Bodenseekreis/Konstanz/Kreuzlingen – Die grenzübergreifende Initiative Bodensee-S-Bahn wird nicht müde, beharrlich für den Ausbau des Schienenverkehrs zu kämpfen. Gebetsmühlenartig rechnet der in Kreuzlingen ansässige Verein vor, welch enorme Entlastung ein Ausbau rund um den See, insbesondere der deutschen Nadelöhre, für die Straßen und die Städte bringen könnte. Doch es bewegt sich nichts.

Auch auf den Entwurf des neuesten Bundesverkehrswegeplans 2030 reagierte die Initiative vor Kurzem mit einem Antrag zur Aufnahme von drei Schienenprojekten in den vordringlichen Bedarf, um die vorhandenen Engpässe zu beseitigen. Selbst der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben hatte sich bei aller Euphorie für die wohlwollende Berücksichtigung der Straßenbauvorhaben verwundert gezeigt, dass der Ausbau der Bodenseegürtelbahn in seiner großräumigen Bedeutung nicht erkannt worden sei und als Nahverkehr gesehen werde, für den der Bund nicht zuständig sei.

Massiver kritisiert die S-Bahn-Initiative die Priorisierung der vordringlichen Projekte bis 2030 in Berlin. "Statt wirksame, kostengünstige und umweltverträgliche Vorschläge für den Schienenverkehr zu machen", klagt der Verein, "präsentiert der Plan in der Bodenseeregion vor allem autobahnähnliche Fernstraßenprojekte für über 900 Millionen Euro." Der Aufforderung des Bundesverkehrsministers kam die Initiative daher gerne nach. "Bürger können erstmals am Bundesverkehrswegeplan mitwirken", wirbt Alexander Dobrindt auf der Internetseite seines Ministeriums. Das versuchten die Befürworter des Schienenverkehrs mit ihrem Antrag gleich bei drei Projekten.

Neben dem Ausbau von Bodenseegürtelbahn und Hochrheinbahn zwischen Lindau und Basel, fordern sie eine Ertüchtigung der Allgäubahn zwischen Lindau und München und der Gäubahn zwischen Stuttgart und Singen an bestehenden eingleisigen Engpässen.

Bestes Beispiel ist für die Initiative der Abschnitt zwischen Radolfzell und Friedrichshafen, die mit drei Zügen pro Stunde "praktisch voll ausgelastet" sei. Auf einer zweigleisigen Bahnstrecke könnten hingegen "bis zu 60 Züge" pro Stunde fahren, erklären die S-Bahn-Befürworter. Dies entspreche der Beförderungsleistung einer sechsspurigen Autobahn. Die angeblich fehlende Relevanz für den Fernverkehr sei keineswegs stichhaltig. "Denn zum einen verkehren auf diesen Strecken auch gut ausgelastete IRE-Züge über Distanzen von bis zu 300 Kilometern", betont die Initiative. "Zum anderen ist der Bund laut Bundesschienenausbaugesetz auch für die Nahverkehrsstrecken zuständig, die die sich im Eigentum der DB befinden."

Bei der Bereitstellung der Finanzmittel für die Schiene sollte sich die Bundesregierung an den Nachbarstaaten Österreich und Schweiz orientieren, raten die Kritiker. Seit Jahrzehnten lägen dort die Investitionen pro Einwohner um ein Mehrfaches höher als in Deutschland. Ulrich Bauer aus Wangen und die beiden Schweizer Wolfgang Schreier und Paul Stopper verweisen als Sprecher der Initiative auf die unterschiedlichen Finanzierungskonzepte für den ÖPNV. So hatte die Schweiz im Jahr 2010 pro Kopf 308 Euro für die Schieneninfrastruktur aufgewandt, in Österreich waren es 230 Euro. Deutschland beschränke sich indessen auf 53 Euro. Von nichts kommt nichts.

Nicht nur aus Klimaschutzgründen sei ein Umdenken dringlich, betont der Verein. Auch um die dicht besiedelte Bodenseeregion attraktiv und lebenswert zu erhalten, gelte es "die legendäre Schwäbische Eisenbahn dringend auf den heutigen Stand der Technik zu bringen: als effizientes, komfortables, leistungsfähiges, schnelles, umweltschonendes und zuverlässiges Verkehrsmittel für die Zukunft."

Bodensee-S-Bahn

Die Initiative Bodensee-S-Bahn wurde 2004 als Interessengemeinschaft von Fahrgast-, Umwelt- und Verkehrsverbänden gegründet. Beteiligt waren:

  • der VCS Verkehrsclub der Schweiz mit den Ostschweizer Sektionen Thurgau, St. Gallen – Appenzell und Graubünden
  • der Verkehrsclub Deutschland (VCD), Landesverband Baden-Württemberg
  • Pro Bahn Landesverband Bayern, Regionalgruppe Schwaben
  • Pro Bahn Schweiz, Sektion Ostschweiz
  • Pro Bahn Vorarlberg
  • Seit 2010 ist die Initiative als Verein nach schweizerischem Recht organisiert und setzt sich über öffentliche Medien und Veranstaltungen für eine grenzüberschreitende Verkehrsplanung in der Euregio Bodensee ein. Dazu erarbeitet sie ein Konzept zur Etablierung einer internationalen Bodensee-S-Bahn mit Anschlüssen in die angrenzenden Ballungszentren. Hierfür steht sie in Kontakt mit politischen Entscheidungsträgern, Kommunen, Landkreisen, Kantonen und Bundesländern sowie mit den Bahngesellschaften.
Informationen im Internet:www.bodensee-s-bahn.org