Der Arbeitsmarkt am Bodensee zeigt sich von seiner besten Seite: Es herrscht „Vollbeschäftigung“. Davon spricht man bei einer Arbeitslosenquote zwischen zwei und vier Prozent. Im Bodenseekreis lag sie im vergangenen Jahr bei 2,3 Prozent, im gesamten Bezirk Ravensburg-Konstanz bei 2,6 Prozent (2018: 2,5 Prozent).

„Arbeitsmarkt war stabil und robust“

In Zahlen ausgedrückt: Etwa 11 700 Menschen im Bezirk waren 2019 auf der Suche nach einem Arbeitsplatz. 2018 waren es rund 12 000. „Der Arbeitsmarkt war stabil und robust. Die Zahl der Beschäftigten ist im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen“, sagt Katja Thönig, operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg, bei einem Pressegespräch.

Katja Thünig, Operative Geschäftsführerin Agentur für Arbeit
Katja Thünig, Operative Geschäftsführerin Agentur für Arbeit | Bild: Mona Lippisch

Trotz der geringen Arbeitslosenquote gibt es in vielen Branchen weiterhin zahlreiche freie Stellen. „Besonders in den Bereichen Pflege, Gastronomie, Hotellerie und Logistik brauchen wir dringend Arbeitskräfte. Diese Berufsfelder sind gerade für viele junge Menschen immer noch zu unattraktiv“, sagt Walter Nägele, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg. Auch Bus- und Lastwagenfahrer seien stets gesucht.

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Weiterbildungen werden seit 2019 aktiv gefördert

Um diese Berufsfelder für die Menschen in der Region attraktiver zu machen, werden seit 2019 berufliche Fortbildungen vermehrt gefördert. Möglich wird die Förderung durch das Qualifizierungschancengesetz. „Dieses Gesetz ermöglicht den Arbeitgebern die Finanzierung möglicher Weiterbildungen für die Angestellten“, erklärt Nägele.

Pressesprecher Walter Nägele
Pressesprecher Walter Nägele | Bild: Agentur Für Arbeit

Von der Regelung profitieren beispielsweise Arbeitnehmer, deren Arbeitsplatz durch die Digitalisierung und den Strukturwandel gefährdet ist. „Etwa 280 Arbeitnehmer haben im vergangenen Jahr Zuschüsse für Fortbildungen erhalten“, sagt Nägele.

Agentur für Arbeit: Immer mehr persönliche Beratungen

„Es freut mich, dass viele Arbeitgeber die Möglichkeiten des Gesetzes erkannt haben. Dadurch sind die Beratungen von beruflichen Weiterbildungen deutlich gestiegen“, sagt Katja Thönig. Die Anzahl der Beratungen der Agentur soll dieses Jahr weiter ansteigen – sowohl für arbeitslose Menschen als auch diejenigen, die sich in ihrem Beruf neu orientieren oder fortbilden wollen.

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„Beratungen ermöglichen Orientierung in einer sich immer schneller wandelnden Arbeitswelt“, so Thöning. Dabei sei es zunehmend wichtiger, die Menschen gezielt anzusprechen und auf die verschiedenen Angebote aufmerksam zu machen.

Berufsorientierung in der Schule wird wichtiger

Dieser Schritt beginnt schon vor dem Eintritt ins Berufsleben. „Wir werden unser Beratungsangebot in Schulen 2020 verstärken“, kündigt Thönig an. Zum Beispiel mit intensiven Informationsveranstaltungen. Zudem werde die Beratung nun bereits mehrere Klassen vor dem Schulabschluss ansetzen – nicht erst in der Abschlussklasse.

„Damit wollen wir den Jugendlichen den Einstieg in die Arbeitswelt erleichtern und gleichzeitig die Zahl der Ausbildungs- und Studienabbrüche verringern“, begründet Thönig das intensive Beratungsangebot. Denn die Erfahrung zeige: Wer in einem Beruf arbeitet, der den eigenen Interessen und Stärken entspricht, ist engagierter.

Neues Gesetz kommt zum 1. März 2020

Um mehr engagierte Arbeitskräfte einsetzen zu können, tritt am 1. März ein neues Gesetz in Kraft. Das „Fachkräfteeinwanderungsgesetz“ schafft einen Rahmen für eine gezielte Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte. „So können Arbeitskräfte aus Drittstaaten zu uns kommen. Mit dem Gesetz sollen etwa Branchen wie die Pflege und Gastronomie einen Aufschwung erfahren“, erklärt Walter Nägele. Wie das Gesetz konkret bei der Stellenbesetzung helfen kann, werde sich in den kommenden Monaten zeigen.

Das Internet bringt neue Möglichkeiten mit

Im Laufe des Jahres 2020 gibt es auf der Internetseite der Agentur für Arbeit ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten. „Ein Selbsterkundungstool soll Jugendlichen bei der Berufsorientierung helfen. Damit können sie von Zuhause ihre Stärken und Schwächen erkunden“, nennt Katja Thönig ein Beispiel. Außerdem können sich Menschen online als arbeitssuchend melden und mehr als 100 Lernangebote nutzen. „Die Angebote helfen, sich selbstständig zu informieren, Anträge einzureichen und unkompliziert Kontakt zur Agentur aufzunehmen.“