„Mehr Bio vom Bodensee durch Tradition und Innovation“ lautet das Motto für die Bio-Musterregion Bodensee, die jetzt offiziell auf der Taufe gehoben wurde und 2019 so richtig in Schwung kommen soll. Dafür sorgen will ab Januar Regionalmanager Rainer Grimminger, der die Aktivitäten im Bodenseekreis und im Landkreis Konstanz koordiniert. Drei Jahre lang wird diese Netzwerkarbeit für Erzeuger, Verarbeiter und Vermarkter vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz mit jeweils 100 000 Euro gefördert. Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU) gab nun in den Räumen des Überlinger Großhandels für Naturkost Bodan den Startschuss. Der Ort sei prädestiniert für diese Auftaktveranstaltung, sagte sie, schließlich ist Bodan erst wenige Tage zuvor mit dem Umweltpreis des Landes ausgezeichnet worden.

„Mehr Bio vom Bodensee durch Tradition und Innovation“ lautet der Slogan für die Bio-Musterregion Bodensee.
„Mehr Bio vom Bodensee durch Tradition und Innovation“ lautet der Slogan für die Bio-Musterregion Bodensee. | Bild: dpa

Kreisübergreifende Kooperation

In mehrfacher Hinsicht ist die vierte Bio-Musterregion im Ländle eine Besonderheit. Zum einen aufgrund der kreisgrenzübergreifenden Kooperation zwischen Konstanz und Friedrichshafen, die die Landräte Frank Hämmerle und Lothar Wölfle mit ihrer Anwesenheit bei der Veranstaltung unterstrichen. Immerhin können die beiden Landratsämter auf eine langjährige gemeinsame Erfahrung bei Plenum-Projekten zurückgreifen. Darüber hinaus schließt sich der Bodensee an die Bio-Musterregion im Kreis Ravensburg unmittelbar an.

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Sensible Gratwanderung

Dass das Projekt eine Herzensangelegenheit für sie ist, zeigte Gurr-Hirsch dadurch, dass sie bei der Auftaktveranstaltung nicht nur wohlmeinende Grußworte formulierte, sondern sich gleich mehrfach in das Gespräch mit verschiedenen Akteuren einschaltete. Zum Beispiel, als es um die Nutzung und Verarbeitung überschüssiger Lebensmittel ging oder um nachwachsendes Verpackungsmaterial, dass kompostierbar ist und keinen Müll hinterlässt. Dass die Aktivitäten im Ökobereich eine sensible Gratwanderung sind, machte Gurr-Hirsch mit ihrem Hinweis darauf deutlich, dass die großen Bioverbände wie Demeter, Bioland und Naturland inzwischen auch mit dem großen Lebensmitteleinzelhandel wie Lidl, Kaufland, Edeka und Rewe kooperierten. Wem dies ein Dorn im Auge sei, dem empfahl Bodan-Geschäftsführer Sascha Damaschun, bei den kleinen Läden einzukaufen. „Die Anbauqualität reicht heute längst nicht mehr aus“, sagte er: „Es kommt bei den Menschen auch auf die Herkunft, auf die Identität und die Transparenz an.“

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Schwerpunktthemen sind Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung

Einige Leuchtturmprojekte skizzierte der künftige Regionalmanager Rainer Grimminger zu den Schwerpunkten Erzeugung, Verarbeitung, Vermarktung, Vernetzung mit dem ökologischen Landbau sowie Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. So nannte er beispielsweise die Verarbeitung von sommerlichem „Überschussgemüse“ oder die Schaffung von Logistikstrukturen zur Bedienung von Mensen und Kantinen.

Verarbeitungswege und Vermarktungsstrategien für überschüssige Lebensmittel zu entwickeln, ist eines der Ziele in der Musterregion: Der künftige Regionalmanager Rainer Grimminger (links) zeigt dem Landtagsabgeordneten Martin Hahn mit den Tomatensaucen ein Produkt aus vollreifen Früchten.
Verarbeitungswege und Vermarktungsstrategien für überschüssige Lebensmittel zu entwickeln, ist eines der Ziele in der Musterregion: Der künftige Regionalmanager Rainer Grimminger (links) zeigt dem Landtagsabgeordneten Martin Hahn mit den Tomatensaucen ein Produkt aus vollreifen Früchten. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Bio-Caterer will Landesgartenschau versorgen

Zu den Pionieren auf diesem Terrain gehört Peter Rothe aus Friedrichshafen, der dort nicht nur das vegane Lokal „V2O“ betreibt, sondern sich mit seiner Firma auch auf Bio-Catering spezialisiert hat. Rothe hat sich für die Landesgartenschau in Überlingen als Gastronom beworben und will, falls er den Auftrag bekommt, so weit es geht auf regionale Erzeuger zurückgreifen. „Wenn wir den Auftrag bekommen sollten, dann wird es zu 100 Prozent Bio geben“, versprach er. Ob er zum Zug kommt, wird die Landesgartenschau Überlingen GmbH am Mittwoch bekannt geben.