Das Naturschutzzentrum im ehemaligen Bahnhofsgebäude der kleinen Bodenseegemeinde Eriskirch ist für Ines Evermann und Magdalena Bucher ein Jahr lang Arbeitsplatz und Wohnort in einem. Die beiden jungen Frauen absolvieren hier, am Rande des Naturschutzgebiets Eriskircher Ried, nach ihrer Schulzeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ).

Magdalena Bucher möchte das FÖJ zur beruflichen Orientierung nutzen

Magdalena Bucher wollte nach dem Abitur nicht gleich wieder lernen oder studieren. "Naturwissenschaften haben mich schon immer interessiert und ich bin auch gern draußen in der Natur, zum Beispiel beim Wandern. So bin ich aufs FÖJ gekommen", erzählt die 20-Jährige von ihrer Motivation. Das FÖJ möchte sie vor allem für die berufliche Orientierung nutzen. Ein freiwilliger Auslandsdienst, zum Beispiel über das Programm "Weltwärts", wäre ihr zu weit weg vom heimischen Amtzell im Allgäu gewesen, erzählt sie: "Jetzt bin ich zwar ausgezogen, kann am Wochenende aber trotzdem nach Hause zu meiner Familie."

Die 20-jährige Magdalena Bucher absolviert im Naturschutzzentrum Eriskirch ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Die Zeit zwischen Abitur und Studium möchte sie dazu nutzen, sich beruflich zu orientieren und Erfahrungen zu sammeln, erzählt sie.
Die 20-jährige Magdalena Bucher absolviert im Naturschutzzentrum Eriskirch ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Die Zeit zwischen Abitur und Studium möchte sie dazu nutzen, sich beruflich zu orientieren und Erfahrungen zu sammeln, erzählt sie. | Bild: Claudia Wörner

Für Ines Evermann fällt durch das FÖJ die 13. Klasse am beruflichen Gymnasium weg

Ines Evermann hat zusammen mit Magdalena Bucher im September im Naturschutzzentrum Eriskirch ihr FÖJ begonnen. Die Beiden teilen sich die Wohnung unter dem Dach des alten Bahnhofsgebäudes. "Ich sparte mir durch das FÖJ die 13. Klasse am beruflichen Gymnasium und habe nach einem Jahr trotzdem das Fachabitur", erzählt Ines Evermann. Die 18-jährige Offenburgerin sagt, sie könne sich im Moment gut vorstellen, im Anschluss erst mal zu jobben, um Geld zu verdienen. Und bevor sie sich für eine Berufsausbildung entscheide, wolle sie entweder in Südostasien oder in Südamerika auf Reisen gehen.

Die 18-jährige Ines Evermann steht vor einem Modell des Bodensees im Naturschutzzentrum Eriskirch. Zu ihren Aufgaben während des Freiwilligen Ökologischen Jahrs gehört es, Schulkindern bei Führungen zu erklären, welche Besonderheiten es im Eriskircher Ried gibt.
Die 18-jährige Ines Evermann steht vor einem Modell des Bodensees im Naturschutzzentrum Eriskirch. Zu ihren Aufgaben während des Freiwilligen Ökologischen Jahrs gehört es, Schulkindern bei Führungen zu erklären, welche Besonderheiten es im Eriskircher Ried gibt. | Bild: Claudia Wörner

Abwechslungsreiche Aufgaben

82 Stellen in ganz Baden-Württemberg bietet die Landeszentrale für politische Bildung, bei der sich Ines Evermann und Magdalena Bucher für ihr FÖJ im Naturschutzzentrum Eriskirch beworben haben. Die Stellen haben unterschiedliche Schwerpunkte: Die Auswahl reicht von eher körperlicher Arbeit in der Landwirtschaft über Landschaftspflege in Naturschutzgebieten bis hin zur Büroarbeit am Schreibtisch. Magdalena Bucher ist mit ihrer Wahl zufrieden: "Hier in Eriskirch ist toll, dass die Arbeit so abwechslungsreich ist", sagt sie. Gemeinsam mit Ines Evermann betreut sie die Ausstellung im Naturschutzzentrum, beantwortet Fragen der Besucher und übernimmt Führungen.

