In Überlingen fand am Dienstag die Übergabe eines grünen Kreuzes statt, mit dem Landwirte ihren Protest gegen das Volksbegehren „Rettet die Biene“ ausdrücken. Thomas Bacher (Ackerbau und Pferdehaltung) übernahm das Kreuz von Patricia Sauter, Bäuerin aus Frickingen (Obst- und Ackerbau). Bacher wird das Kreuz mit seinem Traktor am Mittwoch zum Obsthof Hertle in Stockach fahren. Am Wochenende wollen die Bauern im Weinbau am Kaiserstuhl aufkreuzen, irgendwann im Landtag in Stuttgart ankommen.

Video: Stefan Hilser

Diese in Kehlen am vergangenen Sonntag gestartete Initiative soll sich spontan über das ganze Land ausbreiten, beziehungsweise zu einem langen Band entwickeln. Die Bauern wollen damit zeigen, dass sich alle landwirtschaftlichen Betriebszweige in Baden-Württemberg als eine Einheit verstehen, und so auch mit einer Stimme gegen das Volksbegehren protestieren.

Bauernprotest: Mit diesem Frontlader und grünem Kreuz fahren die Erzeuger durchs Land, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen.
Bauernprotest: Mit diesem Frontlader und grünem Kreuz fahren die Erzeuger durchs Land, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. | Bild: Hilser, Stefan

Nachdem die Landesregierung einen Dialogprozess startete, an dem die Initiatoren des Volksbegehrens sowie Verbände aus Landwirtschaft und Naturschutz teilnehmen, ruht das Volksbegehren zwar. Doch Thomas Bacher bezeichnet es als „unmöglich“, wenn schon bis Mitte Dezember der Dialog in einen Eckpunktepapier und letztlich in einem Gesetzentwurf münden soll. Bacher: „Wir brauchen mehr Zeit, um das Thema in seiner Gesamtheit zu betrachten.“

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Antonia Kitt, Obstbäuerin aus Überlingen, sieht im „Dialog“ kein Gesprächsformat. Zwar säßen die Landwirte mit am Tisch, doch seien die Eckpunkte bereits fixiert und die Initiatoren des Volksbegehrens zu keinen ernsthaften Kompromissen bereit. Das Volksbegehren wäre ihr da sogar noch lieber als jetzt der Versuch der Landesregierung, das Heft wieder selbst in die Hand zu nehmen und dabei, so die Auffassung von Antonia Kitt, sich die Position des Volksbegehrens zu großen Teilen zu eigen zu machen.

Landwirte fotografieren das Land

Auf ihrer Traktorfahrt durch Baden-Württemberg möchten die Landwirte auch Fotos anfertigen. „Sie zeigen die Vielfalt von Baden-Württemberg, in was für einer tollen Landschaft wir hier leben, und dass die Landwirtschaft ihren Beitrag zur Gestaltung dieser Landschaft leistet.“ Bacher sagte weiter, und zitierte aus einem Spruchband, das als eine Inschrift am Kreuz durchs Land gefahrn wird: „Wir wünschen uns den Dialog mit unseren Bürgern. Wir wünschen uns, dass wir die Interessen an einen Tisch brringen. Dass man die Produktion von Grundnahrungsmitteln, die Interessen von Naturschutz und ein Bekenntnis zur heimischen Landwirtschaft als gesamtgesellschaftliche Aufgabe anpackt.“

Info-Veranstaltung mit Dekanin am Dienstag, 12. November

Die Landwirte werben für ihr Anliegen und wollen vor allem gehört werden, bevor in Stuttgart Agrarpolitik neu entschieden wird.
Die Landwirte werben für ihr Anliegen und wollen vor allem gehört werden, bevor in Stuttgart Agrarpolitik neu entschieden wird. | Bild: Hilser, Stefan

Bäuerin Patricia Sauter führte den Korso von Frickingen nach Überlingen an. Sie zeigte sich nicht überrascht davon, dass sich ihr spontan eine Reihe von Landwirten angeschlossen haben, trotz der Erntezeit, die auf manchen Betrieben derzeit noch vorherrschend ist. „Wir sind alle wach bei diesem Thema. Und jeder bekommt sofort mit, wenn er etwas tun kann für unser Anliegen.“