Aus zehn Themen, die der Denkraum Bodensee zur Zukunft des Bodensee-Tourismus erarbeitet hatte, standen für das diesjährige Bodensee-Tourismusforum im Graf-Zeppelin-Haus vier zentrale Themen zur Diskussion, um erste praktische Ansätze zu deren Umsetzung zu entwickeln.

„Der Tourismus am Bodensee steht auf einer guten Basis, aber der demografische Wandel und die Klimakrise stellen uns vor neue Herausforderungen“, sagte dazu Jürgen Ammann, Geschäftsführer der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH (IBT). So brannte den Teilnehmern aus den Branchen Gastronomie, Hotelgewerbe und Touristinformation vor allem der Fachkräftemangel unter den Nägeln.

Jürgen Ammann, Geschäftsführer der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH (IBT): „Der Tourismus am Bodensee steht auf einer guten Basis, aber der demografische Wandel und die Klimakrise stellen uns vor neue Herausforderungen.“
Jürgen Ammann, Geschäftsführer der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH (IBT): „Der Tourismus am Bodensee steht auf einer guten Basis, aber der demografische Wandel und die Klimakrise stellen uns vor neue Herausforderungen.“ | Bild: Anette Bengelsdorf
  • Die Arbeitsgruppen, die das Thema „Ohne Arbeitskräfte ist alles nichts“ vertieft hatten, destillierten als Ursache in erster Linie ein verändertes Arbeitsverständnis der jüngeren, eher freizeitorientierten Generationen heraus. In Konkurrenz mit der Industrie gelte es daher, das Dienstleistungsgewerbe mit flexiblen Arbeitszeiten und Teammodellen mit Homeoffice attraktiver zu machen. Zudem benötige man neue Vergütungsmodelle – etwa mit Bonuszahlungen. Auch die Wertschätzung der Branche in der Gesellschaft sei noch nicht etabliert, stellte Daniela Leipelt von der Oberschwaben Tourismus GmbH fest.
Touristiker tauschen sich im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen aus.
Touristiker tauschen sich im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen aus. | Bild: Anette Bengelsdorf
  • Gerade in der Gastronomie mit Seesicht hatte die Arbeitsgruppe „Qualität als Grundvoraussetzung für Erfolg“ noch Luft nach oben festgestellt. Nicht nur qualifizierte Mitarbeiter, auch die Qualität der Produkte trage maßgeblich zum Erfolg der Tourismusregion bei. So gelte es, gemeinsame Werte zu finden und diese zu definieren, forderte Jürgen Jankowiak von der Überlingen Marketing und Tourismus GmbH. Eine signifikante Verbesserung der Gastfreundschaft, eine Kontrolle nicht länger über Gütesiegel, sondern über Bewertungsportale im Internet und gemeinsame Qualitätsstandards der Genussregion sollen dahingehend Verbesserungen bringen.
Urs Treuthardt und Christian Schützinger von der Vorarlberg Tourismus GmbH – in der Mitte des Arbeitskreises – hatten sich dem Thema Arbeiten in Netzwerken und Kompetenzzentren angenommen.
Urs Treuthardt und Christian Schützinger von der Vorarlberg Tourismus GmbH – in der Mitte des Arbeitskreises – hatten sich dem Thema Arbeiten in Netzwerken und Kompetenzzentren angenommen. | Bild: Anette Bengelsdorf
  • Regionalen Qualitätsschwankungen soll zukünftig verstärkt mit einem grenzenlosen Produktmanagement 4.0 entgegengewirkt werden. Doch spätestens beim Thema grenzenlose Mobilität, um zum Beispiel unterbrechungsfrei mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) rund um den See zu kommen, und der Kompatibilität der zahlreichen Gästekarten sah Pietro Beritelli von der Universität St. Gallen mit seiner Arbeitsgruppe „noch einiges an Handlungsbedarf“.
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Unterschiedliche rechtliche Grundlagen und administrative Grenzen stünden hier einer positiven Entwicklung noch entgegen.“Ich glaube, dass die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Organisationen zukünftig noch wichtiger wird“, fand deshalb Joséphine Weinig von der schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein.

Der Komplexität mancher Themen konnte man in vielen kleinen Arbeitsgruppen besser gerecht werden: Hier ging es um den Fachkräftemangel aus Sicht der Arbeitnehmer.
Der Komplexität mancher Themen konnte man in vielen kleinen Arbeitsgruppen besser gerecht werden: Hier ging es um den Fachkräftemangel aus Sicht der Arbeitnehmer. | Bild: Anette Bengelsdorf
  • Dem stimmte auch Andreas Humer-Hager zu und hatte sich der Gruppe „Arbeiten in Netzwerken und Kompetenzzentren“ angeschlossen. Wie sehr die Region über ihren Tellerrand schauen muss, machte der Mitarbeiter des Bodensee-Airports in Friedrichshafen am Beispiel der verschiedenen Luftfahrtgesellschaften bewusst: „Turkish Airlines vermarktet den Bodensee unter anderem in Asien„, erklärte er. Und mit British Airways kämen englische Ski-Touristen in die Region, die ihren Urlaub am Arlberg verbringen.
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Die Aufgabe, vier Länder und die unterschiedlichsten Touristen unter einen Hut zu bringen, lassen sich zukünftig nur mit flachen Hierarchien und einem verbesserten Informationsfluss bewältigen. Und Expertise von außen. Christian Schützinger vom Vorarlberg-Tourismus sagte: „Andere Sichtweisen helfen dabei, andere Lösungen zu kreieren.“

Auch vor dem Graf-Zeppelin-Haus wird diskutiert.
Auch vor dem Graf-Zeppelin-Haus wird diskutiert. | Bild: Anette Bengelsdorf