Zwölf Varianten standen zur Wahl, eine ist es geworden: Das Regierungspräsidium Tübingen hat dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg am Donnerstag seine Vorzugsvariante der B 31-neu zwischen Meersburg und Immenstaad vorgestellt: die Variante B1. Laut Pressemitteilung soll die neue Trasse bestandsnah von Meersburg kommend südlich an Stetten vorbeiführen. Anschließend schwenkt sie nach Norden in den Weingartenwald, verläuft zwischen Reute und Kippenhausen, nördlich an Immenstaad/Siedlung vorbei und schließt am Bauende an die neue noch im Bau befindliche Ortsumgehung Friedrichshafen an.

Auf dem Bestand von Meersburg kommend soll es südlich an Stetten vorbeigehen. Eigentlich hatten sich die Bürger dort eine Nordumfahrung gewünscht.
Auf dem Bestand von Meersburg kommend soll es südlich an Stetten vorbeigehen. Eigentlich hatten sich die Bürger dort eine Nordumfahrung gewünscht. | Bild: Santini, Jenna

Regierungspräsident: „Gute Lösung“

„Aus dem Bündel an Varianten hat sich nun eine gute Lösung für den nördlichen Bodenseeraum herauskristallisiert. Mit der Variante B1 gelingt es, viele Anwohnerinnen und Anwohner der B 31 von Verkehr, Lärm und Schadstoffen zu entlasten. Sie ist ein guter Kompromiss zwischen all den hochwertigen Belangen, die in dieser schönen Landschaft zu berücksichtigen sind“, wird Regierungspräsident Klaus Tappeser in der Pressemitteilung zitiert. Gleichwohl bringe eine neue Straße auch neue Belastungen für Bürger und Umwelt mit sich, die im weiteren Planungsprozess so gut wie möglich reduziert werden müssten.

2020 Informationsveranstaltungen

Weshalb die B1 im Detail empfohlen wird, ist derzeit aber noch unklar. Robert Kübel von der Koordinierungs- und Pressestelle im Regierungspräsidium erklärt auf SÜDKURIER-Nachfrage: „Wir werden mit Rücksicht auf unseren Dialog Anfang 2020 zunächst unsere Foren und Arbeitskreise über die Gründe für die B1 informieren.“ Erst danach sollen Informationsveranstaltungen für die Öffentlichkeit stattfinden, bei denen das Planungsteam des Regierungspräsidiums und die Gutachter die Variantenentscheidung konkrete erläutern. Die Termine gibt die Behörde noch bekannt.

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Projektleiter Matthias Kühnel erteilt, wie Kübel, keine Auskunft zu den Gründen, die für die B1 sprachen: „Wir werden die Begründung so früh wie möglich im nächsten Jahr ausführlich aufgearbeitet präsentieren.“ Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur mache sich derzeit ein Bild, so Kühnel. Laut Regierungspräsidium wurden die Planungsunterlagen am Donnerstag an den Bund, der Bauträger ist, übermittelt.

Projektleiter Matthias Kühnel: „Wir werden die Begründung so früh wie möglich im nächsten Jahr ausführlich aufgearbeitet präsentieren.“
Projektleiter Matthias Kühnel: „Wir werden die Begründung so früh wie möglich im nächsten Jahr ausführlich aufgearbeitet präsentieren.“ | Bild: Lena Reiner

Dreispurigkeit wird weiter geprüft

Der Variante B1 liegt, wie im Bedarfsplan des Bundes vorgesehen, ein vierstreifiger Straßenquerschnitt zugrunde. Das Regierungspräsidium prüft derzeit zusätzlich, welche Auswirkungen eine dreistreifige Trasse zwischen Meersburg und Immenstaad auf die verkehrliche Situation im nördlichen Bodenseeraum haben würde. Diesen Prüfauftrag hatte erstmals Verkehrsminister Winfried Hermann öffentlich erwähnt. Die Ergebnisse fließen in die weitere Abstimmung mit dem Landesverkehrsministerium und dem Bundesministerium ein. Die finale Entscheidung über die Trasse und den Straßenquerschnitt trifft das Bundesverkehrsministerium, teilt das Regierungspräsidium mit.

