Was sind die Vorteile beim Kauf von Kinder-Secondhand gegenüber dem Neukauf von Kleidung?

Secondhand-Bekleidung ist preiswerter als Neue. Sie ist also auch aus dem ökonomischen Blickwinkel nachhaltig. Außerdem können Fehlkäufe oder zu klein gewordene Bekleidung für etwa dasselbe Geld wieder weiterverkauft werden. Es finden sich keine Schadstoffe mehr in den Textilien, weil diese (falls sie vorhanden waren) schon ausgewaschen sind. Beim Online-Neukauf kann die Haptik der Materialien sowie deren Passform nicht begutachtet werden und es fallen große Transportwege bei der Lieferung und eventuell Rücksendung an. Beim Secondhand-Kauf hingegen findet man meist eine große Menge an passender Bekleidung, die direkt begutachtet und eventuell anprobiert werden kann. Außerdem bieten sich die oben genannten Vorteile. Secondhand-Bekleidung schont zudem die Umwelt, da auf neu produzierte Bekleidung verzichtet wird. Wird also Vorhandenes länger genutzt, muss weniger Neues produziert werden und Kleidung wird weiter genutzt, anstatt sie zu einfach entsorgen, dass heißt auch weniger umweltbelastender Anbau von Rohstoffen, weniger Chemikalien, die in Umwelt und Gewässer gelangen, weniger Transportwege rund um die Welt, et cetera.

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Warum ist diese Form nachhaltiger Kinderkleidung in Ihren Augen sinnvoll?

Kinder wachsen sehr schnell und tragen ihre Kleidung meist nicht, bis diese zur Verschleißgrenze kommen, sondern nur, bis sie nicht mehr passen. Einem anderen Kind kann das Kleidungsstück dann noch gute Dienste leisten. Der Kauf von Secondhand-Bekleidung bedeutet, der Umwelt gegenüber Wertschätzung zu zeigen, denn unser Textilkonsum stellt einen der größten Faktoren für Umweltverschmutzung dar. Textilien, die bei uns nicht mehr getragen werden, landen zum Großteil im Müll oder aber im Ausland, das mittlerweile in „Altkleidung“ untergeht. Der Konsum der Gesellschaft muss sich aufgrund der massiven Umweltverschmutzung dringend verändern. Kleine Kinder legen keinen großen Wert auf die coolsten, neusten Markenklamotten. Das sind die Eltern, ihr Umfeld und vor allem die Medien, die dann im Laufe der Zeit dem Kind vermitteln, was getragen werden muss. Wenn jedoch nachhaltiger Konsum zur Mode wird, kann dauerhaft etwas verändert werden.

Gibt es in Ihren Augen einen neuen Trend Richtung nachhaltiger Kleidung, falls ja, warum?

Klare Trends sind immer mehr Flohmärkte speziell für Bekleidung, Upcycling, „Do it yourself“ – Kreativ werden und Kindermode nähen – und mehr nachhaltig Produziertes in den Läden. Das Thema der Nachhaltigkeit, des Umwelt- und Klimaschutzes rückt immer mehr in den gesellschaftlichen Fokus. Als positive Folge findet man immer häufiger nachhaltig produzierte Produkte oder kreativ selbst hergestelltes aus „Altem“ sowie aus nachhaltigen Materialien, das auf Märkten angeboten wird. Auch Märkte speziell für Secondhand-Bekleidung sind immer mehr im Kommen. Die einzelnen Menschen, wie aber auch die Unternehmen scheinen langsam aufzuwachen. Man findet zum Beispiel immer häufiger GOTS-Zertifizierte Bekleidung in den Läden, sogar oft im Discounter. In Stoffländen sieht man Stoffe, die nachhaltig produziert sind und/oder sogar regional produziert werden – zum Beispiel Albstoffe aus Albstadt, EcoVero oder Lyocell der Firma Lenzing aus Österreich – und auch auf großen Märkten, wie zum Beispiel dem Kulturufer, finden sich einige Stände für nachhaltig produzierte Bekleidung.

Welche Kriterien von Nachhaltigkeit erfüllt Secondhand-Kleidung? Gibt es auch Nachteile?

Der Begriff der Nachhaltigkeit umfasst die drei Bereiche der ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit. Secondhand-Bekleidung bietet Vorteile in jedem Bereich. Da ist zum einen der soziale Aspekt: Kauft man in Secondhandgeschäften von sozialen Organisationen, gehen meist Großteile der Einnahmen an soziale Hilfsorganisationen. Unter dem ökonomischen Aspekt versteht man die preiswerte Anschaffung der Kleider – ein klarer Vorteil für den einzelnen Konsumenten. Der Secondhandbereich bietet jedoch noch weitreichendere wirtschaftliche Vorteile. Der ökologische Aspekt ist schnell ersichtlich. Secondhand-Kleidung produziert zum einen weniger Müll. Zum anderen verringert sich der Ressourcen- und Chemikalien-Einsatz sowie der CO2-Ausstoß, da weniger neue Bekleidung produziert und transportiert wird. Als kleinen Nachteil kann man sehen, dass beim Einkauf von Secondhand-Bekleidung größtenteils nicht auch noch darauf geachtet wird, dass die Textilien zu Beginn nachhaltig produziert wurden. Schließlich kann nur das gekauft werden, was im Laden oder auf dem Flohmarkt angeboten wird. Dennoch stellt es eine sehr nachhaltige Form des Textilkonsums dar, da auf neu produzierte Kleidung verzichtet wird, Vorhandenes im Umlauf bleibt und keinen Müll produziert.

Fragen: Nicole Burkhart

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