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Eine familiäre Atmosphäre im Team ist den jungen Frauen wichtig

"Es macht viel Spaß, wenn wir Grundschulkindern die Natur näherbringen können", erzählt die 20-Jährige weiter. Zu ihrer Arbeit gehöre aber auch, Tümpel von Schilfbewuchs zu befreien, Plakate in Informationskästen zu hängen oder das Aquarium zu putzen. Wie die beiden jungen Frauen erzählen, ist für sie vor allem die familiäre Atmosphäre in dem kleinen Team wichtig. Für ihre Arbeit erhalten sie ein Taschengeld, Verpflegungsgeld und die mietfreie Unterkunft in der Wohnung. 26 Tage Urlaub sind vereinbart.

Seminare ergänzen Arbeit im Naturschutzzentrum

Ines Evermann und Magdalena Bucher sind nicht nur im Naturschutzzentrum im Einsatz. Zum ökologischen Bildungsjahr gehören fünf Seminarwochen mit Teilnehmern aus ganz Deutschland. Politische und gesellschaftliche Themen stehen ebenso auf dem Plan wie beispielsweise Wasser, Landwirtschaft, Klimawandel, Welternährung und Recycling. "Hier kommt man mit Themen in Berührung, mit denen man sich sonst gar nicht beschäftigen würde", erzählt Ines Evermann. Zu überlegen, was man mit Blick auf Ökologie und Klimaschutz selbst verändern könne, bringe sie persönlich weiter. Was sie außerdem schätzt: "Inzwischen hat sich eine richtig gute Gemeinschaft gebildet." Sei sie anfangs an den Wochenenden allein in Eriskirch gewesen, kenne sie nun Gleichgesinnte in ganz Deutschland, mit denen sie sich regelmäßig treffe.

Hilfe bei Studienwahl

Nach einem guten halben Jahr ist sich Magdalena Bucher recht sicher, dass sie im Anschluss an das FÖJ gern studieren möchte. "Am liebsten würde ich die Naturwissenschaft mit der Pädagogik verbinden." Das FÖJ habe sie selbstständiger gemacht und gebe ihr die Gelegenheit, ganz andere Erfahrungen zu sammeln als während der Schulzeit, ist sie überzeugt.

Angebote für die Zeit zwischen Schule und Studium oder Ausbildung

  • Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) ist ein Dienst im sozialen Bereich für Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre. Die Tätigkeitsfelder liegen im sozial-karitativen oder gemeinnützigen Bereich, außerdem in den Bereichen Sport, Denkmalpflege, Politik und Kultur. Die Höhe des Taschengeldes ist von Träger zu Träger unterschiedlich. Hinzu kommen Verpflegung, Unterkunft und Fahrtkostenerstattung. Die Teilnahme an Seminaren ist Pflicht. Die Arbeitszeit beträgt in der Regel 39 Wochenstunden. Bewerber wenden sich direkt an eine anerkannte Einsatzstelle.
  • Das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) absolvieren junge Erwachsene in gemeinnützigen Einrichtungen mit dem Schwerpunkt auf Naturschutz, Umweltschutz, -bildung oder -forschung. Die Arbeitsbereiche liegen zum Beispiel im Gartenbau, in der Landwirtschaft oder in Naturschutzzentren. In fünf Seminaren werden ökologische Themen behandelt, etwa Globalisierung oder Nachhaltigkeit. Träger des FÖJ ist die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.
  • Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) wurde als Ersatz für den Zivildienst geschaffen und hat keine Altersbegrenzung. Die Teilnehmer engagieren sich für das Allgemeinwohl in sozialen, ökologischen und kulturellen Bereichen, im Sport, in der Integration sowie im Zivil- und Katastrophenschutz. Jährlich 25 Seminartage gehören dazu. Der BFD dauert in der Regel zwölf Monate, in Sonderprojekten zwischen sechs und 24 Monaten. Wer einen BFD absolviert, erhält maximal 390 Euro Taschengeld im Monat sowie Verpflegung und Unterkunft.
  • Weltwärts ist der entwicklungspolitische Freiwilligendienst des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Das Programm richtet sich an Menschen im Alter von 18 bis 28 Jahren. Die Dauer des Dienstes im Entwicklungsland liegt zwischen sechs und 24 Monaten. In der Regel übernimmt der Staat drei Viertel der Gesamtausgaben, jedoch nicht mehr als 652 Euro pro Monat plus die Kosten für die Gesundheitsvorsorge. 25 Prozent der Ausgaben bestreitet die Entsendeorganisation, bei der sich Interessierte direkt bewerben.

Informationen im Internet:
www.bundes-freiwilligendienst.de oder
www.weltwaerts.de