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Den Immenstaader Bürgermeister Johannes Henne hat die Trassenempfehlung „schon ein bisschen überrascht“, erklärt er auf Anfrage des SÜDKURIER. Die Gemeinde hatte auf die C1.1 gesetzt und hält diese Trasse nach wie vor für die „verkehrstechnisch günstigste und fairste Lösung“. Dass es nicht die A-Variante oder eine der Verschnittlösungen geworden ist, sehe er aus Immenstaader Sicht „schon mal positiv“, weil so die Zerschneidung der Ortschaft verhindert werden kann. Gesprächsbedarf sieht Henne trotzdem, vor allem zum Lärmschutz am Ruhbühl, für Kippenhausen und Frenkenbach.

Auszuloten wäre auch, ob die Trasse noch weiter nach Norden verschoben werden könnte, um auch wertvolle Obstanlagen besser zu schützen. „Wir brauchen aber eine Lösung und sollten alle zusammen kompromissfähig bleiben“, wünscht er sich für den Fortgang der Gespräche.

Anwohner haben auf der Wiese am Nordrand der Immenstaader Siedlung die Trasse C1.1 der B31 neu abgesteckt. Dabei orientierten sie sich an den am 22. und 23. Oktober vorgestellten Plänen. Die B1 hat um die Siedlung denselben Verlauf.
Anwohner haben auf der Wiese am Nordrand der Immenstaader Siedlung die Trasse C1.1 der B31 neu abgesteckt. Dabei orientierten sie sich an den am 22. und 23. Oktober vorgestellten Plänen. Die B1 hat um die Siedlung denselben Verlauf. | Bild: Andreas Eichenberg

Bürgermeister Volker Frede erklärt, dass eine Trasse aus Hagnauer Sicht folgende vier Kriterien erfüllen muss: möglichst viele Menschen entlasten, nicht Flächen unwiderruflich zerstören, die so nicht ersetzbar sind, die Uferlandschaft für Bürger und Touristen erhalten sowie Leistungsfähigkeit. „Die Variante B1 ist nicht die, die diese Ziele am besten erreicht“, sagt Frede.

Eine nördlichere Variante hielte er dafür für geeigneter: zum Beispiel „weil dann noch weniger Menschen betroffen wären“ und für Obstbauflächen leichter eine Alternative gefunden werden könne als für die Weinrebe, die das Bodenseeklima brauche. „Jetzt liegt die B1 auf dem Tisch und es sind alle Anstrengungen zu unternehmen, diese so gut wie möglich zu optimieren, um die Menschen vor Lärm und Schadstoffen zu schützen“, so Frede.

Lärmschutz noch nicht vorgestellt

Insbesondere an Stetten und der Immenstaader Siedlung führt die B1 eng vorbei. Für die Siedlung bestätigte Projektleiter Matthias Kühnel bereits zu einem früheren Zeitpunkt die Planung eines Tunnels. Die Trassen waren dort aus dem Wald Speckholz nah an den Siedlungsbereich verlegt worden – um ein FFH-Gebiet zu schützen, und wegen der Sanierung der ehemaligen Deponie in der Lipbachsenke östlich der L 207. Eingezeichnet sind die Lärmschutzmaßnahmen aber noch nicht in die Grafik, die das Regierungspräsidium nun herausgab: Die B1 ist darauf erst einmal nur ein blauer Strich.

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Positiver als in Immenstaad und Hagnau wird dieser in Markdorf aufgenommen. Die Variante sei aus Sicht der Stadt Markdorf „eine hervorragende Variante und wir meinen, dass auch im regionalen Kontext die Belastungen dieser Variante ausgewogen sind“, schreibt Bürgermeister Georg Riedmann in einer Mitteilung. „Wir gehen dabei davon aus, dass die Anbindung an die B 33 nordöstlich von Stetten in der seither geplanten Art und Weise vorgesehen ist und so Stetten vom Durchgangsverkehr der B 33 entlastet wird“, heißt es weiter.

Um im weiteren Planungsprozess „die berechtigt vorhandenen Bedenken vor allem von Anwohnern in Stetten sowie im Bereich Immenstaad/Siedlung zu würdigen, erwarten wir, dass bei Maßnahmen wie Überdeckelungen und Tunnelabschnitten das Wohl der Anwohner noch stärker in die Abwägung einbezogen wird“. Dasselbe gelte für den Artenschutz im Weingartenwald. Die Stadt Markdorf werde im Bereich südlich des Waldes erhebliche Flächen ins Projekt einbringen, sei dazu aber im Sinne einer gemeinsamen Lastentragung gerne bereit. Stellungnahmen von Bürgermeister Daniel Heß aus Stetten und Bürgermeister Robert Scherer aus Meersburg standen am Freitag zum Redaktionsschluss noch aus.