Der historische Ratskeller ist nun wieder zugänglich, das Nutzungskonzept wird demnächst bekannt gegeben. Bei einem Vorstellungstermin im Februar und während der Fastnacht konnte die Öffentlichkeit die Wirtschaft bereits wieder nutzen.

Auffällig auf den ersten Blick: Die Wandmalereien an den Seiten der Gewölbedecke fehlen. Diese seien irgendwann im Laufe der Jahrzehnte nachträglich angefertigt worden, erklärte Bernd Engesser vom Bauamt. Bei dem ersten Umbau in eine Wirtschaft hätte es die Malereien noch nicht gegeben.

Rund ein Jahr lang dauerte die komplette Sanierung des 1936 erstmals in eine Wirtschaft umgebauten ehemaligen Weinkellers des Rathauses. Etliche Voruntersuchungen und Gutachten auch seitens des Landesdenkmalamtes seien der Renovierung vorausgegangen, informierten Bauamtsmitarbeiter Bernd Engesser und Meersburgs Bürgermeister Robert Scherer anlässlich des „Tags der offenen Tür“ Mitte Februar.

Seit 2005 wurde das Restaurant nicht mehr verpachtet und nur noch sporadisch für Veranstaltungen genutzt. Engesser, der die Sanierungsarbeiten maßgeblich koordinierte, führte aus, dass der „Ausleger“, also das Wirtschaftsschild, noch fehlt. Auch seien einige Dekorationstücke, wie die alte Uhr mit Schnitzornamenten, noch nicht aufgehängt.

In enger Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbehörden ist es gelungen, das historische Ambiente zu erhalten und trotzdem alle Anforderungen an die Sicherheit zu erfüllen und die modernste Technik im Hintergrund unauffällig zu verbergen.

Sichtbar allerdings aus Sicherheitsgründen: Die Treppe bekam an der untersten Stufe einen Beleuchtung, um Unfallgefahren zu reduzieren. In den historischen Lampen stecken nun moderne Energiesparleuchten.

Hinter der restaurierten, dunkelbraunen Holzvertäfelung – dem Täfer, wie der Fachmann sagt – verlaufen unsichtbar die Stromkabel und das Lüftungssystem. „Eine gewaltige Lüftungsanlage musste verbaut werden“, erklärte Engesser, „da die meterdicken Außenwände eine ungewöhnlich hohe Durchnässung aufwiesen“. Die alten Gussleitungen des Ortskanals seien quer durch den Keller des Gebäudes gelaufen und mussten erneuert werden.

„Der komplette Boden musste raus, da die alten Rohre nur noch hauchdünn waren“, beschrieb er den vorherigen desolaten Zustand. Der Ratskeller ist in Zukunft auch barrierefrei zugänglich, ein Hublift für Rollstuhlfahrer und eine Behindertengerechte Toilette wurden eingebaut.

Aufgearbeitet wurden die alten Tische und Stühle, ebenso die Einrichtungsgegenstände aus Metall wie Lampen und Garderoben. Das Wappen der Stadt, die Zunftwappen und die Uhr werden wieder aufgehängt.

Kunstwerke ganz besonderer Art sind die historischen Fenster. Anhand der alten Kostenaufstellung des damaligen Architekten Erich van Meerendonk konnte Engesser darstellen, dass die Kosten für alle Fenster damals mit 865 Reichsmark beziffert wurden. Würde man sie heutzutage neu auf diese Art herstellen, müsste man 10 000 bis 15 000 Euro für ein Fenster veranschlagen.

Die Originale, die 1935 von Ernst Georg Haller in einer speziellen Schlifftechnik auf Glas ausgeführt wurden, zeigen zeitgenössische Persönlichkeiten wie Doktor Fritz Zimmermann und Bürgermeister Karl Moll. Ähnlich der Gravurtechnik habe Haller die Motive gegen das Licht aus dem farbigen Glas herausgearbeitet und dabei die Schichten in Zehntelmillimetern abgetragen, erklärte Fachrestaurator Andreas Dierig die Arbeitsweise des Konstanzer Künstlers. „Es handelt sich um eine Technik, die ich in dieser Dimension vorher noch nicht gesehen habe“, sagte Dierig.

Bis auf eins leuchten sie tiefrot. Das Zimmermann-Fenster ist in orange gehalten. „Das erste Fenster wurde im Krieg zerstört“, erklärte der Glaskünstler. „Nach dem Krieg hat Haller das ursprüngliche Glas nicht mehr herbekommen.“ Deshalb habe Haller auch auf eine andere Technik zurückgreifen müssen. „Hier handelt es sich um eine Wachsschicht zwischen zwei Gläsern“, erläuterte der Restaurator.

Im Laufe der Zeit wäre die äußere Scheibe dann aufgrund eines langjährigen Defekts schwarz angelaufen. Dierig hat diese ersetzt und das Kunstwerk wiederhergestellt. Erhalten geblieben sind fünf Originalfenster. Eines aus dem Nebenzimmer der Gaststube musste für den Abzug der Lüftungsanlage weichen. Es wurde mit einer Fläche aus rotem Glas vergrößert und ziert nun den Hauptraum.

Für ein fehlendes Fenster im Nebenzimmer, für das es keine Originalvorlage mehr gab, wurde eine Scheibe aus mundgeblasenem Farbglas von der Glashütte Lamberts gefertigt, erläuterte Dierigs Mitarbeiterin Susanne Hackenberg

Tradition Ratskeller

In Deutschland und im deutschsprachigen Raum haben Ratskeller eine lange Tradition. Als eine gastliche Stätte für die Bürgerschaft und fremde Besucher können viele Ratskeller auf eine mehrere hundert Jahre lange Geschichte zurückblicken.

Die Gastwirtschaften befinden sich vielerorts direkt im Ratsgebäude oder in unmittelbarer Nähe. Die Gaststätten stehen häufig im Eigentum der Gemeinden und sind verpachtet. Der Name Ratskeller oder auch Ratsklause stand früher auch für gutbürgerliche Küche zu fairen Preisen.