Nicht alle Lehrer können sich auf den Sommer freuen. Für manche beginnt eine Zeit der Ungewissheit mit schmalem Budget. So haben sich im Bereich der Geschäftsstelle Friedrichshafen der Arbeitsagentur Konstanz-Ravensburg mit Beginn der Sommerferien 26 Lehrer arbeitslos gemeldet. Im Bereich Überlingen waren es 35, die am letzten Schultag nicht nur in die Ferien, sondern auch in die Arbeitslosigkeit entlassen wurden.

Arbeitsagentur: "Können für die Lehrer eigentlich nichts tun"

Wie Pressesprecher Walter Nägele von der Arbeitsagentur erklärt, seien diese Zahlen zwar Schwankungen unterworfen, aber seit Jahren mehr oder weniger stabil. "Wir können für die Lehrer eigentlich nichts tun", sagt er. Denn für sechs Wochen seien sie nicht vermittelbar und die meisten von ihnen hätten bereits eine Einstellungszusage für das nächste Schuljahr. So leben sie in den Ferien von Arbeitslosengeld, im Gegensatz zu ihren Kollegen im unbefristeten Angestelltenverhältnis oder mit Beamtenstatus.

1991 Lehrer sind laut Angaben des Regierungspräsidiums in Tübingen an öffentlichen Schulen aller Schularten im Bodenseekreis beschäftigt, darunter seien 35 Lehrer mit befristeten Arbeitsverträgen und damit 1,8 Prozent.

Gewerkschaft: Lehrer gehen in anderen Bundesländer oder die Schweiz

Das seien 35 zu viel, wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) findet. "Grüne und CDU hatten im Wahlkampf 2016 versprochen, diese Lehrkräfte, wie in einigen anderen Bundesländern auch, in den Sommerferien zu bezahlen." Und wie es in der Pressemitteilung weiter heißt: Immer wieder wechselten Lehrkräfte in benachbarte Bundesländer oder die Schweiz, weil sie dort bessere Arbeitsbedingungen vorfänden. Denn auch Rheinland-Pfalz will ab 2019 seine Lehrer mit befristeten Verträgen ganzjährig bezahlen. "Dadurch wird sich der Lehrermangel in Baden-Württemberg voraussichtlich weiter verschärfen", prophezeit die GEW.

Ministerium: "Befristete Kräfte erfüllen Voraussetzungen nicht"

Doch Baden-Württemberg hält vorerst an dieser Praxis fest. "Das Kultusministerium weist den Eindruck, Lehrkräfte würden ohne Grund in die Arbeitslosigkeit entlassen werden, in aller Deutlichkeit zurück", sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Denn im ganzen Bundesland habe man von den 3300 Lehrkräften mit einem befristeten Arbeitsvertrag 2000 keine unbefristete Anstellung anbieten können, da sie die Voraussetzung dafür nicht erfüllten. Das heißt, sie hätten keine grundständige Lehramtsausbildung absolviert oder die Ausbildung noch nicht abgeschlossen. Zudem könnten befristete Verträge nur bis zum Ende des jeweils laufenden Schuljahres geschlossen werden, da sie an den konkreten Vertretungsbedarf geknüpft seien.

Doch gebraucht werden sie. In zunehmendem Maße nutzen Lehrer die Möglichkeit der Elternzeit und Fehlzeiten durch Krankheit oder durch Einsätze an deutschen Schulen im Ausland müssen zeitlich begrenzt abgefedert werden. Denn Beamte im Öffentlichen Dienst haben grundsätzlich ein Rückkehrrecht, auch wenn sie die maximal mögliche Elternzeit von zwölf Jahren voll ausschöpfen.

Großer Bedarf an Fachkräften für Sprachförderung

Hinzu kommt ein seit 2015 sprunghaft angestiegener Bedarf an Sprachförderung für Kinder von Zuwanderern und Geflüchteten in den Vorbereitungsklassen. Die Sprachförderung erfordert besondere Kompetenzen im Bereich Deutsch als Fremdsprache, mit denen auf dem Höhepunkt der Einwanderungswelle nur wenige ausgestattet waren. Deshalb werden die Stellen auch mit qualifizierten Bewerbern besetzt, die keine Lehrerausbildung vorzuweisen haben. Bewirbt sich ein ausgebildeter Lehrer mit dem entsprechenden Studiengang, wird er umgehend unbefristet eingestellt. Deshalb dürfe die Stelle nicht langfristig blockiert werden, heißt es aus dem Regierungspräsidium.

Baden-Württemberg habe in der Bundesrepublik die höchste Anzahl von Migranten und daher die höchste Zahl befristeter Stellen für die Sprachförderung in den Vorbereitungsklassen, wie es aus dem Regierungspräsidium heißt. Die Mittel dafür werden in den Doppelhaushalt des Landtags eingestellt. "Somit wissen wir nur für zwei Jahre im Voraus, wie viele Mittel für die Sprachförderung vorhanden sind", so die offizielle Erklärung. Eine Bezahlung der Vertretungslehrkräfte über die Sommerferien hinweg würde das Land Baden-Württemberg nach eigener Aussage 12,5 Millionen Euro kosten.