Noch bevor man Lukas Zahorsky sehen kann, ist er bereits zu hören. Gischt spritzt auf und er flitzt auf einem kleinen Surfbrett vor Friedrichshafen am Presseschlauchboot vorbei, legt sich mit vollem Körpereinsatz in die Kurve, berührt mit der Hand das Wasser und zieht einen weißen Schaumbogen in den See. Motorengeräusch und Geruch erinnern an eine Motocross-Maschine, die Bekleidung des Fahrers auch: Ein Helm mit Kinnschutz und Brille sowie ein Nackenprotektor schützen den 17-jährigen Fahrer bei seiner waghalsigen Show. Denn der Motosurfer, eine Mischung aus Surfbrett und Motorrad, wird 60 Stundenkilometer schnell. Ein Sturz bei der Geschwindigkeit macht Wasser so hart wie eine Asphaltstraße.

Fahrer aus der aktuellen Worldcup-Wertung

Seit seinem zwölften Lebensjahr ist der Gymnasiast aus Brno in der Tschechischen Republik auf dem rasenden Brett unterwegs, das er im Rahmen der Interboot-Pressekonferenz dem staunenden Publikum präsentiert. Ab kommenden Samstag könnten die rasanten Fahrten von der Uferpromenade aus verfolgt werden. Im Rahmen der Interboot, die von 22. bis 30. September in Friedrichshafen stattfindet, zeigen Fahrer aus der aktuellen Worldcup-Wertung am 22. und 23. September die Bretter in Aktion.

Video: Bengelsdorf

"Motosurf verbindet für mich alles, was mich begeistert", erzählt Lukas Zahorsky mit leuchtenden Augen. Als Rennskiläufer liebt er die Geschwindigkeit, dazu kommt eine Vorliebe für Motoren. Als ihm sein Vater ein Motosurfboard kaufte, geriet das trainingsintensive Skifahren immer weiter in den Hintergrund, dafür katapultierte sich das Talent ab 2015 an die Weltspitze der jungen Sportart auf dem Wasser.

Das Board ist klein und leicht zu transportieren.
Das Board ist klein und leicht zu transportieren. | Bild: Anette Bengelsdorf

2016 war Lukas Zahorsky bereits Weltmeister auf der Slalombahn, die von zwölf Teilnehmern gleichzeitig befahren wird. Auch seinen erneuten Sieg in dieser Saison kann dem Weltranglistenersten keiner mehr nehmen. Sein Brett ist ein reinrassiges Renngerät: 1,8 Meter lang, aus Carbon laminiert, wird es von einem Zweitaktmotor mit 100 Kubikzentimetern und 16 PS in fünf Sekunden auf 60 Stundenkilometer katapultiert. Wie bei einem Rennwagen ist der Auspuff aus Titan gebaut. Dabei ist der Jetantrieb ziemlich genügsam: Mit 2,5 Litern Gemisch kann er eine Stunde lang fahren.

"Motosurfing ist der billigste Motorsport, den es gibt"

Die Verbindung zu seinem Sportgerät hält Lukas über eine Art Joystick, der mit einem Kabel mit dem Motor verbunden ist. "Motosurfing ist der billigste Motorsport, den es gibt", erklärt er, "wir müssen nur die Starterbatterie laden und tanken." Und da man so wenig Equipment braucht, kann man es rund um den Erdball transportieren. Nur fahren darf man nicht überall – auch nicht auf dem Trinkwasserspeicher Bodensee. Denn der hochgezüchtete Zweitaktmotor erfüllt nicht die strenge Abgasnorm und das Brett überschreitet die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern. Da das Surfboard motorisiert ist, wäre es ohnehin zulassungspflichtig und dürfte mit seiner Leistung über sechs PS nur mit Bodensee-Schifferpatent gefahren werden. Im Uferbereich gefahren, würde es zudem zu viel Wellenschlag erzeugen und der Lärmpegel überschreitet definitiv den zulässigen Wert. "Die Internationale Gewässerschutzkommission (IGKB) hat dem Board bereits eine eindeutige Absage erteilt", sagt deshalb Claudia Bucher vom Schifffahrtsamt.

