Neun Gemeinden am Bodensee bieten sie in diesem Jahr an, die Echt-Bodensee-Card, kurz EBC. Gemeint ist jene Gästekarte, die im Mai 2017 mit Pleiten, Pech und Pannen und teils gegen den heftigen Protest von Gastgebern in nur vier Gemeinden an den Start ging. Nun hat die Deutsche Bodensee Tourismusgesellschaft (DBT), die die Karte eingeführt hat und betreibt, seit März eine neue Chefin. Es ist jetzt Aufgabe von Ute Stegmann, langjährige Leiterin der Tourist-Information Immenstaad, das umstrittene Projekt in ruhiges, solides Fahrwasser zu bringen. Im Gespräch mit unserer Zeitung hat die Tourismus-Expertin, die auch im DBT-Fachbeirat saß, auf die drängendsten Fragen geantwortet.

  • Wie steht die DBTheute finanziell da? Nach Aussage von Ute Stegmann kann die Tourismusgesellschaft das Geschäftsjahr 2018 mit einem kleinen Überschuss abschließen. 2017 fehlten unterm Strich noch rund eine halbe Million Euro in der Kasse. Ihr Ziel sei es, nicht nur jedes Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis vorzulegen, sondern auch den Kredit des Landkreises abzuzahlen und keine neuen Schulden zu machen. Der Hauptgesellschafter hatte der DBT für die Einführung der Gästekarte 1,2 Millionen Euro gewährt. „Umso mehr Gemeinden an der EBC beteiligt sind, desto größer ist unser Handlungsspielraum auch finanziell“, sagt Ute Stegmann.
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  • Wie will die neue DBT-Chefin weitere Gemeinden für die EBC gewinnen? „Ich gehe vorsichtig an das Thema heran“, sagt sie. Viele Gespräche habe sie bereits geführt und werde sie noch führen – nicht nur mit den Gemeinden selbst, sondern auch mit den Vermietern. Mancher Ort sei interessiert, andere Orte lehnten die Gästekarte nach wie vor ab. „Ich möchte zuhören und herausfinden, warum die Zurückhaltung so groß ist“, so die neue DBT-Chefin. Ein Thema sei sicher die Einführung der elektronischen Meldepflicht, die ganz klar einen Mehraufwand bei den Gastgebern erzeuge, die nur eine oder wenige Ferienwohnungen vermieten. Ein weiteres Argument, warum Orte nicht auf die EBC „abfahren“, sei die zum Teil schlechte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Deshalb sei es ihr Ziel, zuerst jene Gemeinden zu überzeugen, die auf der Seelinie gut mit Bus und Bahn zu erreichen sind, für die die EBC einen echten Mehrwert biete. „Ich möchte überzeugen, nicht überreden“, bringt sie ihre Haltung dazu auf einen Punkt.
  • Inwiefern ist die DBT bereit, den an der EBC beteiligten Gemeinden mehr Mitsprache einzuräumen? „Diese Forderungen sind mir bekannt“, sagt Ute Stegmann. Sie habe großes Verständnis, dass beispielsweise Transparenz darüber verlangt wird, was die DBT mit den Einnahmen aus den Gemeinden mache und sehe die EBC-Gemeinden als gleichberechtigte Partner. Für die Strukturen der DBT seien die Gesellschafter verantwortlich.
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  • Wäre die Absenkung des Solidarbeitrags von 1 Euro pro Gast und Übernachtung für die EBC hilfreich? „Mir ist bewusst, dass dieser Preis sensibel ist“, sagt Ute Stegmann. Der DBT-Anteil von 25 Cent an dem Soli-Beitrag sei für die nächsten fünf Jahre bis 2023 festgeschrieben. Der Beitrag von 75 Cent, den der Verkehrsverbund Bodo erhält, stehe bis Ende 2019 fest und könne ab 2020 nur im Rahmen der üblichen Teuerung angehoben werden. Mehr zu verlangen, „da wären wir schlecht beraten“, sagt Ute Stegmann. Allerdings habe die DBT keine Rückmeldungen erhalten, dass die wegen der Einführung der Gästekarte erhöhte Kurtaxe schuld daran wäre, dass weniger Gäste in den EBC-Gemeinden ihren Urlaub buchen.
  • Wie weit sind die Bemühungen, eine gemeinsame Gästekarte auch mit dem Landkreis Konstanz zu etablieren? Eines der ersten Gespräche als neue DBT-Chefin habe sie mit Erich Thiel, Geschäftsführer des Tourismusverbands „Regio Konstanz„ geführt, so Ute Stegmann. „Unter uns Touristikern ist klar, dass wenigstens die gegenseitige Akzeptanz der EBC- und der VHB-Gästekarte das Ziel sein muss.“ Beide Verkehrsverbünde stünden in Gesprächen. Aber es bleibe eine spannende Aufgabe, eine Lösung zu schaffen, damit die Gäste mal rund um den See den öffentlichen Nahverkehr mit ihrer Gästekarte nutzen können.
  • Strebt die DBT weiterhin eine elektronische Lösung für die Gästekarte an? „Wir werden die nächsten zwei, drei Jahre erst einmal abwarten, wie sich die Akzeptanz der EBC entwickelt. So lange bleiben wir bei dieser einfachen Papierlösung“, sagt Ute Stegmann. Sie persönlich glaube nicht, dass die Chipkarte noch einmal komme; die technische Entwicklung gehe ja weiter. Wenn die DBT am Kartenmodell noch einmal etwas ändere, werde man die Gastgeber diesmal aber mitnehmen. „Den Fehler machen wir nicht noch einmal“, verspricht sie.
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  • Die meisten der 175 Tourismuspartner gewähren den EBC-Inhabern nur kleine Vergünstigungen. Warum ist das so? „Man sollte die Wertigkeit der Karte nicht an den Rabatten festmachen“, sagt Ute Stegmann. Hauptargument für die Partnerschaft sei der EBC-Reiseführer, der in diesem Jahr mit einer Auflage von 100 000 Stück gedruckt wurde. Jeder Partner ist hier mit einem kostenfreien Eintrag vertreten – eine „gute Vermarktungsschiene“, so Stegmann. Mehr noch: „Wir erreichen so, dass die Gäste in der ganzen Region mobil und in Bewegung sind und auch kleine Museen entdecken.“ Als Gegenleistung erhalten die Gäste einen kleinen Rabatt auf den Eintritt oder andere Vergünstigungen.
  • Vielen Gastgebern stößt nach wie vor auf, dass das Buchungsportal der DBT über den Konzern HRS läuft. Bleibt das so? „Nein, wir werden diese Kooperation lösen“, sagt die DBT-Chefin. Derzeit suche man noch nach einer möglichst kostengünstigen Lösung, um den Gastgebern weiterhin eine Online-Buchung zu ermöglichen. „Wir wollen einen neuen Weg gehen und sind zeitnah dran“, so Stegmann.