Das Landgericht Ravensburg hat am Dienstag einen im Bodenseekreis lebenden Mann wegen Ladendiebstahls und Bedrohung zu rund zehn Wochen Haft verurteilt und damit eine Berufung des Angeklagten zum größten Teil verworfen. Das Amtsgericht Tettnang hatte in erster Distanz in zwei verschiedenen Verfahren insgesamt drei Monate Freiheitsstrafe verhängt.

Bedrohung gegen Mitbewohner

Da der in einer Sozialunterkunft lebende Mann den Diebstahl von Fleischwaren und Tabak einräumte, konzentrierten sich Richter Rolf-Peter Schall und die Schöffen auf die Bedrohung gegen einen Mitbewohner. "Ich werde dich abschlachten", soll der Angeklagte mit lautem Poltern an der Zimmertür einem 56-jährigen Zimmernachbarn entgegengebrüllt haben. Er habe sich zum wiederholten Mal geärgert, dass es aus dem Zimmer des Nachbarn gestunken habe.

Verteidiger: "Mein Mandant ist leider völlig beratungsresistent"

Die Nachfragen zum Ablauf der verbalen Auseinandersetzung gestalteten sich genauso zäh wie der Versuch des Vorsitzenden Richter, Licht in die persönlichen Verhältnisse des Mannes zu bringen. Nach rund eineinhalb Stunden startete Richter Schall seinen ersten Versuch, den Angeklagten dazu zu bewegen, die Berufung auf das Strafmaß zu beschränken. "Mein Mandant ist leider völlig beratungsresistent", sagte Pflichtverteidiger Richard Glaubach und schüttelte frustriert den Kopf. Nicht gerade glücklich war der Anwalt auch über den Umstand, dass sein Mandant mit einer Alkoholfahne neben ihm Platz nahm.

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Drehte sich die Verhandlung aufgrund der widersprüchlichen Angaben des Angeklagten auch in Verbindung mit den Schilderungen einer 31-jährigen früheren Mitbewohnerin ständig im Kreis, brachte die Zeugenaussage des Opfers mehr Dynamik in die Angelegenheit.

Ständige Zwischenrufe in der Verhandlung

Der 56-Jährige verneinte ganz klar, dass es beim Streit um die Sauberkeit in der Unterkunft ging. Vielmehr sollte er 50 Euro abdrücken, um dem Angeklagten und dessen Freud den Besuch bei einer Prostituierten zu ermöglichen. Nach ständigen Zwischenrufen platzte dem Richter der Kragen. "Momentan stellt sich hier die Frage einer räuberischen Erpressung", sagte der Vorsitzende entschlossen in Richtung des Angeklagten. "Na dann viel Spaß", antwortete der Angeklagte trocken.

Richter folgt Antrag der Staatsanwaltschaft

Im Plädoyer forderte die Staatsanwaltschaft knapp über zwei Monaten Freiheitsstrafe. Die Aussichten auf eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung waren bei der Historie von 37 Straften, 32 Verurteilungen und zwei laufende Bewährungsauflagen ohnehin ziemlich dünn. "Was muss man noch alles tun, Sie zur Einsicht zu bewegen", fragte sich Oberstaatsanwalt Wolfgang Angster. Die Antwort hatte eine halbe Stunde später Richter Rolf-Peter Schall in seinem Urteil. Er folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft in vollem Umfang. "Wer nicht hören will, muss fühlen", sagte der Richter und ergänzte: "Sonst werden wir als Gericht nicht mehr ernst genommen."