Bei vielen war die Vorfreude schon groß: Gleich zwei neue schwedische Ikea-Einrichtungshäuser an den Standorten Lustenau und Memmingen sollten in der Region entstehen. Bislang stehen die nächsten Ikea-Häuser in Ulm und im schweizerischen St. Gallen. Seit Dienstag steht fest: Zumindest das geplante Einrichtungshaus im vorarlbergischen Lustenau wird es nicht geben. Die Verantwortlichen der Bürgerinitiative in Lustenau, die eine Volksabstimmung auf den Weg gebracht haben, freuen sich über die Entscheidung des Ikea-Konzerns. In Memmingen hätte es eigentlich demnächst mit den Bauarbeiten losgehen sollen, doch auch dort ist das Projekt vorerst auf Eis gelegt. Wann und in welcher Form in Memmingen ein Ikea-Einrichtungshaus kommen wird, ist nicht sicher.

Auf diesem Gelände in der Nähe des Dornbirner Messeparks hatte Ikea geplant, ein Möbelhaus im vorarlbergischen Lustenau zu errichten. Das ist jetzt vom Tisch.
Auf diesem Gelände in der Nähe des Dornbirner Messeparks hatte Ikea geplant, ein Möbelhaus im vorarlbergischen Lustenau zu errichten. Das ist jetzt vom Tisch. | Bild: Susanne Hogl

Extrem viel Verkehr rund um Lustenau

"The Day After": Unter dieses Motto hatte der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer sein Pressegespräch zum Aus für Ikea gesetzt. Offiziell hatte Fischer am Dienstag erfahren, dass sich der Ikea-Konzern endgültig vom Bau eines Möbelhauses in seiner Gemeinde verabschiedet. In der Marktgemeinde in der Nähe von Dornbirn und nahe der Schweizer Grenze war der geplante Ikea-Markt umstritten. Schon jetzt leidet Lustenau unter einem extrem hohen Verkehrsaufkommen. Grund dafür sind viele Schweizer, die zum Einkaufen nach Österreich kommen, und eine unglückliche Verkehrsführung, die den gesamten Schwerlastverkehr fast unmittelbar durch den Ort führt. Die Bürgerinitiative "Lebenswertes Lustenau" hatte erfolgreich Unterschriften für eine Volksabstimmung gesammelt, die am 27. Mai stattfinden sollte. Abstimmen sollten die Bewohner über folgende Frage: "Soll die Marktgemeinde Lustenau Ikea, durch entsprechende Flächenwidmung, trotz zu erwartendem Mehrverkehr, ansiedeln?"

Kurt Fischer, der Bürgermeister von Lustenau, hätte sich zwar über die Ansiedlung von Ikea in seiner Gemeinde gefreut. Nun hofft er aber, das Gelände anders nutzen zu können.
Kurt Fischer, der Bürgermeister von Lustenau, hätte sich zwar über die Ansiedlung von Ikea in seiner Gemeinde gefreut. Nun hofft er aber, das Gelände anders nutzen zu können. | Bild: Susanne Hogl

Volksabstimmung jetzt ohne Grundlage

Möglicherweise muss die Gemeinde, auch wenn durch das Nein von Ikea die Grundlage fehlt, die Volksabstimmung trotzdem umsetzen: "Wir wollten mit der Volksabstimmung ein Best Practice geben für direkte Demokratie. Jetzt droht das zu einer Farce zu werden: Denn nun, nach dem Projekt-Aus, fehlt die inhaltliche Grundlage für die Volksabstimmung", sagt Bürgermeister Fischer. "Dass es, wie einige Rechtsexperten in einer ersten Aussage meinen, gesetzlich keine Möglichkeit gebe, eine Volksabstimmung nach so völlig geänderten Voraussetzungen auch wieder abzusagen, ist für uns schwer nachvollziehbar."

