Zur Interboot stellt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Bodenseekreis ihren neuen Gerätewagen Wasserrettung vor. „Leer kostet so ein Fahrzeug 110 000 Euro“, sagt der Rudi Krafcsik, Vorsitzender der DLRG Bodenseekreis. Der Verband hat das Geld durch Spenden zusammengebracht. Für die Ausrüstung der frisch ausgebildeten Strömungsretter ist der Landesverband eingesprungen – 1500 Euro pro Person plus Einholsack mit Leine für 400 Euro.

Fahrzeug- und Bootsflotte muss gewartet werden

DLRG-Kreisvorsitzender Rudi Krafscik: "Die laufenden Kosten von 35 000 Euro können wir gerade so finanzieren."
DLRG-Kreisvorsitzender Rudi Krafscik: "Die laufenden Kosten von 35 000 Euro können wir gerade so finanzieren." | Bild: Corinna Raupach

Wasserrettung ist teuer. „Die Tauglichkeitsuntersuchung für einen Taucher kostet pro Jahr 180 Euro und wir haben 22 Taucher“, sagt Krafcsik. Die Fahrzeug- und Bootsflotte muss gewartet und bei Bedarf überholt werden. Für die Reparatur des Motorrettungsboots „Huge Eckener“ musste der Verein an seine Rücklagen gehen.

Ehrenamtliche brauchen Dienstkleidung und Ausrüstung, Einsätze kosten Sprit

Die ehrenamtlichen Helfer brauchen Dienstkleidung und Ausrüstung, jeder Einsatz kostet Sprit. Krafcsik beziffert die laufenden Kosten für den Wasserrettungsdienst im Kreis auf 35 000 Euro im Jahr. „Das können wir gerade so finanzieren.“ Für Investitionen in Boote oder Ausrüstung muss er Sponsoren finden.

Ehrenamtliche im Einsatzfall Tag und Nacht zur Stelle

Ob Tag oder Nacht, Sommer oder Winter – bei Alarm verlassen die ehrenamtlichen Helfer Arbeitsplatz oder Familie und eilen zum Einsatzort.
Ob Tag oder Nacht, Sommer oder Winter – bei Alarm verlassen die ehrenamtlichen Helfer Arbeitsplatz oder Familie und eilen zum Einsatzort. | Bild: Corinna Raupach

Die DLRG ist in die Wasserrettung am Bodensee eingebunden, die Leitung liegt bei der Wasserschutzpolizei. Geht ein Notruf ein – gekentertes Motorboot, Segler in Seenot, vermisster Kanufahrer oder Schwimmer –, wird auch die DLRG gerufen. Egal ob im Sommer oder im Winter, tagsüber oder nachts – die Angerufenen verlassen Arbeit oder Familie und sind Minuten später am Einsatzort. Wer als Erstes kommt, greift ein, oft sind das die ehrenamtlichen Helfer. Wird bei einem Einsatz ein Mensch gerettet, übernehmen die Sozialversicherungen die Kosten. Bei falschem Alarm oder freiwilligen Patrouillenfahrten zahlt die DLRG selbst.

Norbert Zeller fordert mehr Geld vom Land

„Das ist ein Unding“, sagt der SPD-Kreistagsabgeordnete Norbert Zeller. Er fordert in einem Brief an Innenminister Thomas Strobl mehr Geld für die DLRG. „Die DLRG leistet in Baden-Württemberg und gerade am Bodensee eine wertvolle Arbeit für die Allgemeinheit. Da darf es nicht sein, dass eine so wichtige Rettungsorganisation schlechter gestellt ist als andere sogenannte Blaulichtfraktionen.“

Laut Rettungsdienstgesetz wird DLRG finanziell unterstützt

Bei den Gruppenabenden der DLRG werden die Einsatzarten geübt. Auch das Absichern einer Unfallstelle gehört dazu.
Bei den Gruppenabenden der DLRG werden die Einsatzarten geübt. Auch das Absichern einer Unfallstelle gehört dazu. | Bild: Corinna Raupach

Das Rettungsdienstgesetz sieht vor, dass das Land mit Diensten wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), der Johanniter-Unfall-Hilfe, der Bergwacht und der DLRG Vereinbarungen trifft, die die bedarfsgerechte Versorgung vor Ort sicherstellen. Dabei sollen die Beschaffung von Rettungsmitteln und der Erhalt von baulichen Anlagen gefördert werden. „Man sollte das Rettungsdienstgesetz in die Praxis umsetzen“, sagt Zeller. Andere Hilfsdienste würden bei Investitionen wesentlich großzügiger unterstützt.

34 DLRG-Bezirke müssen sich Geld vom Land teilen

Vom Land erhält die DLRG im Jahr 2018 nach Angaben des Innenministeriums rund 724 000 Euro für Rettungswachen und die Beschaffung von Rettungsmitteln. Dazu kommen rund 44 000 Euro im Bereich des Katastrophenschutzes. Das Geld teilen sich 34 Bezirke in Baden und Württemberg.

Zeller: Kreisverbände am Bodensee haben mehr Aufgaben als andere

Norbert Zeller sagt: „Die Kreisverbände am Bodensee haben ein wesentlich größeres Aufgabengebiet als andere, bei ihnen kommt zu wenig an.“ Alternativ schlägt er eine Abgabe der Bootshalter auf dem See vor, die die Landkreise als zweckgebundene Gebühr erheben und der DLRG zukommen lassen könnten. „Diese Frage wird derzeit vom Innenministerium geprüft“, sagt Carsten Dehner, Pressesprecher im Innenministerium.

Auch in Bayern ist bei der Wasserwacht das Geld knapp

Auch die anderen Rettungsdienste um den Bodensee müssen um ihre Finanzen ringen. In Bayern ist die Wasserwacht des Roten Kreuzes für die Wasserrettung zuständig. „Wir bekommen vom Land einen Sockelbetrag, der auf die Bezirksverbände umgelegt wird“, sagt Walter Herrman, Leiter der Kreiswasserwacht Lindau. Für die Kosten reiche das nicht aus. „Als wir 1999 ein Rettungsboot angeschafft haben, haben die anderen Kreise auf ihre Zuwendung verzichtet.“ Die Wasserwacht hat immerhin das DRK im Rücken, das einiges über Mitgliederbeiträge und Spenden abdeckt.

In Österreich greift teils der Rettungsfonds des Landes

Die Österreichische Wasserrettung (ÖWR) in Vorarlberg bekommt ihre Investitionen zum Teil über den Rettungsfonds des Landes erstattet. „Anderes finanzieren wir über eigene Einnahmen. Wir haben Förderer, die uns unterstützen. Denen bieten wir eine Such- und Bergeversicherung an, sodass sie einen Einsatz nicht selbst zahlen müssen“, sagt Sebastian Hellbock, Landesleiter der ÖWR in Vorarlberg.

In der Schweiz spielen Förderer eine große Rolle

„In der Schweiz gibt es wahrscheinlich so viele Lösungen wie Sektionen“, sagt Philipp Binaghi, Pressesprecher der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft. „Die Sektionen bekommen Mittel vom Staat, aber sie betreiben auch eigenes Fundraising.“ Auch hier spielen Förderer eine große Rolle. Dazu kommen Gebühren für Kurse, Mitgliedsbeiträge und Sachspenden.