Nun sind die Verträge für Ausbau und Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn im Abschnitt Friedrichshafen – Radolfzell unterschrieben: Vertragspartner sind der Interessenverband Bodenseegürtelbahn, vertreten durch die beiden Landkreise Bodenseekreis und Konstanz, sowie die DB Netz AG, die DB Station & Service AG und die DB Energie GmbH, heißt es in einer Mitteilung des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben. Ebenso unter Dach und Fach sei der Zuschussvertrag mit dem Land. Auch diesen Vertrag haben die Landräte Lothar Wölfle für den Bodenseekreis und Frank Hämmerle für den Landkreis Konstanz als direkte Zuschussnehmer gegengezeichnet. Demnach fördert das Land die Planungskosten mit einem Viertel des Gesamtbetrages von 3,8 Millionen Euro.

Vorplanung dauert zwei Jahre

Zunächst gehe es um die Planungsarbeiten für die ersten Phasen. Diese laufen bereits seit Jahresbeginn. Dabei sollen die Grundlagen einschließlich der Vorplanung ermittelt sowie die Kosten abgeschätzt werden. Voraussichtlich würden diese Arbeiten in knapp zwei Jahren abgeschlossen sein, heißt es. Erfreulich sei auch die Nachricht aus Berlin, wonach der Bund die Maßnahme bereits als Merkposten mit 140 Millionen Euro in sein GVFG-Programm aufgenommen habe. Auf dieser Grundlage teilen sich die Kosten für die späteren Baumaßnahmen auf: 60 Prozent trägt der Bund, je 20 Prozent das Land und die kommunale Ebene.

Franke: "Existenzfrage" für den Bodenseeraum

Der Geschäftsführer des Interessenverbandes Bodenseegürtelbahn, Regionalverbandsdirektor Wilfried Franke, äußerte sich zufrieden mit dem bislang Erreichten, vor allem auch vor dem Hintergrund der erst wenige Monate zurückliegenden Beschlüsse in den Gemeinden und Kreistagen. Für den westlichen Bodenseeraum sei es eine Existenzfrage, die Schieneninfrastruktur nach über 100 Jahren zu ertüchtigen. Wenn im gesamten Süden Deutschlands alle wesentlichen Schienenstrecken in wenigen Jahren ausgebaut und elektrifiziert sein werden, müsse auch die Lücke zwischen Friedrichshafen und Radolfzell rasch geschlossen werden, betonte Franke, ansonsten stünde zu befürchten, dass die Region abgehängt würde. Derzeit befinden sich die Allgäubahn und die Südbahn im Bau, die Hochrheinbahn ist in fortgeschrittener Planung.

Zwei Varianten werden untersucht

Die Vorplanung einschließlich der Kostenschätzung sowohl für eine Referenzvariante mit stündlich schnellem und stündlich langsamem Verkehr als auch eine alternative Vorzugsvariante mit stündlich schnellem und halbstündlich langsamem Verkehr sollen bis Ende 2020 vorliegen, heißt es. Auf dieser Basis folgen die Kostennutzenanalysen sowie die formelle Beantragung zur Aufnahme des Projekts ins GVFG-Förderprogramm des Bundes. Die kommunalen Gremien müssten dann erneut über das weitere Vorgehen entscheiden.