Der Weg bis zum Ausbau und Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn wird ein weiter sein. Das Beispiel Südbahn gibt darauf einen Fingerzeig. Immerhin haben nun auch für die Bodenseegürtelbahn die Vorplanungen der Phasen I und II begonnen, an deren Ende ein Konzept und eine grobe Kostenschätzung stehen.

Vorplanungen dauern wohl zwei Jahre

„Dieser erste Schritt wird voraussichtlich zwei Jahre dauern“, sagt Wilfried Franke, Direktor des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben, der zugleich Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Bodenseegürtelbahn (IG) ist und als Motor beider Projekte gelten kann. Wie lange es bis zur Umsetzung und damit zu einer Verbesserung des Nahverkehrs auf der Strecke dauern wird, wagt Franke nicht zu prognostizieren. Bis zum Vorliegen einer genehmigungsreifen Planung müsse man mit weiteren vier bis fünf Jahren rechnen, schätzt er grob. Die Realisierung selbst werde wohl auch noch zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen.

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Zwei vertragliche Vereinbarungen

Die erste Grundlage dafür habe die IG nun mit ihren zwei vertraglichen Vereinbarungen geschaffen. Zum einen mit der Deutschen Bahn/DB Netz AG, der DB Station & Service AG und der DB Energie GmbH als zuständige Eisenbahninfrastrukturunternehmen, zum anderen mit dem Verkehrsministerium des Landes Baden-Württemberg. Froh könne die IG sein, dass das Land sich zu einer freiwilligen Übernahme eines Viertels der Planungskosten bereit erklärt habe, die bei rund 3,8 Millionen Euro liegen. „Das ist keineswegs selbstverständlich“, betont Franke. Vor dem Hintergrund der aktuellen Bedarfsplanung sei die IG hier im Prinzip noch Bittsteller und die Beteiligung eine freiwillige Leistung des Landes.

Wilfried Franke, Direktor Regionalverband Bodensee-Oberschwaben: „Mir ist besonders wichtig, dass wir nach über 100 Jahren stetigen Rückbaus auf der Bodenseegürtelbahn jetzt endlich eine Vorwärtsstrategie haben.“
Wilfried Franke, Direktor Regionalverband Bodensee-Oberschwaben: „Mir ist besonders wichtig, dass wir nach über 100 Jahren stetigen Rückbaus auf der Bodenseegürtelbahn jetzt endlich eine Vorwärtsstrategie haben.“ | Bild: Kerstin Mommsen

Freude über Nachricht aus Berlin

Mit Freude habe die IG die Nachricht aus Berlin aufgenommen, „wonach der Bund die Maßnahme bereits als Merkposten mit 140 Millionen Euro in sein GVFG-Programm, sprich Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, aufgenommen hat.“ Auf dieser Grundlage teilten sich die Kosten für die späteren Baumaßnahmen folgendermaßen auf: 60 Prozent trägt der Bund, je 20 Prozent tragen das Land und die kommunale Ebene.

"Endlich eine Vorwärtsstrategie"

„Mir ist besonders wichtig“, betont Wilfried Franke, „dass wir nach über 100 Jahren stetigen Rückbaus auf der Bodenseegürtelbahn jetzt endlich eine Vorwärtsstrategie haben.“ In der IG sind neben dem Regionalverband und der IHK auch die beiden Landkreise Bodensee und Konstanz sowie alle Kommunen an der Bahnstrecke vertreten und unterstützen zumindest den Start der Planungen. Kritik war insbesondere aus Sipplingen gekommen, das auf eine Lösung ohne elektrische Oberleitungen hofft. „Wir sind froh, dass die Gemeinde dennoch der Interessengemeinschaft beigetreten ist“, sagt Wilfried Franke.

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Planung umfasst zwei Aspekte

Die Planung umfasst laut Franke schließlich zwei Aspekte. Dies ist zum einen der Ausbau der Schienenstrecken mit neuen Kreuzungspunkten und zusätzlichen zweigleisigen Bereichen für den Begegnungsverkehr. „Die brauchen wir ganz unabhängig von der künftigen Technik“, betont Wilfried Franke, denn schließlich wolle die ganze Region einen dichteren Takt erreichen, eine schnelle und eine langsame Verbindung jeweils im 60-Minuten-Takt. Dagegen hat auch keine Kommune etwas einzuwenden.

Die Bodenseegürtelbahn vor Sipplingen: Die Gemeinde will Oberleitungen vermeiden und hofft stattdessen auf Batteriezüge, die auf der Strecke zwischen Radolfzell und Uhldingen-Mühlhofen ihren zuvor aufgeladenen Stromspeicher nutzen. Bilder: Hanspeter Walter
Die Bodenseegürtelbahn vor Sipplingen: Die Gemeinde will Oberleitungen vermeiden und hofft stattdessen auf Batteriezüge, die auf der Strecke zwischen Radolfzell und Uhldingen-Mühlhofen ihren zuvor aufgeladenen Stromspeicher nutzen. Bilder: Hanspeter Walter

Keine Entscheidung vorweggenommen

Das zweite Element ist die eigentliche Elektrifizierung, bei der im Bodenseekreis vor allem die Gemeinde Sipplingen noch auf drahtlose Lösungen hofft. „Wir planen im Moment die Einrichtung eines Fahrdrahtes“, erklärt Franke dazu. Bis zur Umsetzung dauere es ja noch einige Jahre, dann wisse man möglicherweise auch mehr über verfügbare Techniken und könne fundierter entscheiden. Weglassen könne man die Verdrahtung immer noch, wenn sich geeignete Züge mit Batterie-, Brennstoffzellen- oder Hybridtechnik bewährten. „Technikfreaks sagen mir immer wieder, das sei alles gar kein Problem“, erklärt der Regionalverbandsdirektor. Doch bislang gebe es die Fahrzeuge noch nicht im regulären Betrieb. Mit den jetzigen Planungen werde jedoch keinerlei Entscheidung vorweggenommen.