte Wert von 100 koloniebildenden Einheiten (KBE) Legionellen pro 100 Milliliter Wasser überschritten, muss dies an das Gesundheitsamt gemeldet werden. „Jeder kann mithelfen, einer Vermehrung der Legionellen in der Hausinstallation vorzubeugen“, sagt Nikolaus Brunner und erklärt: Regelmäßig warmes und kaltes Wasser aus allen im Haus vorhandenen Wasserhähnen laufen lassen, damit das Wasser in den Leitungen nicht zu lange steht, und die Temperatur am Warmwasseraustritt auf stets über 60 Grad einstellen.

Informationen im Internet: www.bodenseekreis.de