Nach Turbulenzen an der Führungsspitze der Pädagogischen Hochschule Weingarten schien am 14. November 2017 die wichtigste Personalfrage gelöst zu sein. Bereits im ersten Wahlgang wurde die Professorin Manuela Pietraß mehrheitlich in einer Sitzung von Senat und Hochschulrat zur Rektorin gewählt. Dabei hatten die beiden Gremien nicht gerade die Qual der Wahl. Nachdem der amtierende Rektor, Professor Werner Knapp, seine erneute Kandidatur überraschend zurückgezogen hatte, war Pietraß als einzige Bewerberin im Auswahlverfahren verblieben.

Die Wahl sorgte für Erleichterung an der Hochschule. Denn auch die Stelle des Kanzlers war nach dem Ausscheiden von Gregor Kutsch unbesetzt und die Möglichkeit von Neuwahlen zunächst nicht in Sicht. Denn Kutsch hatte das Land Baden-Württemberg auf Verbeamtung auf Lebenszeit verklagt. Offenbar ohne Erfolg, da bereits am 15. Dezember Uwe Umbach, leitender Ministerialrat aus dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, zum neuen Kanzler gewählt wurde. Und das, nachdem die erste Kandidatin ihr Amt nicht antreten wollte.

Alles schien jetzt gut, und die Mannschaft auf der Brücke hätte bis zum Amtsantritt der neuen Rektorin, voraussichtlich Anfang April 2018, das Schiff in ruhigere Gewässer steuern können. Doch es kam anders. Wie die PH in einer Pressemitteilung am 31. Januar mitteilte, wird Manuela Pietraß ihr Amt als Rektorin nicht antreten. In einem langen und intensiven Verhandlungsprozess hätten sich unüberbrückbare Differenzen gezeigt, war zu lesen. Der Vermutung, das Schiff könne jetzt führungslos in Turbulenzen geraten, tritt der Hochschulratsvorsitzende, Professor Hermann Reichold, entschieden entgegen. "Das bisherige Rektorat ist regulär im Amt, bis ein Nachfolger eingesetzt ist", sagt er. Denn Werner Knapp, dessen Amtszeit offiziell am 8. Februar endet, hat sich bereit erklärt, zusammen mit den beiden Prorektoren Karin Schweizer und Florian Theilmann bis zum Ende des Sommersemesters auf der Brücke zu bleiben. "Auf die Lehre und den sonstigen Betrieb hat das keine Auswirkung, alles läuft weiter wie zuvor", versichert Reichold. Er ist seit 2011 als Vorsitzender des Hochschulrats im Amt, der die Entwicklung und der Pädagogischen Hochschule, ihre Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit maßgeblich mitbestimmt. "Der Martinsberg ist in einer guten Verfassung", sagt er und meint damit nicht nur die baulichen Veränderungen rund um die Basilika und das denkmalgeschützte Gebäude. Auch die Ausrichtung stimme. Und darüber hinaus sei die Hochschule inzwischen verwaltungstechnisch wieder gut aufgestellt. Umbach, der kurz vor seiner offiziellen Bestellung durch das Wissenschaftsministerium steht, ist bereits abgestellt, um in Weingarten die wesentlichen Verwaltungsarbeiten fortzuführen.

Uwe Umbach (links) ist am 15. Dezember 2017 zum neuen Kanzler der PH Weingarten gewählt worden. Ihm gratuliert der Hochschulratsvorsitzende Hermann Reichold.
Uwe Umbach (links) ist am 15. Dezember 2017 zum neuen Kanzler der PH Weingarten gewählt worden. Ihm gratuliert der Hochschulratsvorsitzende Hermann Reichold. | Bild: Pädagogische Hochschule

Kein schlechter Arbeitsplatz für einen Rektor sollte man meinen. Doch Pietraß hat das offenbar anders gesehen. "Wir hätten sehr gerne eine Frau in dieser Position gehabt", bedauert Reichold die Absage der Kandidatin. Zudem sei man von ihren Führungsqualitäten und Konfliktlösungskompetenzen überzeugt gewesen. Pietraß, die eine Professur für Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Medienbildung an der Universität der Bundeswehr in München innehat, ist dort seit vielen Jahren Dekanin der Fakultät Humanwissenschaften. Und das vermutlich mit sehr guten Bezügen. Denn, so Reichold, sie sei mit dem Besoldungsrahmen an der vergleichsweise kleinen Pädagogischen Hochschule nicht zufrieden gewesen. Offenbar habe sie sich diesen anders vorgestellt und die wissenschaftliche Arbeit in München blieb deshalb verlockender. Am Freitag teilte Pietraß dem SÜDKURIER nach mehrmaligen Anfragen mit, dass sie für eine Auskunft in dieser Sache nicht zur Verfügung stehe.

Senat und Hochschulrat haben erneut eine Findungskommission benannt, die jetzt zum zweiten Mal den Ausschreibungstext beschließen muss. Der Text kann diesmal anders formuliert werden. War in der ersten Ausschreibung noch zu lesen, dass sich der Amtsinhaber ebenfalls bewirbt, braucht dieses Mal, ohne diesen Satz, kein potenzieller Bewerber mehr befürchten, gegen einen beliebten "Insider" antreten zu müssen. "Wir hoffen deshalb auf mehr und andere Bewerber", sagt Reichold dazu. Ab Mitte April hofft er, mit der Findungskommission bereits Bewerbungen studieren zu können. Die Wahl ist für Mitte Juli geplant, sodass die Stelle zum 1. August, spätestens zum 1. September wieder besetzt werden kann.

 

Die Pädagogische Hochschule Weingarten

Vorläufer der Pädagogischen Hochschule Weingarten ist das 1947 gegründete ReutlingerPädagogische Institut, eine Einrichtung, die speziell auf die Lehrerbildung für Volksschulen und die Anfänge der Grund- und Hauptschulen ausgerichtet war. 1949 zog das Institut nach Angaben der Hochschule von Reutlingen nach Weingarten. 1962 wurde die Pädagogische Hochschule Weingarten eingerichtet. Zu wissenschaftlichen Einrichtungen wurden die Pädagogischen Hochschulen durch das "Gesetz über die Rechtsstellung der Pädagogischen und der Berufspädagogischen Hochschulen" von 1971. Ab 2006 begann die sie neben den Lehramtsstudiengängen ihr Angebot an wissenschaftlichen Studiengängen für weitere Bildungsberufe auszubauen.