Rund 50 Schüler überlegten bei der zweiten Jugendkonferenz im Bodenseekreis, wie die Region attraktiver werden kann. In mehreren Gruppen erarbeiteten sie am Freitag Vorschläge zu Themen wie Verkehr, Umwelt, Jugend und Bildung. Auch Landrat Lothar Wölfle sowie Politiker aus der Region kamen in den Theatersaal des Markdorfer Bildungszentrums und hörten sich die Wünsche der jungen Menschen an.

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Wölfle: Nachtbusangebot Ergebnis der letzten Jugendkonferenz

Wölfle sagte: "Die letzte Jugendkonferenz 2015 hat dazu geführt, dass es an Wochenenden mittlerweile ein verbessertes Nachtbusangebot gibt, das wir jährlich mit rund 150 000 Euro unterstützen." Damals sei kritisiert worden, dass es nach dem Feiern an Freitagen und Samstagen keine späten Busverbindungen gebe. Der Landrat erklärte, er erhoffe sich auch dieses Mal, dass einige der Vorschläge umgesetzt werden können: "Wie schon Goethe gesagt hat, hängt das Leben von Leuten unter 25 Jahren ab."

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Schüler wollen Jugendgemeinderäte

Bei der Jugendkonferenz am Freitag wünschten sich die Schüler, so war es vermehrt zu hören, vor allem einen Jugendgemeinderat. Georg Riedmann, Bürgermeister in Markdorf, begrüßte die Idee. "Ich bin sehr offen dafür", sagte er, fügte aber an: "Ich kann einen Jugendgemeinderat nicht gründen, das müsst ihr machen."

Bürgermeister fordern Jugendliche auf, auf sie zuzukommen

Genau wie Johannes Henne, Verwaltungschef in Immenstaad, riet Riedmann den Jugendlichen dazu, aktiv auf Politiker zuzugehen. Henne: "Wir brauchen euch, also traut euch, uns anzusprechen. Wir haben ein offenes Ohr." Dass es jungen Menschen oft schwerfällt, genau das zu tun, machte die Aussage des 17-jährigen David Jung deutlich: "Wir sind oft ängstlich und trauen uns nicht."

Landrat wirbt für Wahlbeteiligung der Jungwähler

Landrat Lothar Wölfle nutzte die Gelegenheit, um die Schüler ab 16 Jahren bei der Jugendkonferenz auf die bald anstehenden Kommunalwahlen aufmerksam zu machen. "Es ist die direkteste Form der Politik, um etwas zu bewegen. Macht am Sonntag, 26. Mai, euer Kreuz", lautete sein Wunsch an die Jungwähler.

Gruppe 1: "Auch später abends sicher heimkommen"

In der Gruppe um die beiden Schüler Ryan Rumme (16 Jahre; links) und Fabienne Nejad (16 Jahre) stehen Mobilität und Verkehr im Mittelpunkt.
In der Gruppe um die beiden Schüler Ryan Rumme (16 Jahre; links) und Fabienne Nejad (16 Jahre) stehen Mobilität und Verkehr im Mittelpunkt. | Bild: Julian Singler

Einerseits möchten die Schüler dieser Arbeitsgruppe die bestehenden Nachtbusse und den öffentlichen Personennahverkehr nach 20 Uhr stärken, andererseits die öffentlichen Verbindungen tagsüber verbessern. Auch der Zustand der Radwege ist dieser Gruppe wichtig. "Wir möchten dafür sorgen, dass Jugendliche auch an späteren Veranstaltungen noch teilnehmen können, dann aber trotzdem sicher nach Hause kommen", sagt die 16-jährige Fabienne Nejad, die im Überlinger Jugendgemeinderat sitzt. Bedarf herrscht nach Meinung der Schüler vor allem in den kleineren Orten, nicht unbedingt in größeren Städten.

Gruppe 2: "Solarpanels an öffentlichen Bauten"

Die Themen Umwelt und Innovation werden in der Gruppe von (von links) Espen Rechtsteiner (17 Jahre), Jessica Moser (17 Jahre) und Patrick Hartl (18 Jahre) diskutiert.
Die Themen Umwelt und Innovation werden in der Gruppe von (von links) Espen Rechtsteiner (17 Jahre), Jessica Moser (17 Jahre) und Patrick Hartl (18 Jahre) diskutiert. | Bild: Julian Singler

Die Themen Konsum und erneuerbare Energien sind dieser Gruppe wichtig. "Wir schlagen vor, an allen öffentlichen Gebäuden, wie Schulen und Verwaltung, Solarpanels anzubringen", sagt der 17-jährige Espen Rechtsteiner. Die Schüler fordern klimaneutrale Maßnahmen. Außerdem ist dieser Arbeitsgruppe ein umweltfreundlicher Konsum wichtig. Dafür seien mehr wiederverwendbare Verpackungen nötig und auch das "unverpackte Leben" müsse gefördert werden. "Wir alle müssen für eine Veränderung sorgen, aber die Politik kann mit ihrer Macht Druck auf Konzerne und Discounter ausüben", meint eine Schülerin.

Gruppe 3: "Jugendparlament auf Kreisebene"

Über Jugendbeteiligung diskutieren unter anderem (von links) Luca Wolfrum (15 Jahre), Benjamin Kostenbäder (16), Tim Karstens (17) und Mamadou Diallo (19 Jahre).
Über Jugendbeteiligung diskutieren unter anderem (von links) Luca Wolfrum (15 Jahre), Benjamin Kostenbäder (16), Tim Karstens (17) und Mamadou Diallo (19 Jahre). | Bild: Julian Singler

"Es gibt zwar Jugendparlamente, zum Beispiel in Friedrichshafen, aber nichts auf Kreisebene. Das wollen wir ändern", sagt Luca Wolfrum (15 Jahre). Ziel sei es, zum Sprachrohr der Jugend zu werden und gemeinsam etwas zu bewegen. Der Schüler ergänzt: "Die Aufgabe eines solchen Kreisjugendrates könnte beispielsweise die Planung und Organisation der Jugendkonferenz sein." Weiterhin könne der Rat eine gute Möglichkeit für Politiker sein, um an junge Menschen herantreten zu können. Gemeinsam könne dann über politische Themen und mögliche Verbesserungen diskutiert werden.

Gruppe 4: "Schule mit neuen Lernmethoden"

Victor Kliewer (16 Jahre; von links), David Jung (17 Jahre) und Philipp Ott (16 Jahre) setzen sich in ihrer Gruppe mit dem Thema Bildung auseinander.
Victor Kliewer (16 Jahre; von links), David Jung (17 Jahre) und Philipp Ott (16 Jahre) setzen sich in ihrer Gruppe mit dem Thema Bildung auseinander. | Bild: Julian Singler

Wie Bildung in Zukunft aussieht, treibt diese Gruppe um. "Wir wollen der Politik näherbringen, wie die Jugend die Bildung sieht. Zum einen schlagen wir einen individualisierten Bildungsplan vor", erläutert der 17-jährige David Jung, der Mitglied des Jugendgemeinderates in Überlingen ist. Des Weiteren wünschen sich die Schüler mehr politische Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen, um das Politikinteresse der jungen Erwachsenen zu wecken. "Der Unterricht sollte zudem abwechslungsreicher und mit neuen Lernmethoden gestaltet werden. Die moderne Technik muss von den Lehrern besser genutzt werden", fordert Jung.