Schon wieder wurde ein Wahlplakat der Grünen in Kressbronn mit den Worten „Volksverräter“ überklebt. Erst am Sonntag waren zwei Plakate verunstaltet worden – die Worte „Kinderschänder“ und „Volksverräter“ standen auf Klebestreifen, die Unbekannte quer über die großformatigen Wahlanzeigen geklebt hatten.

Heute Morgen entdeckte Sabine Witzigmann von den Kressbronner Grünen die erneute Tat, wieder an dem Plakat, das prominent zwischen Aral-Tankstelle und Kretzerhetzer-Kreisel auf einer Wiese steht. Mittlerweile hat die Kriminalpolizei in Friedrichshafen den eigenartigen Fall übernommen, der viele Fragen aufwirft. Auch der Verfassungsschutz wurde über die Vorgänge in Kressbronn informiert, da es sich um politisch motivierte Sachbeschädigung handelt.

„Einen solchen Kriminalfall hatten wir bisher noch nicht. In ganz Baden-Württemberg gibt es keinen vergleichbaren Vorgang“, erläutert Bernhard Günther von der Kripo. Denn die Art und Weise, wie die Täter vorgehen, ist ungewöhnlich. Nach einem Tatortbesuch ist sich die Kripo sicher: Die Klebebanner wurden hochprofessionell hergestellt. „Es handelt sich um weiße Klebefolie, die mit 20 Zentimeter großen schwarzen Buchstaben bedruckt ist. Insgesamt ist das Banner 2 Meter lang und 30 Zentimeter breit“, so Kripo-Mann Günther. „So etwas können Sie nicht zuhause selbst herstellen“, ergänzt er. Daher fahnden die Beamten nun nach einer Druckfirma, die die Banner hergestellt haben könnte. „Natürlich kann man so etwas auch im Internet bestellen“, bestätigt Günther.

Dass dies keiner der üblichen „Dummen-Jungen-Streiche“, ist, die sonst oft in Wahlkampfzeiten vorkommen, ist mittlerweile klar. Nach Angaben der Polizei werden „normalerweise“ mit Edding oder Sprayflaschen Wahlplakate übermalt. Mal bekommt dann Angela Merkel mal ein Hitler-Bärtchen angemalt, mal ein SPD-Kandidat Schweineohren oder AfD-Slogans werden übersprayt. „Das hier hat ganz andere Dimensionen. Das ist eine politisch motivierte Sachbeschädigung, die offenbar mit krimineller Energie vorbereitet wurde“, so Bernhard Günther. Die sicher gestellten Klebestreifen sind nun bei der Spurensicherung und sollen nach Fingerabdrücken und DNA-Spuren untersucht werden. „Es wird einige Tage dauern, bis wir ein Ergebnis haben“, erläutert der Beamte. Bisher ist für die Polizei nicht ersichtlich, aus welcher politischen Ecke die Tat kommen könnte. Dass Plakate der Grünen verschandelt werden, ist für die Polizei ungewöhnlich. „Normalerweise stehen AfD-Banner im Fokus“, so Günther.
 

Wie schon am Montag ist das Entsetzen bei den Grünen groß. Sabine Witzigmann vom Kressbronner Ortsverband informierte erneut die Polizei. „Wir sind sprachlos – das alles ist einfach eine Unverschämtheit“, findet Sabine Witzigmann. Martin Hahn, Landtagsabgeordneter des Wahlkreises Bodensee, verurteilte den erneuten Versuch, die grüne Wahlwerbung zu torpedieren. "Für mich ist das die unterste Sorte der Auseinandersetzung. Ich stelle mich gerne der Diskussion, aber so etwas finde ich einfach unglaublich", so Hahn.