Das Landgericht Konstanz hat die Unterbringung eines 33-jährigen psychisch kranken Mannes in der Psychiatrie angeordnet. Im November vorigen Jahres hat er eine 19-jährige Mitbewohnerin in einer Behinderteneinrichtung im westlichen Bodenseekreis vergewaltigt.

Spagat zwischen respektvoller Behandlung und Schutz des Raums

Mitarbeiter in Einrichtungen der Behindertenhilfe stehen bezüglich der Vorbeugung sexueller Gewalt vor großen Herausforderungen. Das wurde in der Verhandlung deutlich. Einerseits sollen sie die ihnen anvertrauten Menschen respektvoll behandeln. Andererseits müssen sie den Raum schützen, in dem diese Menschen sich bewegen. Hätte man den 33-Jährigen nachts einsperren sollen, wenn er gelegentlich umherwanderte und sich in Betten seiner Mitbewohner legte, ohne dass je etwas passierte?

Tat geschah am Vormittag

Diese Frage stellte sich vor Gericht. Doch die Tat geschah am Vormittag. Der Mann überraschte die Frau in der Damentoilette. Die Mitbewohnerin kannte ihn aus der Gemeinschaft. Es sei ihr nicht gelungen, den körperlich Überlegenen von seinem Vorhaben abzubringen. Als dieser von draußen die Stimme einer Betreuerin gehört habe, habe er von seinem Opfer abgelassen.

Beweisaufnahme mit fünf Zeugen und Sachverständiger

Die Staatsanwaltschaft leitete ein Sicherungsverfahren gegen den schuldunfähigen Mann ein und beantragte dessen Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Nachdem die Dritte Große Strafkammer am Landgericht den Sachverhalt jetzt in einer Beweisaufnahme mit fünf Zeugen und einer Sachverständigen überprüft hatte, gab man diesem Antrag statt. Da eine Wiederholungsgefahr nicht auszuschließen sei, müsse man die Allgemeinheit vor dem Mann schützen.

Mann ließ sich schon selbst in die Psychiatrie aufnehmen

Der 33-Jährige hat sich Ende 2018 freiwillig in der Psychiatrie aufnehmen lassen. Nach Rechtskraft der Entscheidung wird er in einer Station für psychisch kranke Straftäter untergebracht.