Ikea: Entwicklung hat zu lange gedauert

Ikea Österreich hat zwar nach eigen Angaben das Projekt Lustenau auf "Eis gelegt". Nach Aussagen von Konzernsprecherin Barbara Riedl besteht aber eine vage Hoffnung: "Vorarlberg bleibt für uns als Standort natürlich interessant." In der offiziellen Erklärung von Ikea Österreich zur Absage an den Standort Lustenau sprechen die Verantwortlichen aber auch die Verkehrsproblematik offen an: "Wir haben in den vergangenen Jahren viel Energie und Geld in die Evaluierung der Entwicklungsmöglichkeiten investiert – etwa in aufwendige Verkehrsuntersuchungen und in Planung und Beurteilung von Lösungsmöglichkeiten durch externe Spezialisten, in interne wie externe Architekten sowie in die Entwicklung eines ganz eigenen, auf den Standort zugeschnittenen, Konzepts. Insgesamt hat aber die Entwicklung zu lange gedauert, ohne dass richtige Fortschritte spürbar waren. Daher die Entscheidung der Aufsichtsgremien", bedauert Rodolphe De Campos von Ikea Österreich. Außerdem habe speziell das scheinbar schwer lösbare Thema des Verkehrs zuletzt zunehmend Kopfzerbrechen bereitet. Kurt Fischer und die Verantwortlichen der Gemeinde Lustenau wollen jetzt so schnell wie möglich mit Ikea Kontakt aufnehmen, um die Vertragsauflösung mit Ikea abzuwickeln. Den erst dann, da ist sich Bürgermeister Fischer sicher, ist der Weg frei für eine Neuentwicklung auf dem 24 000 Quadratmeter großen Gelände.

In Lustenau wird es keinen Ikea geben. Die Pläne für den geplanten Ikea in Memmingen stehen auf dem Prüfstand. Sicher ist nur: So wie auf dem Bild von Ikea einst dargestellt, wird das Möbelhaus – so es denn kommen sollte – nicht mehr aussehen.
In Lustenau wird es keinen Ikea geben. Die Pläne für den geplanten Ikea in Memmingen stehen auf dem Prüfstand. Sicher ist nur: So wie auf dem Bild von Ikea einst dargestellt, wird das Möbelhaus – so es denn kommen sollte – nicht mehr aussehen. | Bild: Montage: Ikea

Ikea-Pläne in Memmingen auf Prüfstand

Auch der zweite in der Region geplante Ikea-Standort im bayerischen Memmingen steht auf dem Prüfstand. Als Grund nennt Ikea seine geänderte Expansionsstrategie: Die Schweden wollen künftig eher Standorte in Nähe von Stadtzentren bauen. In der Stellungnahme spricht Ikea davon, dass die geplante Ansiedlung in Memmingen zurzeit überprüft wird. Ikea wird das dort ursprünglich geplante Standard-Einrichtungshaus nicht weiter verfolgen – noch nicht entschieden ist, wie ein mögliches neues Konzept aussehen könnte. Sicher ist aber schon jetzt, dass das Einrichtungshaus wesentlich kleiner als ursprünglich geplant ausfallen soll – und ein großer Fachmarkt daneben unabdingbar sei.

Standard-Ikea-Haus auf jeden Fall vom Tisch

Optimistisch ist hingegen nach wie vor Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder: "Der Standort Memmingen steht grundsätzlich nicht in Frage." Auf einer Bürgerforumsseite auf der Homepage der Stadt Memmingen nimmt Ikea Stellung – und das klingt weniger optimistisch: "Für den Standort Memmingen gibt es mehrere Optionen, mit denen wir uns nun beschäftigen. Grundsätzlich ist das Ergebnis dieser Prüfung momentan noch offen. Fest steht nur, dass das bisher von uns in Memmingen geplante Standard-Einrichtungshaus in dieser Form nicht weiter verfolgt wird. Eine mögliche Option, die wir für den Standort prüfen werden, ist etwa die Kombination aus einem etwas kleineren Einrichtungshaus und einem größeren Lager, von dem aus die Kunden in der Region bei Online-Bestellungen direkt beliefert werden."

 

Das waren die ursprüngliche Pläne

  • In Memmingen plante Ikea bislang: Grundstücksfläche: 147 000 m2, Verkaufsfläche: 47 700 m2, Investitionssumme: 100 Millionen Euro, Zahl neuer Mitarbeiter: 300, Eröffnung: Ende 2019
  • In Lustenau plante Ikea in der Nähe des Messeparks Dornbirn: Gesamtfläche: 24 000 Quadratmeter, Verkaufsfläche: 10 000 Quadratmeter, Zahl neuer Mitarbeiter: 240
  • Expansionsstrategie: Ikea wird nach eigen Aussagen bei seiner weiteren Expansion in Deutschland künftig den Fokus auf Metropolregionen und Innenstädte legen. "Die Einzelhandelslandschaft und die Kundenbedürfnisse sind im Umbruch. "Wir wollen in Zukunft auf flexiblere Konzepte setzen", sagt Expansionschef Johannes Ferber. "Deshalb ändern wir unsere bisherige Expansionsstrategie und werden uns auf Standorte nahe der Stadtzentren konzentrieren." Nicht betroffen sei der bereits begonnene Bau des Ikea-Hauses in Karlsruhe. Außerdem soll laut Firmenzentrale der Online-Handel mit dazugehörigen Verteilzentren ausgebaut werden.