Wer bei Costanzo Marino im Caféhaus am Flughafen seinen Becher selbst mitbringt, bekommt 10 Cent Rabatt auf den Kaffee zum Mitnehmen. "Da sparen wir ja den Becher", sagt seine Chefin Maria Stelwag, Geschäftsführerin von Webers Backstube. Sie hat immer ihren Becher dabei. "Noch machen das aber nicht viele", sagt sie. "Wenn es das Pfandsystem gibt, werden sich sicher mehr beteiligen." Die meisten Bäckereien im Kreis bieten an, mitgebrachte Becher mit Kaffee oder auch Tee zu füllen. Und sie werden auch beim neuen Pfandsystem dabei sein.

Spätestens im Februar soll es soweit sein: In Bäckereien und sonstigen Kaffeequellen bekommen Kunden dann ihren Kaffee im Pfandbecher. Sie zahlen 1 Euro und bekommen ihn zurück, wenn sie den Becher an einer anderen Verkaufsstelle zurückgeben. Denn der schnelle Kaffee zum Mitnehmen schmeckt und riecht gut und macht munter. Er macht aber auch viel Müll. Deutschlandweit gehen 320 000 Becher für den schnellen Kaffee über die Theke und bald danach in den Müll; 2,8 Milliarden Becher sind das im Jahr. Auch im Bodenseekreis fallen regelmäßig tausende Einwegbecher an.

Bäckereien, Abfallwirtschaftsamt und Stadtmarketing Friedrichshafen setzten sich in den vergangenen Monaten zusammen, um Wege aus der Becherflut zu suchen. "Es gibt viele Leute, die nicht so viel Müll produzieren wollen", sagt Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamts. Der Pfandbecher verbinde das Bedürfnis nach mobilem Lifestyle mit Nachhaltigkeit. "Viele Wege im Alltag sind Routine. Man weiß also, wo man seinen Kaffee bekommt und man wird dann auch wissen, wo man den Becher wieder abgeben kann", sagt Schwarz.

Für das Projekt arbeitet das Landratsamt mit der Münchener Firma Recup zusammen, die solche Pfandsysteme in mehreren Städten betreibt, unter anderem in Köln, Berlin, Rosenheim und München. "Das wird sehr gut angenommen, in München etwa haben wir schon über 200 Standorte", sagt Annalena Siegert, die bei Recup für die Kundenbetreuung zuständig ist. "Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit ist bei den Kunden immer präsenter. Wir sprechen die an, die sich dabei nicht viele Gedanken machen wollen – sie gehen wie sonst ohne Becher ins Café, bekommen ihren Kaffee im Mehrwegbecher und geben ihn bei irgendeinem Partner wieder ab." Dort wird der Becher gespült und wieder ausgegeben. Meistens können die Kunden wählen zwischen Einweg- und Mehrwegbecher. "Einige Cafés haben aber auch schon ganz umgestellt", sagt Siegert. Das Ziel der Firma ist es, das Netz ihrer Partner möglichst dicht zu spannen.

Jetzt schon kann der Pfandbecher deutschlandweit bei allen Teilnehmern an diesem System zurückgegeben werden. Eines Tages trinkt vielleicht ein Berliner seinen morgendlichen Kaffee in der U-Bahn aus einem Bodensee-Becher und an der Überlinger Uferpromenade taucht ein Becher aus Oldenburg auf.

Ein eigenes Design für den Bodensee-Becher ist gerade fertig geworden. Der Prototyp bleibt aber bis zur offiziellen Vorstellung unter Verschluss. "Ich kann so viel verraten, dass es um die Skyline von Wahrzeichen der Gemeinden am Bodensee gehen wird", sagt Annalena Siegert. "Den Bodensee-Becher wollen wir im Januar vorstellen. Bis dahin darf es ein bisschen spannend bleiben", sagt auch Robert Schwarz. Die Becher aus dem leichtem, stabilem Kunststoff Polypropylen werden in Wangen im Allgäu hergestellt.

Die Becher

Der neue Recyclingbecher ist aus Polypropylen. Dieser Kunststoff ist spülmaschinenfest, wärmebeständig, bruchsicher und geschmacksneutral. Ein Becher aus Polypropylen kann laut Hersteller mindestens 500 Mal wiederverwendet werden. Bei Herstellungs- und Recyclingkosten schneidet das Material im Vergleich gut ab: Keramik muss mehrfach bei hohen Temperaturen gebrannt werden und geht schnell kaputt, Edelstahl ist aufwendig und teuer in der Produktion und Bambusbecher sind wegen des beigemischten Melamins nicht recycelbar. Polypropylen ist der am zweithäufigsten verwendete Kunststoff. Mehr als ein Drittel der synthetischen Fasern wird auf seiner Basis hergestellt, weiter findet er Verwendung in Verpackungsfolien, als Gehäusewerkstoff oder bei Gartenmöbeln.