Wenn alles nach Plan läuft, dann sollen auf dem Gelände des ehemaligen Strandbades Eichwald in Lindau die Bauarbeiten für die geplante Therme des Überlinger Investors Andreas Schauer beginnen. Jetzt hat der Bund Naturschutz in Lindau eine zweite Klage gegen den Bau des rund 34,5 Millionen Euro teuren Bades beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München eingereicht. Die Stadt Lindau sieht den Klagen nach eigenen Angaben gelassen entgegen.

Bereits Ende Februar hatten die Naturschützer, nachdem der vorhabenbezogene Bebauungsplan veröffentlicht und die Baugenehmigung erteilt war, sofort geklagt, vorher sei dies rechtlich nicht möglich gewesen, so die Verantwortlichen des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Lindau. Jetzt legt der BUND nach und hat, vertreten durch seine Anwältin Lisa Eberlein, eine weitere Klage auf den Weg gebracht. Mit einer so genannten Normenkontrollklage beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München soll der Bau ebenfalls verhindert werden. 

Auch wenn das alte Lindauer Eichwaldbad derzeit abgerissen wird, ist noch nicht ganz sicher, ob an dieser Stelle die Therme gebaut werden kann. Der BUND Lindau hat jetzt eine zweite Klage den den Bau eingereicht.
Auch wenn das alte Lindauer Eichwaldbad derzeit abgerissen wird, ist noch nicht ganz sicher, ob an dieser Stelle die Therme gebaut werden kann. Der BUND Lindau hat jetzt eine zweite Klage gegen den Bau eingereicht. | Bild: Susanne Hogl

Der BUND, so die eigenen Angaben der Naturschützer, will durch die beiden Verfahren prüfen lassen, ob das geplante Großprojekt Therme mit den Zielsetzungen des Landschaftsschutzgebietes "Bayer. Bodenseeufer" und dem Bodenseeleitbild der drei Anrainerstaaten in Einklang zu bringen ist. Die Lindauer Naturschützer bemängeln zudem, dass die artenschutzrechtlichen Prüfungen im Hinblick auf die angrenzenden Natura 2000- und SPA-Vogelschutzgebiete (Special Protection Areas) unzureichend geprüft worden sind. So fehle es an einer Umweltverträglichkeitsprüfung für diese Schutzgebiete, die nach BUND-Ansicht dringend erforderlich gewesen wären, schreiben die Lindauer Naturschützer in einer Presseerklärung.

Erich Jörg, BUND-Vorsitzender in Lindau, ärgert sich auch darüber, dass ihm vorgeworfen wird, den Bau jetzt zu einem so späten Zeitpunkt verhindern und verzögern zu wollen. "Die politischen Entscheidungen sind zwar gefallen, aber damit endet der demokratische Prozess eben nicht", so Erich Jörg. Es sei ein Grundrecht der Verfassung, Entscheidungen von staatlicher Seite durch unabhängige Gerichte überprüfen zu lassen. Vonseiten der Stadt Lindau wurde bereits Ende Februar, nach der ersten Klage des BUND, verkündet, dass man dem Ganzen gelassen gegenüberstehe. Jürgen Widmer, Sprecher der Stadt Lindau, ist sich sicher, dass nach ausreichender Bürgerbeteiligung und allen vorliegenden Zustimmungen des zuständigen Landratsamtes und der Regierung von Schwaben alle Rechtsvorschriften beachtet worden seien.

Anders sieht das Lindaus BUND-Vorsitzender Erich Jörg, der in einer Erklärung mitteilt: "Wenn derartige massive Bauten in Schutzgebieten rechtens sind, dann wären Schutzgebiete überflüssig und hätten jeglichen Zweck verloren. Das hier ist ein Präzedenzfall für ganz Bayern." Ob der Bau der Therme Lindau, die einmal die größte am Bodensee werden soll, wie geplant im Sommer beginnen kann, hängt jetzt von den Entscheidungen der Gerichte in Augsburg und München ab. Möglich sind auch weiterhin Klagen von Anwohnern, von denen einige auch erwägen, den Rechtsweg zu bestreiten.
 

Therme Lindau

Der Bau der Therme Lindau, die nach ihrer Fertigstellung die größte am Bodensee sein soll, soll insgesamt 34,5 Millionen Euro kosten. Gebaut wird sie vom Überlinger Bäderexperten Andreas Schauer. Die Stadt Lindau beteiligt sich mit 14,5 Millionen Euro an dem Projekt und unterhält mit den Bäderbetrieben Lindau das sogenannte Grundversorgungsbad mit Strand- und Freibad sowie ein Sport- und Familienbad weiterhin in Eigenregie. Wenn es jetzt zu keinen weiteren Verzögerungen kommt, sollen erste Teilbereiche des Bades im Jahr 2020 fertig sein.