Bewohner der nördlich der B31 gelegenen Wohngebiete sind entsetzt: Der Abstand zwischen der Trassenvariante C1.1. für die B31-neu zur Siedlung ist von mehr als 200 Metern auf nahezu Null geschrumpft. Außerdem ist eine gänzlich neue Variante für die Teilstrecke Immenstaad-Ost ins Spiel gekommen: Die „Variante BVMI„ würde praktisch ohne Abstand am Neubaugebiet Stockwiesen, dem Ruhbühl und der Siedlung entlang führen.

Bild: Südkurier

„Unsere Nachbarn und wir sind aus allen Wolken gefallen, als wir das auf den Plänen gesehen haben“, berichten Gesine und Martin Kurreck, die am nördlichen Rand der Siedlung wohnen über ihre Teilnahme bei der Infoveranstaltung zur B31 am 22. Oktober in der Linzgauhalle. Nachdem die Schockstarre vorüber war, hätten sie sich entschlossen, nicht wegzuziehen, sondern sich zu wehren. Als Erstes haben sie die Bewohner der Siedlung, des Ruhbühl und des Neubaugebiets Stockwiesen zu einer Versammlung eingeladen, bei der erste Ideen für den Widerstand zu den neuen Plänen gesammelt werden sollten. Fast 40 Anwohner sind der Einladung gefolgt. „Die Zeit drängt“, machte Martin Kurreck allen am Beginn der Versammlung noch einmal bewusst: Noch vor Ablauf des Jahres wollen die Planer im Bundesverkehrsministerium die Vorzugstrassen präsentieren.

Daumen runter für die B 31 direkt an der Siedlung.
Daumen runter für die B 31 direkt an der Siedlung. | Bild: Gisela Keller

„Wir saßen da mit unseren C1.1-Buttons und Herr Stocks hat einfach behauptet, diese Trasse direkt vor unserer Haustür sei immer noch die C1.1. für die wir uns eingesetzt haben“, ärgert sich ein Anwohner bei der Versammlung, „Das fand ich schon ziemlich perfide“. Dass Burchard Stocks die Verschiebung der Trasse nach Süden mit der alten Deponie östlich des Lipbach begründete, leuchtet keinem der versammelten Anwohner ein: Ein echter Hinderungsgrund dafür, die Trasse zumindest westlich der L 207 mit mehr Abstand zur Siedlung durch den Wald „Speckholz„ zu planen, ergebe sich daraus jedenfalls nicht.

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„Die bisherigen Planungen fanden wir auch nicht schön, aber wir sehen ein, dass eine Anpassung der Straßensituation nötig ist. Damit, wie es bislang war, hätten wir leben können“, sagt Andreas Eichenberg später bei einem Gespräch mehrere Anwohner mit dem SÜDKURIER. „Diese Planänderungen bedeuten für uns aber eine drastische Verschlechterung“, fügt Sabine Hodler hinzu. „Uns drängt sich der Verdacht auf, dass man mit der wesentlich weiter nördlich geplanten Trasse die Leute beruhigt hat und uns jetzt kurz vor Torschluss vor vollendete Tatsachen stellen will“, sagt Harald Münch. „Es ist nicht die Transparenz, die wir erwartet haben – es ist ein Skandal“, fasst Martin Kureck aller Empörung zusammen.

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Was hat sich im Bereich Siedlung am Trassenverlauf geändert?

In der Linzgauhalle wurden am 22.Oktober für Immenstaad-Ost zwei mögliche Trassen vorgestellt. Beide verlaufen nördlich der Siedlung und führen nach Unterquerung der L207 über den am weitesten nördlich gelegenen Parkplatz auf dem Airbus-Gelände. Mit dem Luft- und Raumfahrt-Unternehmen sei bereits über die Straßenführung über den Parkplatz gesprochen worden und es sei Zustimmung dafür signalisiert worden, hatte Planer Burchard Stocks erklärt. Eine Ausbauvariante, die wie die bisher vorgestellte dem Verlauf der jetzigen B31 im Bereich Immenstaad-Ost und Airbus folgt, wurde jetzt nicht mehr präsentiert.

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Optimierung B1 und B1.1: Im Bereich der Siedlung sind die Varianten B1/B1.1 und C1/C1.1 identisch. Auf den zuletzt im Februar in Markdorf öffentlich präsentierten Plänen war diese Trasse mehr als 200 Meter nördlich der Siedlung durch den Wald „Speckholz“ eingezeichnet. Jetzt verläuft diese Variante erheblich weiter im Süden und quert die L 207 direkt am nördlichen Rand der Siedlung. Im Bereich der Siedlung sind vier bis fünf Meter hohe Lärmschutzwände eingeplant. Planer Burchard Stocks nannte in der Informationsveranstaltung als wichtigsten Grund für die Verschiebung die Sanierung der früheren Mülldeponie westlich des Lipbach auf Friedrichshafener Gemarkung. Die Straße könne nicht über das Deponiegelände geführt werden. Außerdem solle das Naherholungsgebiet Speckholz geschützt werden.

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Variante BMVI: Diese Variante stellten die Planer am 22.Oktober erstmals öffentlich vor. Sie folgt aus Richtung Hagnau dem Verlauf der derzeitigen B31 und zweigt am Ende des Immenstaader Gewerbegebiets Bürglen in Richtung Nordosten ab. Die Trasse führt am nördlichen Rand der Siedlung entlang und soll laut Plan im Bereich Ruhbühl und Stockwiesen teilweise gedeckelt werden. Vor den Tunnelportalen wird die Straße tiefer gelegt. Ohne Deckelung seien Lärmgrenzen nicht einzuhalten, hatte Planer Burchard Stocks erklärt. Wo kein Deckel ist, seien Lärmschutzwände geplant.