Voraussichtlich bis zum 20. Dezember fahren aufgrund der Elektrifizierung und des Baus der neuen Brücke über die Argen keine Züge zwischen Friedrichshafen und Lindau. Alle Reisenden müssen deshalb auf Busse umsteigen. Fahrräder können in den Bussen nicht immer mitgenommen werden, motorbetriebene Rollstühle werden gar nicht transportiert.

Ralf Hoppe: „Leider nur ein Kompromiss“

Ralf Hoppe, Fahrgastbeirat des Verkehrsverbunds Bodo beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) in Friedrichshafen, erklärt: „Das, was wir jetzt haben, ist leider nur ein Kompromiss. Aber ohne den Einsatz und die Hartnäckigkeit von Bodo-Geschäftsführer Jürgen Löffler hätten wir wahrscheinlich nicht mal die Möglichkeit der Radmitnahme an den Wochenenden beim Schienenersatzverkehr (SEV) erreicht.“ Hoppe sieht, dass die Bahn derzeit vor etlichen Herausforderungen in Sachen SEV steht, da es in der Region auch noch SEV zwischen Laupheim und Ulm und im Allgäu gibt.

„Noch immer viele Radtouristen unterwegs“

„Es ist uns schon klar, dass da viele Busse gebraucht werden. Aber den Bahnverantwortlichen scheint nicht klar zu sein, dass gerade am Bodensee jetzt immer noch viele Radtouristen unterwegs sind“, kritisiert Hoppe. Dennoch sei man beim ADFC froh darüber, dass eine Radmitnahme immerhin an bestimmten Tagen möglich ist. Nach Auskunft der Bahn soll dies bei Bedarf auch über den 20. Oktober hinaus möglich sein. „Wir hätten uns aber gewünscht, dass die vielen Schüler und Pendler wenigstens am Morgen und an den Nachmittagen unter der Woche Räder mitnehmen könnten und die Pendler jetzt nicht gezwungen wären, teilweise auf Autos umzusteigen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Bahnsprecher: Fahrer können Räder zulassen, wenn Busse nicht zu voll sind

Bei der Bahn gibt man sich kompromissbereit. Nach Aussagen von Bahnsprechern soll eine Radmitnahme über den 20. Oktober hinaus möglich sein, wenn an den Wochenenden genug Bedarf dafür besteht. Außerdem seien die Busfahrer angehalten, Räder mitzunehmen, wenn die Busse nicht voll sind. Da die Räder an den Wochenenden in extra Fahrzeugen transportiert werden, sei das unter der Woche nicht möglich, da die Fahrzeiten sehr eng getaktet sind und die Busse ohnehin für die Strecke Friedrichshafen-Lindau rund 55 Minuten benötigen.

Bislang keine Beschwerden von Menschen mit Behinderung

Anders sieht es im Schienenersatzverkehr zwischen Friedrichshafen und Lindau für Menschen aus, die auf motorbetriebene Rollstühle angewiesen sind: Diese können nach Angaben der Bahn aus Platz- und Gewichtsgründen nicht in den Bussen mitgenommen werden. „Uns liegen keine Zahlen darüber vor, wie viele Menschen im Bodenseekreis motorbetriebene Rollstühle besitzen. Bei mir sind in Sachen SEV bislang keine Beschwerden eingegangen und es gab auch keine Nachfragen“, erklärt Dorothea Horn, Behindertenbeauftragte des Landkreises Bodenseekreis.

Ihrer Erfahrung nach können Betroffene unter gewissen Umständen aber auf angebotene Fahrdienste zurückgreifen. Zahlen darüber, wie viele Menschen im Bodenseekreis dauerhaft auf Rollstühle angewiesen sind, gibt es so nicht, da die unterschiedlichen Beeinträchtigungen nicht im Detail erfasst werden.