Alexander Stertzig ist baden-württembergischer Meister im Stand-Up Paddling.
Alexander Stertzig ist baden-württembergischer Meister im Stand-Up Paddling. | Bild: Anette Bengelsdorf

Insofern bietet sich für den Bodensee eher die gesunde Alternative ohne Lärm- und Abgasemission an: Auf einem aufblasbaren Stand-Up-Paddle-Board zeigt Alexander Stertzig, SUP-Meister aus Baden-Württemberg, dass auch ein Brett mit Muskel-Antrieb Spaß machen kann. Der Fotograf aus Konstanz steht seit 2012 auf dem SUP und nimmt seither an Wettkämpfen teil. Doch die Konkurrenz schläft nicht und inzwischen trainiert, wer vorne dabei sein will, in der Wettkampfphase bis zu zehnmal in der Woche. Dabei wechselt er Intervalltraining und lange Einheiten ab, um sich für Long-Distance-Rennen fit zu machen. "Wir werden bis zu zehn Stundenkilometer schnell bei einem Puls von 180 bis 195", sagt der deutsche Vizemeister.

Alexander Stertzig bringt nichts mehr aus dem Gleichgewicht

Neben Fahrten auf Waveboards durch die Brandung oder dem Umrunden von Bora-Bora mit Hai-Begleitung bei der "Ironmana" gibt es auch die Möglichkeit, einfach gemütlich spazieren zu fahren. Wie auf dem Teller dreht Alexander Stertzig das Board auf dem See und paddelt einbeinig, ohne zu wackeln. "Ich habe dafür auf der Slackline trainiert", sagt er – und offensichtlich bringt ihn seither nichts mehr aus dem Gleichgewicht. Als beim Beschleunigen das Paddel bricht, kniet er sich auf sein Brett und rudert mit beiden Armen. "Das ist eine extreme Belastung für Arme und Nacken", sagt der Sportler. Doch dafür muss er weder die Batterie laden, noch muss er tanken.

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Alles rund um die Messe Interboot

  • Die 57. Interboot findet von Samstag, den 22. bis Sonntag, den 30. September in Friedrichshafen statt. Die Messe ist täglich von 10 bis 18 Uhr, der Interboot-Hafen von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Die Halle B1 ist am Donnerstag zum Sunset Shopping bis 21 Uhr geöffnet. Im Interboothafen stehen 100 Test- und Showboote bereit. Die Messe InterDive findet parallel vom 22. bis 23. September in Halle B5 und im Foyer Ost statt.
  • Eintrittspreise: Tageskarten für die Interboot kosten 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, 2-Tageskarten sind für 17 Euro, Familienkarten (Eltern mit allen Kindern von 6 – 14 Jahren) für 28 Euro zu haben. Die Kombi-Tageskarte für beide Messen am ersten Wochenende kostet 17 Euro, für Familien 39 Euro. Für Kinder unter 6 Jahren ist der Eintritt frei. Der Besuch des Interboot-Hafens ist kostenlos.
  • Transport: Kostenlose Bus-Shuttles verkehren zwischen Stadtbahnhof und Messegelände, von Eingang Ost zu Eingang West, sowie zwischen Messe und Interboot-Hafen.
  • Angebot: 474 Aussteller aus 20 Ländern zeigen in acht Messehallen Segel- und Motoryachten, Segel- und Motorboote, Elektro- und Schlauchboote, Kanus, Kajaks, Wasserski, Wake- und Surfboards mit Ausrüstung und Zubehör. Dazu Trailer, Motoren, Elektronik, Navigation, Kommunikation, Literatur und Bekleidung für Wasser- und Winter-sport. Charterangebote und ein maritimer Reisemarkt runden das Angebot ab.
  • Rahmenprogramm: Ein Gewinnspiel, die Surf-Days auf der stehenden Welle und das SUP-Testbecken in Halle B1, sowie Wakeboarden auf dem Messesee laden zum Mitmachen ein. Dazu gibt es Vorträge rund ums Segeln und Reisen, Präsentation der Seglerjugend sowie eine Sonderschau zu alternativen Antrieben und Nachhaltigkeit im Bootsbau. Die SUP-Team-Challenge am 29. September qualifiziert für die SUP-Challenge auf den British Virgin slands, Liebhaber klassischer Yachten können diese zur Oldtimer-Regatta am 22. September betrachten und für Frauen wird ein spezielles Motorboot-Training angeboten.

Informationen im Internet: www.interboot.de