Arbeiten in einem Betrieb mindestens fünf Menschen mit Schwerbehinderung oder ihnen Gleichgestellte, hat eine gewählte Schwerbehindertenvertretung ihre besonderen Interessen im Blick. Josef Keßler aus Meckenbeuren war in dieser Position jahrelang Schwerbehindertenvertreter bei der St.-Lukas-Klinik in Liebenau und baute seit 2012 das Schwerbehinderten-Netzwerk Oberschwaben-Bodensee (Snobo) auf.

Mitarbeiter mit Behinderung haben viele Fragen

Regelmäßig erkundigen sich Mitarbeiter mit Behinderung aus den unterschiedlichsten Firmen, wenn sie beispielsweise Fragen zum betrieblichen Eingliederungsmanagement, zum Bundesteilhabegesetz oder zur Versorgungsverordnung haben. Für Menschen mit Handicap könne es künftig schwieriger werden, einen adäquaten Grad der Behinderung anerkannt zu bekommen, befürchtet Keßler. „Was heute noch einem Behinderungsgrad von 50 Prozent entspricht, kann künftig gegen Null tendieren.“

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Hilfe bei Planung von Rathaus-Umbau

Helfen konnte der Snobo-Leiter, als es um den behindertengerechten Umbau eines Rathauses ging, bei dem der Umzug einer Mitarbeiterin mit Behinderung in ein anderes Büro überlegt wurde. „Wir überprüften die Pläne hinsichtlich ihrer Barrierefreiheit, glichen sie mit den Anliegen der Betroffenen ab und schauten uns verschiedene Alternativen an, sodass wir zu einer guten Lösung kamen.“

Auch Unternehmen suchen Beratung

Auch Unternehmen würden sich an Snobo wenden, zum Beispiel wenn es um Einstellungen oder Entlassungen Schwerbehinderter gehe.

Kontakt zu Politikern fast aller Parteien

Seit eineinhalb Jahren ist Keßler im Ruhestand. „Auch als Rentner möchte ich die Snobo-Ziele weiter unterstützen.“ Dabei helfen ihm seine Kontakte zu Politikern fast aller Parteien, die er mit Hilfe der ehemaligen Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Verena Bentele, knüpfen konnte. Zu Snobo-Schulungen im Liebenauer Schloss kommen regelmäßig Schwerbehindertenvertreter aus dem ganzen Bundesgebiet. Rund 800 hat Keßler im Verteiler des Netzwerks. „Auch unsere Infos von Verbänden und aus der Politik verteilen wir bundesweit.“

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Engen Kontakt pflegt Keßler auch zum baden-württembergischen Minister für Justiz und Europaangelegenheiten, Guido Wolf. Beim jüngsten Treffen habe dieser versichert, dass die geplante Veränderung der Einstufungen und eine neue Bewertungsberechnung bei der Versorgungsmedizinverordnung vermutlich nicht oder nur in abgeschwächter Form komme, berichtet Keßler zufrieden.

29 000 Unterschriften für Petition

Zuvor hätten Verbände und Schwerbehindertenvertretungen aus ganz Deutschland ihren Widerstand zum Ausdruck gebracht. „Snobo beteiligte sich daran und war durch das Ministerium in Berlin miteinbezogen“, informiert der Leiter. Einer kleinen Gruppe von Schwerbehindertenvertretern sei es gelungen, fast 29 000 Unterschriften für eine Petition zu sammeln.

Ziel: Bei Gesetzesänderungen gehört werden

„Eines unserer Ziele ist, dass wir gehört werden, wenn gesetzliche Veränderungen angedacht werden“, sagt der Snobo-Leiter. Wichtig sei die Arbeit des Netzwerks vor allem, da die Interessen der Schwerbehinderten gern mal vergessen würden. „Dabei spielen oft auch wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle“, weiß Keßler. Snobo habe mehr die menschliche Seite im Blick.